Hobby-Astronom Josef Pöpsel ist Miteigentümer eines High-Tech-Teleskops

Sogar die NASA nutzt Astrofotos aus Neu-Berich

Strichspur-Aufnahme des Capella-Observatoriums, dessen Miteigentümer Josef Pöpsel, aus Neu-Berich ist.
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Strichspur-Aufnahme des Capella-Observatoriums, dessen Miteigentümer Josef Pöpsel, aus Neu-Berich ist.

Die NASA in Neu-Berich? Nicht ganz - aber immerhin schmücken einige in Berich entstandene Astro-Fotos die Webseite der NASA (Beispiel: https://svs.gsfc.nasa.gov/10770). Der Neu-Bericher Hobby-Astronom Josef Pöpsel hat nämlich zusammen mit zwei Kollegen, dem „Capella-Team“, seine Technik so sehr perfektioniert, dass bei ihm gelegentlich sogar die Profis von der NASA anklopfen und quasi um Amtshilfe bitten.

Bad Arolsen - Auch international erscheinende Zeitschriften und Wikipedia bedienen sich gerne. Mehrfach wurden Bilder des Teams als APOD (Astronomy Picture of the Day) ausgezeichnet. Und selbst der Vatikan, der traditionsgemäß ein recht großes Observatorium betreibt, hat in seinem jährlich erscheinenden Kalender schon diverse Male Fotos des Capella-Teams Neu-Berich verwendet. (Beispiel: https://www.vofoundation.org/vof-2020-calendar/).

Die Geschichte des Capella-Teams nahm Fahrt auf, als der technikaffine Software-Entwickler Josef Pöpsel im Herbst 2002 eine Anzeige in der Fachzeitschrift „Sterne und Weltraum“ las, mit der nach einem „dritten Mann für ein Teleskop-Projekt auf La Palma“ gesucht wurde.

FSuche nach einem geeigneten Standort

„Ich war damals mit meinen Versuchen, vernünftige Astrofotos zu machen, ziemlich gescheitert“, erinnert sich Pöpsel. Um die Jahrtausendwende hatte er in ein Teleskop in seinem Garten investiert. Doch die Fotoausbeute blieb bescheiden.

Faszinierend: Die Galaxie NGC253 in einer Aufnahme des Capella Observatoriums

Umso vielversprechender klang 2002 das Angebot aus La Palma. Pöpsel: „Die Palmeros wollten auf dem Roque de los Muchachos neben den dortigen Großteleskopen ein Gästezentrum errichten und hatten einen Platz für unser Teleskop, so hieß es.“ Doch die Sache zog sich hin.

Blick in den südlichen Sternenhimmel

Dabei hatten Pöpsel und Kollegen das Teleskop mit einer Tonne Gewicht und 60 Zentimetern Durchmesser schon angeschafft und in seinem Garten vormontiert und getestet.

2003 wurde umdisponiert. Eine Gästefarm in Namibia hatte angeboten, das Teleskop auf seinem Gelände aufzustellen. Pöpsel: „Diese Chance ließen wir uns nicht entgehen. Schließlich war Namibia doch bekannt für seine klare, trockene Luft und die angebliche so gute Sicht in den Süd-Sternenhimmel.“

Software-Entwickler Josef Pöpsel aus Bad Arolsen 2003 an seinem inzwischen weit gereisten Teleskop.

Die Entscheidungswege waren anders als in La Palma kurz und so stand schon wenige später das Arolser Teleskop auf 2500 Metern Höhe auf der Amani-Lodge nahe Windhoek. An eine Fernsteuerung war damals noch nicht zu denken. Internet funktionierte noch über ein Modem mit Akustikkoppler bei 1024 Baud. Selbst einfache E-Mails waren damals noch eine Ewigkeit unterwegs.

Kontakte nach Griechenland führten nach Kreta

Pöpsel erinnert sich. „Der geschäftstüchtige Lodge-Besitzer hatte neben unserem Teleskop, damals das zweitgrößte in Namibia, und einem frei herumlaufenden zahmen Geparden noch zwei weitere Attraktionen in Form von ausgewachsenen Leoparden. Diese büchsten aber irgendwann aus und hinterließen einen gewissen Nervenkitzel bei uns nachts im freien agierenden Astronomen...

Nach drei Jahren haben wir Namibia wieder verlassen. Die mehrwöchigen Reisen gingen doch stark ins Geld und die astronomischen Bedingungen hielten nicht das, was wir uns versprochen hatten.“

Der Kontakt zu einem griechischen Professor für Astronomie an der Universität Heraklion ermöglichte den Umzug auf die Insel Kreta. Dort gab es auf dem Berg Skinkas in 1750 Metern Höhe eine leerstehende, in die Jahre gekommene Acht-Meter-Kuppel, die nur selten als Besucherraum genutzt wurde. Sie war elektrisch betreiben. Ein Internetzugang war auch vorhanden. So wurde das Teleskop erneut in Kisten verpackt und per Seefracht von Namibia nach Kreta verschickt.

Katzenaugennebel heißt dieser Sternennebel sehr treffend mit der Astonomen-Kennung NGC6543.

Fünf Wochen später, im August 2006, lieferte Ganymed dann Bilder von bester Qualität. In den folgenden Jahren verfeinerten Pöpsel und seine Astro-Freunde die Fernsteuerungstechnik, so dass sie nun jederzeit die besten sternenklaren Nächte über Kreta für sich und für einen ungetrübten Blick ins Weltall nutzen konnten.

Atemberaubende Fotos sind für jedermann zugänglich

Im Winter 2012 wurde das private Observatorium von einem Schneesturm zerstört. Das Teleskop aber blieb wie durch ein Wunder fast unversehrt und wurde inzwischen von Josef Pöpsel und seinem Team wieder zurück nach Deutschland geholt und im Juni 2018 in der Eifel unter einer Kuppel, die in Heimarbeit ebenfalls in Neu Berich entstand, wieder aufgebaut.

Pöpsel: „Mittlerweile haben über die Jahre gut 500 Astroaufnahmen den Weg auf unsere Webseite www.capella-observatory.com gefunden. Wir laden jeden Interessierten ein, sich die bunte Vielfalt des Universums in ein paar ruhigen Minuten auf unserer Webseite einmal anzuschauen.“ Hier geht es zu den Fotos auf der NASA-Webseite.

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