Vortrag und Exkursion zum 40-jährigen Bestehen des Naturschutzgebietes am Twisevorstau

Naturschutz am Twistesee leidet unter  dem Sedimenteintrag von Ackerflächen

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Der Vorstau verlandet: Prof. Dr. Eckhard Jedicke sprach zum Zustand des Naturschutzgebietes am Twistesee. Die größte Gefahr geht von den anhaltenden Schlammablagerungen aus. 2011 musste der Twistevorstau deshalb erstmals ausgebaggert werden. (Großes Foto) Das wird nicht der letzte Einsatz von Baggern im Naturschutzgebiet gewesen sein.

Wetterburg. Auf die Bedeutung des Twistevorstaus als Naturschutzgebiet und Teil des europäischen Netzwerkes Natura 2000 haben Naturschützer sowie Vertreter des Regierungspräsidiums und der Stadt Bad Arolsen bei einer Jubiläumsveranstaltung zum 40-jährigen Bestehen des Naturschutzgebietes in der Twisteseehalle hingewiesen.

Ursprünglich ist der Twistesee allein zum Hochwasserschutz für die Anliegergemeinden der Twiste gebaut worden. Doch seit dem ersten Anstau des Sees im Jahr 1974 kämpften die inzwischen verstorbenen Naturschützer Karl Staiber und Dr. Gerhard Pfeiffer für die Ausweisung eines Naturschutzgebietes am Vorstau, der ursprünglich als Sedimentfang für den Twistesee gedacht war.

Staibers Einsatz für das Brut- und Rückzugsgebiet von Vögeln hat seinerzeit Eckhard Jedicke und Maik Sommerhage so fasziniert, dass sich beide zunächst in der Naturschutzjugend und dann auch beruflich für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen von Fauna und Flora einsetzten.

So war es kein Wunder, dass Prof. Dr. Eckhard Jedicke vom Kompetenzzentrum Kulturlandschaft der Hochschule Geisenheim den Festvortrag zur Entwicklung und den Chancen des Naturschutzgebietes in der Twisteseehalle hielt. Auch Sommerhage war als Festredner eingeplant, musste jedoch wegen einer fiebrigen Erkrankung kurzfristig das Bett hüten.

Prof. Jedicke unterstrich die Bedeutung des kleinen Naturschutzgebietes als Brutgebiet für Krickenten, viele Reiherarten, Blessrallen, Nilgänse und Höckerschwäne.

Ebenso wichtig sei die Bedeutung des Vorstaus als Rastgebiet für Zugvögel, vor allem Enden, Gänse und Reihervögel, Watvögel und Singvögel.

Über die Jahrzehnte habe Karl Staiber unzählige Daten, zum Beispiel über Brutpaare zusammengetragen. Derene Auswertung belege, dass sich die Vogelpopulationen am See verändert haben. Während manche Arten häufiger wurden, haben sich die Zahlen anderer Arten verringert..

Das decke sich teilweise mit der überregionalen Entwicklung dieser Vogelarten. Teilweise seien aber auch gebietstypische Gründe für die Veränderungen zu nennen, so zum Beispiel das veränderte Nährstoffangebot, die Neuansiedlung von Röhricht, aber auch die Sedimententwicklung.

Überhaupt sei heute der Sedimenteintrag die größte Gefahr für das Naturschutzgebiet. Mit jedem Starkregen auf frisch beackerte und noch nicht mit Pflanzen bewachsenen landwirtschaftlichen Flächen wertvoller Boden abgetragen.

In dem 120 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet des Sees gebe es viele Nebenbäche der Twiste, die bis an die Uferkante beackert würden. Das führe unweigerlich zu einem Verlust von wertvollem Ackerboden und zu einer Verschlammung des Sees.

In der Fogle schrumpfe die Wasserfläche, das Wasser trübe sich ein, es komme zu verstärktem Algenwachstum. Das sei wiederum schädlich für den Tourismus.

Professor Jedicke warb um Verständnis für die Lage der Landwirte, die jeden Quadratmeter beackern wollten, auch wenn eigentlich ein Uferrandstreifen von bis zu zehn Metern freigehalten werden müsse.

Wirksamer Naturschutz funktioniere nur in Kooperation mit den Landwirten, denen zum Beispiel Land zum Tausch angeboten werden könne.

Jedicke warb auch dafür, die Nasswiesen zwischen dem Vorstau und Braunsen künftig extensiv, etwa mit Wasserbüffeln zu beweiden. Das sehe schöner aus und sei auf lange Sicht ein Beitrag zu mehr Biodiversität. Auch die Entwicklung von Sumpfwald und die Neuanlage von Kleingewässern dien e der Förderung von Amphibien und Libellen.

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