150 Gäste erlebten Gespräch mit Leipziger Künstler 

Arolser Schlossgespräch: Neo Rauch ist manchmal selber erstaunt, wie seine Kunst entsteht

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Schlossgespräch mit Künstler Neo Rauch. Das Gespräch führten Buchautor und Journalist Wolfgang Büscher (rechts) und Regisseur und Medienkünstler Thomas Henke (links).

Bad Arolsen.  Nein, eine verwandtschaftliche Beziehung zwischen dem in Arolsen geborenen klassizistischen Bildhauer Christian Daniel Rauch und dem Leipziger Maler Neo Rauch bestehen nicht. Das konnte „der neue Rauch“ eindeutig ausschließen, als er am Ende des 90-minütigen Schlossgespräches aus dem Publikum gefragt wurde.

Aus den Aufzeichnungen seines früh verstorbenen Vaters wisse er, dass sich seine Familie bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lasse. Eine Querverbindung nach Arolsen gebe es nicht. Die von Gesprächsleiter Thomas Henke ausgesprochene Einladung zu einer eigenen Ausstellung im Rauch-Museum quittierte Rauch mit einem Schmunzeln. - Immerhin nutzte er den Freitagnachmittag für einen kurzen Abstecher im Christian-Daniel-Rauch-Museum.

Tatsächlich gilt der Leipziger Künstler als einer der renommiertesten deutschen Maler der Gegenwart. Er gilt als bedeutendster Vertreter der Neuen Leipziger Schule. Seine Bilder hängen im New Yorker Metropolitan Museum of Art und werden zu Spitzenpreisen gehandelt.

Warum kommt Neo Rauch nach Bad Arolsen?

Neo Rauch würde niemals nach Bad Arolsen kommen“, zitierte Gesprächsleiter Thomas Henke zu Beginn des Abends eine ungläubige Kennerin der internationalen Kunstszene nachdem sie von der Ankündigung des Schlossgespräches erfahren hatte.

Doch! -  Es sei tatsächlich gelungen, eben jenen Künstler nach Bad Arolsen einzuladen, der in einem Atemzug mit Andy Warhol und Damian Hirst zu nennen sei, schwärmte Henke.

Schlossgespräch mit Künstler Neo Rauch. Das Gespräch führten Bucha utor und Journalist Wolfgang Büscher (rechts) und Regisseur und Medienkünstler Thomas Henke (links).

Möglich gemacht wurde Rauchs Abstecher nach Arolsen durch seinen Freund, den aus Volkmarsen stammenden Buchautor und Journalisten Wolfgang Büscher, der beim Podiumsgespräch auch gleich die erste Frage stellte und damit das Thema des Abends, „Gebundenheit“ umriss: „Es ist deiner Kunst anzusehen, woher sie kommt. Wie wichtig ist diese Gebundenheit für deine Kunst?“

In seiner mitteldeutschen Heimat hätten sich viele „kulturelle Humusschichten“ angesammelt, aus denen er gerne Nährstoffe aufnehme.

Rauch: „Ich bin nicht gerne in der Fremde. Ich bin gerne mal woanders, aber bleiben möchte ich da nirgendwo. Man sollte seine Werkstatt da wählen, wo man die stärksten Zuströme an Kraft erfährt.“ Das sei bei ihm in Leipzig.

Wie entsteht ein Werk von Neo Rauch?

Rauch weiter: „Meine Werke entstehen mir unter meiner Hand. Ich habe da kein Konzept.“ Es erstaune ihn selbst am allermeisten, „wie die Dinge auf die Leinwand kommen“. Aber die Kraft sei nicht immer nur einfach da, sie müsse auch manchmal an den Haaren herbeigezogen werden. Doch die besten Bilder seien die, die „durch mich entstehen, die einfach kommen.“ - Im Verlauf des Gesprächs gestand Rauch „eine peinigende Angst“, dass die Quelle der Kraft eines Tages versiegen“ könne. 

Die moderne Art der öffentlichen Diskussion beklagte Thomas Henke und schwenkte damit auf ein weiteres Themenfeld ein: „Wer nicht konform ist, wird angefeindet.“ Und Rauch bekräftigte, er erlebe eine Tendenz zur freiwilligen Selbstzensur, gerade bei den Millennials, also bei den jungen Leuten, die um die Jahrtausendwende geboren wurden. 

Rauch weiter: „Was mich nervt, ist die Tatsache, dass jeder, der nicht links ist, gleich als rechts abgestempelt wird. Die Mitte gibt es gar nicht mehr.“ Dabei müssten gerade die schöpferisch Tätigen sich selber in der Mitte Positionieren, um den besten Blick auf die Dinge zu haben. 

Wolfgang Büscher ergänzte: „Was mir auf die Nerven geht, ist die Moralisierung aller Dinge. Früher hat man auch hart diskutiert, aber es war nicht so, dass die eine meinte, ihre Position sei moralisch höherwertiger.

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