Volkmarsen als strategischer Standort für Autobauer VW

Neuansiedlung in nur acht Monaten

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Das Logistikzentrum vor den Toren der Stadt Volkmarsen aus der Vogelperspektive. (Foto: Armin Haß)

Volkmarsen - Wer das neue Logistikzentrum am Stadtrand von Volkmarsen beschreiben will, kommt nicht ohne Superlative aus: Es ist das größte Gebäude in Nordwaldeck und wurde in kürzester Zeit fertiggestellt.

In Rekordzeit, von Oktober bis Mai, wurde hier für rund 20 Millionen Euro eine etwa 50000 Quadratmeter große Halle errichtet, die in den nächsten Monaten mit rund 80000 Lagerkisten bestückt werden wird. Am Ende werden hier rund 56000 unterschiedliche Originalteile von den Volkswagen-Konzernmarken gelagert und umgeschlagen werden.

Mit Rücksicht auf die Volkmarser wird das Hochfahren des neuen Logistikzentrums langsam und behutsam erfolgen. „Volkswagen nimmt bewusst Rücksicht auf die Anwohner der Straßen. Es wird absehbar keine Ballung von Lkw-Verkehr geben“, so Reinhard Braun, Geschäftsfeldleiter bei der Rudolph-Logistik-Gruppe, die das Logistikzentrum betreibt und im Auftrag des Volkswagen-Konzerns als logistischer Dienstleister auftritt.

Die Rudolph-Logistik-Gruppe ist Projektinitiator und Vermieter der Halle, die von der Ixocon GmbH in Hamburg finanziert wurde. Die Laufzeit des Kontraktes mit der Volkswagen AG beträgt zehn Jahre mit Verlängerungsoption.

Zum anderen hat sich das nordhessische Logistik-Unternehmen im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens durch Volkswagen Originale Teile auch die Bewirtschaftung des Logistikzentrums gesichert. Die Laufzeit dieses Vertrages beträgt fünf Jahre, ebenfalls mit einer Option auf Verlängerung.

Die Rudolph-Logistik-Gruppe ist ein international tätiger Logistikdienstleister mit Hauptsitz des Unternehmens im nordhessischen Baunatal und beschäftigt derzeit über 2300 Mitarbeiter an 30 Standorten in Deutschland, Europa und auf der arabischen Halbinsel. Das mittelständische Unternehmen ist in der vierten Generation inhabergeführt. Chef ist Dr. Torsten Rudolph.

„Das Logistikgeschäft umfasst weit mehr als den bloßen Transport von Produkten von A nach B“, erläutert Geschäftsfeldleiter Industrielogistik und Fullfillment, Reinhard Braun: „Als Kontrakt-Logistik-Dienstleister bieten wir unseren Kunden eine sehr breite Leistungspalette von der Beschaffungslogistik über die Produktionslogistik innerhalb der Werke unserer Kunden, die Ersatzteillogistik und Distributionslogistik mit spezifischen Branchenschwerpunkten.“

Die Rudolph-Logistik-Gruppe ist langjähriger Logistikpartner von so namhaften Unternehmen wie Hipp, Heinz, Madaus, BMW, Volkswagen oder Mercedes-Benz. So wundert es nicht, dass die Gruppe mehr als eine Dreiviertelmillion Quadratmeter Logistikfläche bewirtschaftet.

Auf Wachstum ausgelegt

Der Standort Volkmarsen mit seinem Gleisanschluss, der in den kommenden Wochen mit dem bestehenden Schienennetz verbunden wird, ist in der Unternehmensgruppe ein großer Standort, aber längst nicht der größte. Denkbar, dass die Logistikfläche in Volkmarsen in den kommenden Jahren noch wachsen wird.

Braun: „Volkswagen hat Volkmarsen als weiteren strategischen Standort für den Vertrieb Originalteile definiert. Das bedeutet: Wenn wir dürfen, wachsen wir weiter. Wann und wie das geschieht, ist letztendlich von der Sortimentsentwicklung und Entscheidungen von Volkswagen abhängig.“ Denkbar sei, dass weitere Flächen mit neuen Funktionen gekoppelt werden. Möglich sei zum Beispiel ein Verpackungszentrum.

Doch so weit will Braun noch gar nicht planen: „Ein Logistikzentrum ist auf Wachstum ausgelegt. Anders als eine Autofabrik wird hier nicht innerhalb kürzester Zeit die optimale Auslastung erreicht. Das muss auf der Zeitachse wachsen.“

Der Betriebsanlauf ist am 21. Mai mit rund 15 Mitarbeitern erfolgt. Über 380 hatten sich beworben, seit sich die Nachricht vom Neubau in der Region verbreitete. Der Volkmarser Betriebsleiter Stuart Donnelly rechnet in den kommenden Monaten mit einem kontinuierlichen Hochlauf der Mitarbeiteranzahl, wobei dies jedoch maßgeblich durch die Sortimentsgestaltung von Volkswagen beeinflusst wird.

Das Verwaltungsgebäude mit den Sozialräumen inklusive der potenziellen Erweiterung ist auf bis zu 120 ausgelegt. Wann diese Zahl erreicht werde, könne heute noch niemand sagen, so Braun. Er sei jedoch zuversichtlich, dass das Unternehmen auf stetiges Wachstum angelegt sei.

Die Betriebsgenehmigung für das Logistikzentrum sieht einen Betrieb sieben Tage rund um die Uhr vor. Schließlich geht es nach Aufnahme des vollen Betriebs darum, möglichst schnell die von den Kunden abgerufenen Originalteile zum Versandzentrum nach Baunatal zu schicken.

Dort werden sie zusammen mit anderen Ersatzteilbestellungen so auf Lastwagen verteilt, dass die Belastung für die Umwelt und natürlich auch die Versandkosten möglichst gering sind.

Volkswagen betreibt im Großraum Kassel insgesamt acht Logistikstandorte, an denen Originalteile gelagert und nach Bedarf umgeschlagen werden.

Die Kunst der Logistiker besteht darin, Ersatzteilbestellungen händlerbezogen optimal auf wenige Lastwagen und kürzeste Strecken zu verdichten. „Grüne Logistik“ lautet das Zauberwort.

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