Umstrukturierung eingeleitet

Neubaupläne in Kassel: Was wird aus Berufsbildungswerk in Arolsen?

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Das Berufsbildungswerk Nordhessen mit Staatlicher Berufsschule im Mengeringhäuser Feld: Das Luftbild von 2011 zeigt am untern Bildrand die Dächer des Berufsbildungswerkes. Es bedeckt eine Fläche von 8,5 Hektar. In der oberen Bildmitte ist die ehemalige belgische Kaserne zu erkennen.  

Mit einem rund 25 Millionen Euro teuren Erweiterungsbau am Standort Hoffmann-von-Fallersleben-Straße will sich das Berufsbildungswerk (BBW) Nordhessen in Kassel konzentrieren.

Das BBW, das in Kassel und Bad Arolsen rund 350 benachteiligte Jugendliche in 20 Berufen ausbildet, will in Rothenditmold den bislang weitgehend eingeschossigen Gebäudekomplex zur Wolfhager Straße hin um drei Geschosse aufstocken.

BBW-Leiter Uwe Stickel und Bathildisheim-Vorstand Jens Wehmeyer hoffen auf einen Baustart Ende 2020. Da das BBW eine staatliche Berufsschule beinhaltet, deren Träger das Land Hessen ist, hoffen sie zudem darauf, dass sich das Land etwa mit der Hälfte der Summe an der Investition beteiligt.

Die Pläne, die auch eine Turnhalle vorsehen, sind am Freitag Staatssekretärin Anne Janz (Grüne) aus dem Sozialministerium vorgestellt worden. Janz, die bereits als Kasseler Schuldezernentin zuständig für das BBW war, vermochte die Förderung noch nicht zuzusagen. Gleichwohl lobte sie das Vorhaben in Kassel, sah darin auch die Chance zur gewünschten Stadtentwicklung im Schillerviertel. Janz: „Wir unterstützen das.“

Nach Angaben von Jens Wehmeyer ist in den vergangenen zehn Jahren die Belegung des bisherigen Hauptstandortes Bad Arolsen, wo die Auszubildenden auch wohnen, um ein Drittel gesunken. Der Standort Kassel hingegen wachse und platze aus allen Nähten. 

Bis 1. April 2020 wolle man dem Ministerium die komplette Planung und Kostenplanung - inklusive Machbarkeitsstudie, Architektenwettbewerb und europaweites Verfahren - vorlegen, damit das Projekt noch im Landeshaushalt 2020/2021 berücksichtigt wird.

Liegt die Förderzusage aus Wiesbaden vor, könne in Kassel die Erweiterung beginnen, so Wehmeyer. Müssten die Arbeiten im laufenden Betrieb erfolgen, sei von vier Jahren Bauzeit auszugehen. Gelinge es, in Kassel ein Ausweichgebäude zu finden, könne man 2023 fertig sein.

Bei der Zahl von rund 350 Auszubildenden soll es bleiben. Für sie sollen künftig in Kassel Wohnungen angemietet werden. Der BBW-Standort Bad Arolsen wird mit der Fertigstellung in Kassel aufgegeben.

Was wird aus den Internatsgebäuden in Bad Arolsen?

„Stadt und Bathildisheim bedauern gemeinsam, dass es in nicht erreichbar war, den in den 70er- Jahren entwickelten Standort zu alter Belegungsstärke zu führen“, hieß es im April 2018 in einer Presseerklärung zu einer möglichen Schließung des Berufsbildungswerkes im Mengeringhäuser Feld. 

Ein gutes Jahr später gilt als sicher: In Kassel wird neu gebaut. Danach werden die Gebäude in Bad Arolsen nicht mehr benötigt. Sogar ein Abriss wird diskutiert. 

Seitdem wurde und wird im Rathaus geprüft, wie das rund 8,5 Hektar große Gelände am Rande des Gewerbegebietes Mengeringhäuser Feld künftig genutzt werden könnte. Das Grundstück gilt als „interessant“ für Gewerbeansiedlungen. 

Noch aber prüft der Magistrat, ob es noch andere Möglichkeiten für eine angemessene Nachnutzung gibt. Bürgermeister Jürgen van der Horst deutete gestern an, dass das Gelände für andere Bildungseinrichtungen interessant sein könnte. Das Thema werde habe eine „sehr hohe politische Komponente“.

Von Andreas Hermann und Elmar Schulten

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