Internationales Komitee vom Roten Kreuz zieht sich zugunsten der Forschung zurück

Neue Bedeutung für Suchdienst

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Ein Festakt zum Rückzug des IKRK aus der Leitung des Internatonalen Suchdienstes in Bad Arolsen fand gestern Vormittag statt. Unser Bild zeigt (v.l.): Bürgermeister Jürgen van der Horst, Dr. Pascal Hector (Auswärtiges Amt), die neue ITS-Direktorin Prof.

Bad Arolsen. - „Die Zukunft des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen ist weiterhin gesichert“, erklärte Dr. Pascal Hector vom Auswärtigen Amt im Rahmen der gestrigen Abschiedsveranstaltung des IKRK.

Und auch das in Genf ansässige Internationale Komitee vom Roten Kreuz wird sich nach den Worten ihres Präsidenten Peter Maurer bei einer dem Festakt vorausgehenden Pressekonferenz nicht komplett zurückziehen, sondern als Beobachter beim Internationalen Ausschuss - die künftig leitende Institution - und in beratender Funktion dem ITS zur Verfügung stehen.

Doch ist mit dem Rückzug des IKRK nach 57 Jahren eine Zäsur verbunden. Der Suchdienst werde weniger bedeutend, dafür nehme die Bedeutung der Forschung und der Archivarbeit zu - das sei jedoch nicht der Kernbereich des IKRK. Diese Entwicklung sei vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes begrüßt, gefördert und begleitet worden.

„Haben viel gelernt“

Der ITS werde ein großes Stück unabhängiger betonte Maurer. Die Arbeitsbedingungen für Forscher seien günstig, und die Digitalisierung der Akten unterstreiche die Möglichkeiten am Standort Bad Arolsen. Bei der aktuellen Arbeit seiner Delegierten in Kriegs- und Krisengebieten profitiere das IKRK von dem Wirken der Mitarbeiter beim ITS: „Wir haben viel gelernt.“ Hier dankte Maurer ausdrücklich den Mitarbeitern und der Bundesregierung, die die Einrichtung finanziert.

Den Beschäftigten des Suchdienstes gebühre Dank und Anerkennung, sagte Ministerialdirigent Hector, der beim AA Beauftragter für Fragen des allgemeinen und besonderen Völkerrechts ist. Die Schicksale von vielen Millionen Menschen seien mithilfe der Auskünfte aus dem Archiv geklärt worden. Hector wies darauf hin, dass der Bund seit 1955 die Arbeit mit insgesamt 400 Millionen Euro unterstützt habe und die Einrichtung weiter unterstützen werde.

Mit der historischen Neuordnung auf der Basis der neuen Abkommen mit dem Internationalen Ausschuss, in den elf Staaten Vertreter entsenden, und mit dem Bundesarchiv als institutioneller Partner sei dem ITS eine verantwortungsvolle Aufgabe übertragen worden, in Arolsen ein Zentrum für Dokumentation, Information und Forschung auszubauen. Der neuen Direktorin Prof. Rebecca Boehling komme dabei eine wichtige Aufgabe zu,

Ehre und Herausforderung

Für sie sei es eine Ehre und Herausforderung, die Leitung des knapp 300 Mitarbeiter beschäftigenden ITS zu übernehmen, sagte die international renommierte Historikerin. Zwar werde der Suchdienst fortgeführt - von monatlich 750 bis 1000 Anfragen kommen etwa 100 von Forschern, doch wird der Schwerpunkt auf die forschende und bildende Arbeit an Universitäten und in Schulen gelegt. Der Aktenschatz biete die Chance, verstärkt die Schicksale von Opfern und Überlebenden zu erforschen und zu dokumentieren. Wissenschaftler und Journalisten seien gleichermaßen dazu eingeladen.

Prof. Rebecca Boehling setzt bei der geschichtswissenschaftlichen Arbeiten auf mehr Kontinuität, was auch mehr Dauerstellen für Historiker bedeute. Die seien aber nicht so einfach zu bekommen, berichtet die künftige Direktorin. Die Amerikanerin baut dabei auf die Zusammenarbeit mit der Bundesregierung.

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