Gebühren steigen  

Neue Bestattungskultur, teurere Friedhöfe

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Höhere Gebühren für Nutzung der Friedhöfe in Bad Arolsen. Foto: Armin Haß

Bad Arolsen – Neue Entwicklungen in der Bestattungskultur und immer weiter steigende Defizite bei der Betreuung der städtischen Friedhöfe erfordern eine Änderung von Gebühren und Nutzungsordnung. Der Haupt- und Finanzausschuss stimmte am Donnerstag der Änderung zu.

Die Gebühren sollen nicht in vollem Umfang steigen, im Schnitt um etwa 80 Prozent der für einen Ausgleich der Defizite notwendigen Sätze. Derzeit werden die besonders durch die personalintensive Pflege der Anlagen verursachten Kosten zu 60 bis 76 Prozent gedeckt. Nach einer Anhebung würden 70 000 Euro mehr als im vorigen Jahr eingenommen.

"Abwandern" verhindern

Der Magistrat empfehle eine niedrige Steigerung der Gebühren, um ein „Abwandern“ der Kunden zu vermeiden, erklärte Bürgermeister Jürgen van der Horst dazu. Damit lasse sich immer noch ein besseres Ergebnis erzielen. Sonst müssten die Kosten auf einer kleiner werdende Gruppe umgelegt werden.

Die Stadt versucht, angesichts der Konkurrenz bei den verschiedenen Bestattungsformen und -orten erneut gegenzusteuern. Nachgefragt werden besonders pflegefreie Grabstellen. Hier sollen künftig auch auswärtige Personen beigesetzt werden können.

Grabstelle reservieren

Interessenten können sich demnächst bereits zu Lebzeiten gegen eine Reservierungsgebühr eine Grabstelle sichern. Die Nutzungszeit der einstelligen Baum- und Urnenrasengrabstätten wird von 25 auf 30 Jahre angehoben. Mangels Nachfrage werden Familien-, Gemeinschafts- und so genannte halb anonyme Urnengrabstätten auf dem Alten Friedhof nicht mehr angeboten.

Nicht mehr möglich ist die seit 2010 erlaubte zusätzliche Nutzung eines Erdbestattungsgrabs zur gleichen Gebühr für drei Urnen.

Das wird geregelt

Die umfangreiche und komplexe Friedhofsordnung regelt detailliert, was erlaubt ist und was nicht. Damit komme die Stadt auch dem Anspruch der Bürger nach einem geordneten Friedhof entgegen, sagte Bürgermeister van der Horst. Neu wurde das Verbot von Film-, Ton-, Foto- und Videoaufnahmen innerhalb des Friedhofs ohne Genehmigung der Friedhofsverwaltung oder schriftliche Zustimmung des Nutzungsberechtigten.

Ludger Brinkmann (SPD) kritisierte die Regelung für den Alten Friedhof, ausdrücklich christliche Symbole an Grabsteinen zu verwenden. Das sei nicht mehr zeitgemäß, daher sollten auch Zeichen von anderen Religionen zugelassen werden.

Religiöse Symbole

Diese Regelung ist nach den Worten des Bürgermeisters mit dem Verein der Freunde des Alten Friedhofs getroffen worden und müsste auch mit dessen Vertretern diskutiert werden.

Die Anlage eines Ruheforstes im Stadtwald ist nicht geplant, wie Petra Gerhold (Fachbereich Stadtentwicklung, Bauen und Immobilien) auf Anfrage von Werner Stibbe (Bündnis  90/Die Grünen) erklärte. Urnengräber im Wald könnten für Hinterbliebene, die nicht mehr so mobil sind, schwierig zu erreichen sein, gab sie zu bedenken. Dafür werde seit 2004 der Alte Friedhof angeboten. Die Plätze dort reichen nur noch zwei Jahre, sodass der Neue Friedhof als Ausweichmöglichkeit genutzt werden solle. 

Komplizierte Berechnung

Die Gebührengestaltung für die Friedhöfe folge einer komplizierten Berechnungsmethode und sei nicht übersichtlich, räumte Bürgermeister Jürgen van der Horst ein. Ludger Brinkmann (SPD) hatte die Preisgestaltung als nicht nachvollziehbar kritisiert und lehnt sie ab. Beispiele: Ein einstelliges Erdreihengrab soll künftig 1043 Euro (bisher 558 Euro) kosten. Für einen vollen Kostenausgleich wären 1303 Euro fällig. 

Ein Erdrasengrab mit einer Stelle soll sich von 1255 auf 2502 Euro verteuern. Für den vollen Ausgleich wären es 3128 Euro. Die Gebühr für ein Baumurnengrab (eine Stelle) soll von 871 auf 1043 Euro (alternativ: 1303 Euro) steigen. 

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