Arolsen Archives informieren über die Geschichte des Internationalen Suchdienstes

Neue Dauerausstellung in Bad Arolsen: Ein Denkmal aus Papier

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Die neue Dauerausstellung zur Geschichte des Suchdienstes ist interaktiv gestaltet. Isabel Panek zeigt eine der kodierten Karten, mit denen Besucher einen Suchfall selber verfolgen können.  

Bad Arolsen. Warum entstand ausgerechnet in Bad Arolsen das umfangreichste Archiv über Opfer und Überlebende der NS-Verfolgung? Wie war ab 1945 die Suche nach den Vermissten organisiert? Und welche Informationen suchen Menschen heute?

In der neuen Dauerausstellung „Ein Denkmal aus Papier“ bieten die Arolsen Archives in der Schlossstraße Einblicke in die Arbeit der seit sieben Jahrzehnten andauernden Vermisstensuche und Dokumentation der nationalsozialistischen Verbrechen.

Die Ausstellung erzählt anhand von zahlreichen einzelnen Schicksalen, woher die Dokumente kamen, wie sie archiviert und schließlich zum UNESCO-Weltdokumentenerbe wurden. Zudem veranschaulicht sie, wie aus den Millionen Suchanfragen an die Institution eine ganz eigene wertvolle Dokumentation über die Folgen der Gewaltherrschaft entstand. Auch der Wandel im Umgang mit historischen Zeugnissen sowie mit den Opfern der nationalsozialistischen Verbrechen wird beim Besuch der Ausstellung deutlich.

Enorme Datenmengen auf Papier

Der Ausstellungsname „Ein Denkmal aus Papier“ greift eine Formulierung des Überlebenden Thomas Buergenthal auf. Sie unterstreicht den Wert des Archivs als Ort der Wahrheit und Erinnerung.

Ein Herzstück der Ausstellung ist die 26 Meter lange Installation eines kleinen Teils der heute archivgerecht verpackten Zentralen Namenkartei. Sie umfasst insgesamt rund 50 Millionen Hinweiskarten zum Schicksal von 17,5 Millionen Menschen.

Die Besucher sehen nur einen Bruchteil davon: Ausgestellt sind 4500 der über 21 000 originalen Karteikästen. Die Kartei war vor der Digitalisierung das wichtigste Arbeitsmittel und der Schlüssel zu den Dokumenten bei der Suche nach Informationen über NS-Opfer.

Wie lassen sich große Zahlen anschaulich darstellen?

Die riesigen Dimensionen des Archivs veranschaulichen auch drei große Papiertürme. Sie zeigen im Verhältnis zu bekannten Bauwerken und den höchsten Bergen Deutschlands und Europas, welche Höhen die Dokumentensammlungen erreichen würden, wenn man sie aufeinanderstapeln würde.

Animierte Filme erklären den Besuchern die Arbeit der Institution. Sie zeigen zum Beispiel die Suche nach einem sowjetischen Zwangsarbeiter oder die Auskunft für das Entschädigungsverfahren einer Holocaust-Überlebenden.

Mit dem Schwerpunkt „Offenheit versus Abschottung“ beleuchten die Arolsen Archives schließlich ihre eigene Geschichte im Kontext der gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Beispielsweise zeigt eine Collage von Zeitungsartikeln, warum die Institution ab Mitte der 90er Jahre in die Kritik geriet: Die Dokumente waren Forschern nicht zugänglich und Anfragen von Opfern wurden zu langsam bearbeitet. Internationale Proteste sorgten schließlich Ende 2007 für die Öffnung des Archivs und eine komplette Umstrukturierung der Institution. 

Öffnungszeiten und Führungen

Die Ausstellung im ehemaligen Kaufhaus Konze in der Schloßstraße 10 ist ab sofort dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Öffentliche Führungen für Einzelbesucher in deutscher Sprache finden jeden ersten Mittwoch im Monat um 14 Uhr und in englischer Sprache jeden ersten Dienstag im Monat um 14 Uhr statt. Dafür können sich Interessierte anmelden unter: visitorgroup@arolsen-archives.org. Auch Führungen für Gruppen können dort angefragt werden.

Mehr im Internet unter: arolsen-archives.org

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