Deutschland-Mahnmal an neuem Standort

"Neue Erinnerungskultur"

- Am ersten hessenweiten Gedenktag Flucht, Vertreibung, Deportation wurde gestern unter großer Anteilnahme aus der Bevölkerung der Opfer gedacht und das Mahnmal „Deutschland unteilbar“ an seinem neuen Standort vorgestellt.

Das umstrittene Denkmal aus dem Jahre 1962, das Deutschland in den Grenzen von 1937 zeigt, ist nun am Stabsgebäude der ehemaligen Kaserne Teil einer „Gedenklandschaft“. Es wird dort durch größere Erläuterungstafeln in den aktuellen Kontext gestellt, um die Bedeutung des Mahnmals zu erklären und Missverständnisse zu vermeiden. „Es soll ein differenzierter Blick auf das Denkmal und die damit verbundene Geschichte ermöglicht werden“, sagte Bürgermeister Jürgen van Horst, Mit dem Mahnmal werde nicht dem Revanchismus oder irgendwelcher Gebietsansprüche das Wort geredet. Vielmehr gehe es um eine neue Erinnerungskultur und darum, „mit neuer Souveränität über dieses Themengebiet zu sprechen.“ Der Rathauschef und Magistratsvertreter haben in einer Arbeitsgruppe mit Vertretern des Bundes der Vertriebenen, des Vereins Historicum, des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Christian-Rauch-Schule und des Waldeckischen Geschichtsvereins ein Projekt gestartet, in dem auch die Geschichte der Vertreibung, von Flucht und Deportation aufgearbeitet und öffentlich dargestellt wird. Das Vorhaben „Pfad der Denkmäler“ sieht vor, das Deutschland-Denkmal neu zu verorten, nachdem sich im vorigen Jahr eine eine neue Kontroverse entspann: Zwei unauflösliche Widersprüche standen sich nach den Worten des Bürgermeisters gegenüber: Die Position des BdV, der an die Vertreibung aus den deutschen Siedlungsgebieten erinnert, und auf der anderen Seite diejenigen, die an den Terror unter Hitler erinnern und fordern, dass es keinerlei Revanchismus geben darf. „Diese beiden Gegensätze stehen für einen Findungsprozess, der nicht einfach war“, stellt van der Horst fest. Schließlich spiegelt sich auch in Arolsen deutsche Geschichte wider: Dort war die SS-Kaserne und ein Außenlager des KZ Buchenwald, und aus der Kleinstadt wurden Juden zur Ermordung deportiert. Auf der anderen Seite stehe der nach dem Krieg in Arolsen angesiedelte Internationale Suchdienst, der Zustrom an Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten. Dafür stehe das nunmehr umgesetzte Denkmal auch. Zudem sei die NS-Zeit in Arolsen intensiv aufgearbeitet worden durch die Autoren Michael Winkelmann und Bernd-Joachim Zimmer. Keine Gebietsansprüche Der Bund der Vertriebenen distanziere sich von Gebietsansprüchen, betonte van der Horst. Die Stadt sei weltoffen und sich ihrer Verantwortung um die Erinnerung an die Vergangenheit bewusst. „Wir sind froh, dass wir jetzt diesen Standort haben“, bekräftigte BdV-Kreisvorsitzender Manfred Kreuzer. Positiv überrascht äußerte er sich über das große Interesse an der Gedenkveranstaltung. Dem Einsatz des Bürgermeisters sei viel zu verdanken, blickte er auf die jüngste Diskussion über das Denkmal zurück. Es sei auch ein Novum, dass sich in Hessen eine Stadt dieses Themas mit einer solchen Veranstaltung annehme. Kreuzer mahnte, die Erinnerung an die Vertreibung von 15 Millionen Deutschen die 2,5 Millionen durch Deportation, Vertreibung, Flucht und Zwangsarbeit umgekommenen Menschen zu bewahren. „Die Aufgabe unserer Generationen ist es, die Erinnerung wachzuhalten“, sagte MdL Armin Schwarz. Das Land setze mit dem Gedenktag ein Zeichen für die Solidarität mit Spätaussiedlern und Heimatvertriebenen. Heimat und Weltoffenheit gehörten dabei zusammen. Bekräftigt würden der Wille zur Integration und zur Völkerverständigung und die Aufbauleistung Vertriebener auch in Waldeck-Frankenberg, sagte Schwarz. Er zählte gemeinsam mit MdB Thomas Viesehon und der stellvertretenden Kreistagsvorsitzenden Dagmar Deutschendorf zu den Vertretern politischer Gremien. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Arbeiten von CRS-Schülern der Klasse 9 a und aus Oberstufe unter Leitung des Geschichtslehrers Erich Müller zu dem Themenkomplex. Ergebnis der Erkundungen und Exkursionen ist eine Ausstellung im Bürgerhaus, die noch bis Mittwoch sowie ab Montag, 22. September, bis Monatsende von 9 bis 17 Uhr geöffnet ist. Darin finden sich Aufzeichnungen von Arolsern, Dokumente, die der Helser Heimatforscher Erhard Kraft von der Familie Daube in Vitrinen präsentiert, und Schautafeln der Gedenkstätte Trutzhain, die die Schüler besuchten. Eröffnet wurde die Gedenkfeier durch eine Andacht von Prädikant Oberst a. D. Jürgen Damm in der gut besuchten Stadtkirche: „Flucht und Vertreibung sind schlimme Schicksale derer, die gerade unserer Solidarität bedürfen.“ Musikalisch umrahmt wurde die Andacht von Sandra Lösekamm und Elke Riemer-Buddecke (beide Querflöte) sowie Martina Sutter (Mezzosopran) und Renate Sälzer (Orgel). Das evangelische Gotteshaus selbst wird übrigens Teil des entstehenden Denkmalpfades: Denn auf den schwarzen Erinnerungstafeln sind die Namen von Soldaten aus dem Waldecker Land eingraviert, die im Deutsch-Franzöischen Krieg 1870/71, im Ersten Weltkrieg und beim Boxeraufstand in China starben.Das Konzept diese Gedenkpfades, in dem freilich auch die Ursprünge der Kaserne mit dem „Waldecker Regiment“ und der über 40-jährigen Präsenz der belgischen Streitkräfte, zum Tragen kommen, erläuterte die Arolser Museumsleiterin Dr. Birgit Kümmel am Historicum: „Ein guter Ort für eine Gedenklandschaft.“ (ah)

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