Volkmarsen

Neue Kreisstraße als Wegbereiter für Logistikzentrum

- Volkmarsen (-es-). Erst das grüne Licht aus dem Stadtparlament, dann die Bauzusage von Volkswagen und schließlich Termin im Kreishaus mit Landrat, Bürgermeister, Vertreter von Kreisbauamt und Straßenbauamt. Jetzt soll alles ganz schnell gehen.

Allein 200 000 Kubikmeter Erdaushub müssen bewegt werden, damit im neuen Industriegebiet „Kleine Hagelbreite“ eine Logistikhalle in der Größe von 150 mal 335 Metern entstehen kann. Damit mit den Erdarbeiten noch im Oktober begonnen werden kann, wäre das Kreisbauamt bereit, eine Teilbaugenehmigung vorab zu erteilen, hieß es gestern im Kreishaus. Dafür müsse nun lediglich ein prüffähiger Bauantrag eingereicht werden. „Unsere Fachdienste werden sich die Unterlagen genau anschauen, gründlich beurteilen und schnellstmöglich entscheiden“, erklärte Baudezernenten und Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf gestern aus Anfrage der WLZ. An der mangelnden Bereitschaft der Kreisverwaltung hat das Bauprojekt auch nicht gehapert. Problematischer war da schon die Ankündigung der Bürgerinitiative „Lebenswertes Volkmarser Land“, ein Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen. „Wir hatten auch schon über 600 Unterschriften gesammelt“, stellte BI-Sprecher Arno Walprecht dazu fest. „Vergangenen Mittwoch habe ich das Projekt ernsthaft gefährdet gesehen“, kommentierte Landrat Dr. Reinhard Kubat. Deshalb habe er sich in die Verhandlungen als Vermittler eingeschaltet und er sei glücklich, dass im Zusammenwirken von Magistrat und Bürgerinitiative ein Kompromiss gefunden wurde, mit dem alle leben könnten. Konkret sieht dieser Kompromiss den Bau einer Lkw-Umfahrung von der Warburger Straße über die Herbser Straße bis hin zur Arolser Straße vor. Dabei werden weder das Naturschutzgebiet am Stadtbruch noch ein Landschafts- oder Wasserschutzgebiet berührt. Bei einem Ortstermin in der vergangenen Woche haben sich sowohl der promovierte Biologe Dr. Kubat, als auch der Landschaftplaner Jens Deutschendorf und der Planer Florian Bellin-Harder von der Bürgerinitiative die Trasse vor Ort angeschaut und dabei keinerlei Hinweise auf besonders schutzwürdige Landschaft gefunden: „Auf den ersten Blick gibt es dort nur Ackerlandfluren und artenarme Mehrschnitt-Wiesen“, fasste der Landrat seinen ersten Eindruck zusammen. Dennoch ist für die planerische Umwidmung der Fläche ein Abweichungsverfahren vom Regionalen Raumordnungsplan notwendig, ebenso eine Änderung des Flächennutzungsplanes und ein Bebauungsplan. Weil so viele landwirtschaftliche Grundstücke von der möglichen neuen Kreisstraße betroffen wären, wird eine kleine Flurbereinigung fällig, bei der jedoch unterm Strich kein Landwirt Land verlieren soll, wie es gestern hieß. Erfahrungsgemäß gebe es bei solchen Verfahren immer genügend Land zur Umlegung auf die betroffenen Landwirte. Finanzierung noch offen Bleibt die Frage der Finanzierung: nach e sten Schätzungen können leicht Baukosten von 4,5 Millionen Euro entstehen, zuzüglich zehn Prozent Planungskosten. Denkbar wäre eine 65-Prozent-Förderung nach mitteln aus dem Gemeindeverkehrs-Finanzierungsgesetz. Den Rest aber müssten sich Kreis und Stadt teilen. „Ich bin sicher, dass wir in den Gremien Verständnis für die besondere Situation finden“, bekräftigte der Landrat. Schließlich gehe es um eine wichtige Gewerbeansiedlung. Aus Sicht der Stadt hat die Lkw-Umfahrung den besonderen Charme, dass die Nadelöhr-Situation in der Ortsdurchfahrt entschärft würden. Bisher läuft der komplette Durchgangsverkehr über einen einzigen Kreisel. Der Verkehrs in Richtung Warburg quält sich zusätzlich am Elisabeth-Krankenhaus vorbei, wo es wegen parkender Pkw ständige zu Rückstaus kommt. Teil des Kompromisses ist es daher, dass die Stadt spätestens bei Inbetriebnahme des Logistikzentrums ein Parkverbot vor dem Krankenhaus erlässt, eine schlafende Ampel in Höhe des jüdischen Friedhofs installiert und für ein Lkw-Nachtfahrverbot verhängt. Florian Bellin-Harder stellte als Sprecher der Bürgerinitiative fest, dass auch in der BI nicht alle mit dem Kompromiss zufrieden seien. Doch das müsse wohl so sein: „Ein echter Kompromiss funktioniert nicht, ohne dass es für jeden an einer Stelle bitter schmeckt.“ Schließlich gab Bellin-Harder den Kommunalpolitikern mit auf den Weg, sich künftig bei ähnlich weitreichenden Projekten von Anfang an um ein fundiertes Bürgervotum zu bemühen.

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