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Neuer Tarif für Pflegemitarbeiter der Arolser Diakonie: Freies Wochenende garantiert

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Von: Elmar Schulten

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Zwei Männer und eine Frau vor dem Logo der DIAKO gGmbH am Hünighäuser Weg in Bad Arolsen.
Kürzer arbeiten, mehr verdienen: Sie haben einen neuen Tarifvertrag für diakonische Pflegeeinrichtungen ausgehandelt: Von links Diako-Geschäftsführer Stefan Kiefer, Astrid Mertens (Vorsitzende der Mitarbeitervertretung) und Pfarrer Oswald Beuthert als Sprecher der Geschäftsführung. © Elmar Schulten

„Mehr verdienen, kürzer arbeiten.“ Was fast schon klingt, als sei es zu schön, um wahr zu sein, sind die markantesten Details des neuen Tarifvertrages, der für 450 Mitarbeiter von zwei Alten- und Pflegeheimen in Bad Arolsen und Frankenberg ausgehandelt wurde.

Bad Arolsen - Die DIAKO Waldeck-Frankenberg gGmbH hat für ihre Tochtergesellschaften WDS Altenhilfe + Pflege gGmbH und Hospital St. Elisabeth gGmbH, die beide Mitglied in der Diakonie Hessen sind, mit der Gewerkschaft ver.di neue Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter ausgehandelt.

Von den attraktiveren Konditionen wie 38,5 Stunden-Woche und garantierter Jahressonderzahlung profitieren ab 1. April nicht alle Fachkräfte und Auszubildende in den Pflegeheimen, den mobilen Diensten und in der Tagespflege.

Landessynoden haben den Weg zum Tarifvertrag freigemacht

Im Herbst strebt die DIAKO gGmbH auch die Umsetzung der Tarifgleichheit mit den ebenfalls von ihr betreuten, nicht zur Diakonie gehörenden Seniorenheime in Vöhl-Asel, Flechtdorf und Diemelsee-Adorf an.

Acht Jahre lang hat sich Pfarrer Oswald Beuthert für das Zustandekommen des neuen, besser auf die Situation in der pflege angepassten Tarifvertrages gekämpft. Dazu müssten die Landessynoden von zwei Landeskirchen in Hessen gleichlautende Beschlüsse zur Änderung ihrer Grundordnungen fassen. Und auch die Satzungen der Diakonischen Dachverbände mussten geändert werden.

Freies Wochenende soll frei bleiben

2018 konnte dann der neue „Dienstgeberverband der Diakonischen Altenhilfe in Hessen“ gegründet werden. nach so viel Vorarbeit starteten im Januar 2019 die Verhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di mit dem Ziel ein neues Tarifwerk auszuhandeln.

Kernstück des neues Tarifvertrages ist ein verlässlicher dienstplan, der den Mitarbeitenden in der Pflege garantiert, dass ein freies Wochenende auch dann frei bleibt, wenn sich ein Kollege krank meldet. Die neu eingerichtete Rufbereitschaft regelt die Vertretung in Krankheitsfällen neu und garantiert den anderen Kollegen eine störungsfreie Freizeit.

Als attraktiver Arbeitgeber sichtbar werden

Mit dem neuen Tarifwerk, das nicht nur für bessere Arbeitsbedingungen sorgt, sondern auch zu einer besseren bezahlung führt, verfolgen die Dienstgeber (eine Wortschöpfung der Diakonie analog dem Begriff Arbeitgeber) das Ziel, attraktiver für Mitarbeiter zu werden und gleichzeitig deren Gesundheit zu schonen.

Fachkräftemangel in der Altenpflege existiert nicht erst seit der Corona-Pandemie. „Stress, Wochenendarbeit, geringes Gehalt sind die drei am häufigsten genannten Gründe, die gegen die Berufswahl in der Pflege oder eine dauerhafte Tätigkeit in dieser Branche sprechen“, wissen die beiden Geschäftsführer der DIAKO Waldeck-Frankenberg gGmbH, Pfarrer Oswald Beuthert und Stefan Kiefer.

Arbeitszeit reduziert

Der Fach- und Arbeitskräftemangel, der zunehmend und dauerhaft in der Pflegebranche herrsche, könne einen Teufelskreis erzeugen: Die dünne Personaldecke führt zu hohem Leistungs-druck und damit wiederum zu krankheitsbedingten Ausfällen, die mal körperliche, mal seelische Ursachen haben. „Das setzt die verbleibenden Kräfte dann noch weiter unter Druck“, bedauert Stefan Kiefer.

Deshalb wurde im neuen Tarifwerk nicht nur die wöchentliche Arbeitszeit auf 38,5 gesenkt, sondern die Arbeitnehmer haben auch Anspruch auf ein freies, zusammenhängendes Wochenende in jeder zweiten Woche.

Verbesserte Arbeitsbedingungen gesichert

„Das ist keineswegs selbstverständlich in der Pflege“, weiß Astrid Mertens, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung der WDS Altenhilfe + Pflege gGmbH, die den neuen Tarifvertrag mit seinen verbesserten Arbeitsbedingungen und höheren Gehältern sehr begrüßt. Astrid Mertens ist daher überzeugt: „Der neue Tarifvertrag hilft, leichter Fachkräfte und Auszubildende zu gewinnen, denn er bietet gute Argumente, sich für unser Unternehmen zu entscheiden.“

Das neue Tarifwerk sei auf die Belange in der Altenpflege zugeschnitten. Mit Ausbildungsvergütung und Einstiegsgehältern liege die Pflege in der Diakonie künftig im Spitzenbereich, schwärmt Pfarrer Beuthert und verweist auf 3300 Euro Einstiegsgehalt plus Zuschlägen für eine neue Pflegefachkraft nach drei Jahren Ausbildung. (Elmar Schulten)

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