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Neuland in Schmillinghausen mit Ölkürbissen beackern

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Von: Armin Haß

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Sonnenaufgang über dem Kürbisfeld bei Schmillinghausen. Die wegen ihrer Kerne gesäten Feldfrüchte sind erntereif.
Sonnenaufgang über dem Kürbisfeld bei Schmillinghausen. Die wegen ihrer Kerne gesäten Feldfrüchte sind erntereif. © Armin Haß

Im Waldecker Land gedeihen ungewöhnliche Feldfrüchte am Rand von Schmillinghausen. Lukas Berwinkel hat dort im Mai Ölkürbisse gesät, von denen nur die Kerne für die Ernährung genutzt werden.

Arolsen-Schmillinghausen – In diesen Tagen ist Erntezeit. Die dicken grün-gelblichen Kugeln haben den Dürre-Sommer gut überstanden, sind gut gediehen und müssen im Zustand der Reife mit einem Traktor geschoben werden. Auf diese Weise werden die Kerne das erste Mal gelockert, was die weitere Verarbeitung erleichtertet.

Aus drei Hektar Ackerfläche lassen sich laut Berwinkel 2500 Kilogramm trockene Kerne erzeugen. Die können gereinigt und getrocknet pur verzehrt werden, gemahlen oder ganz für Backwaren oder gepresst als Öl für Salat verwendet werden.

Mit dem Traktor werden die erntereifen Kürbisse erstmal in lange Reihen geschoben.
Mit dem Traktor werden die erntereifen Kürbisse erstmal in lange Reihen geschoben. © Armin Haß

Für einen Liter Öl müssen die Kerne von 20 bis 30 Kürbissen ausgepresst werden. Wertvolle Inhaltsstoffe, wie Linolsäure, Kalium, Phosphor, Magnesium, Kalzium, Eisen, Kupfer, Mangan, Selen, Zink sowie die Vitaminen A, B1, B2, B6, C, D und E machen die Kerne zu einem Superfood.

Superfood vom Acker

Als solches Nahrungsmittel wollen Berwinkel und sein Geschäftspartner Cord-Herwig Plumeyer über die eigens gegründete Regionale Superfood (ReSuFo) die eiweißhaltigen Kerne regional vermarkten. Chips, Salat, Brötchen und Brot können durch die Kerne bereichert werden.

Zwischendrin gedeiht auch die Miere. Ein kleinerer Teil der Ländereien bei Schmillinghausen dient für den Anbau von Speisekürbissen.
Zwischendrin gedeiht auch die Miere. Ein kleinerer Teil der Ländereien bei Schmillinghausen dient für den Anbau von Speisekürbissen. © Armin Haß

Der Ölkürbis-Acker in Schmillinghausen zählt zu den wenigen Anbaugebieten in Hessen. Auch in Nordrhein-Westfalen werden die dicken Kern-Lieferanten gezüchtet. Das Gros für den deutschen Lebensmittelmarkt stammt aus der Steiermark, zum Teil auch aus Asien. Neben dem Ölkürbisfeld ist ein Bereich mit den essbaren Hokkaido-Kürbissen angelegt worden. Auf dem 2021 erworbenen landwirtschaftlichen Areal, der zum ehemaligen Milchviehbetrieb Neumeier zählt, werden zudem an der Bundesstraße 252 Schnittblumen zum Selbstpflücken angeboten. Im kommenden Jahr sollen auch gegenüber dem Supermarkt in Berndorf solche Blumen sprießen.

Weizenanbau, Ackerbohnen, Mais, Kleegras und Gerste will Berwinkel außerdem produzieren. Ziel ist es, den Betrieb in Umstellung auf die Naturland-Öko-Richtlinien einzurichten. Neben einer Hilfskraft hat Berwinkel im Juni in Vollzeit den Bio-Wertschöpfungsketten-Manager Jan-Torben Frank eingestellt.

Der neue Eigentümer des früheren Bauernhofes Neumeier in Schmillinghausen, Lukas Berwinkel, auf dem Ölkürbisfeld.
Der neue Eigentümer des früheren Bauernhofes Neumeier in Schmillinghausen, Lukas Berwinkel, auf dem Ölkürbisfeld. © Armin Haß

Berwinkel stammt aus Gütersloh, wo die Eltern einen Nebenerwerbsbetrieb führen. In Göttingen hat er das Studium der Agrarökonomie mit dem Master abgeschlossen.

Er lebt in Paderborn-Kirchborchen, wo er mit seiner Lebensgefährtin und einem Bruder einen Legehennenbetrieb aufgebaut hat. Einen weiteren Öko-Legehennenbetrieb hat er in Bad Sooden-Allendorf aufgebaut. Auch dort gedeihen Ölkürbisse.

Flexibel handeln

Ursprünglich hatte Berwinkel vor, in Schmillinghausen einen größeren Öko-Legehennenbetrieb aufzubauen und auch schon einen Bauantrag gestellt. Doch angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage, in der sich auch die Futtermittel verteuerten, hat er das Projekt auf Eis gelegt und setzt nun auf Ackerbau.

Der Agrarökonom will seine Betriebe möglichst breit aufstellen und auch Nischenprodukte vermarkten. „Wir sind ein landwirtschaftliches Unternehmen, das sich lohnen muss“, stellt Berwinkel fest. (Armin Haß)

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