Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse veröffentlicht Ergebnisse seiner Wasseruntersuc

Nitratwerte der Diemel deutlich zu hoch

Dipl.-Physiker Harald Gülzow vom Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebenflüsse mit Wasserproben im mobilen Labor.

Diemelstadt - Eine Messfahrt des VSR-Gewässerschutz belegt: Intensive landwirtschaft-liche Nutzungen bis ans Ufer führen zu einem starken Nitratanstieg in der Diemel.

Diemelstadt. Der „Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse e.V.“ (VSR-Gewässerschutz) entstand Anfang der 80er Jahre als Zusammenschluss verschiedener Bürgerinitiativen an Rhein und Main. 1981 bauten die Mitglieder ein ehemaliges Passagierschiff zum Labor- und Informationsschiff um. Verschiedene Labormobile unterstützten die Arbeit abseits der schiffbaren Flüsse.

Eine Messfahrt an der Diemel unternahm der VSR-Gewässerschutz im April im Rahmen seines Projektes „Nitratbelas-tung unserer Gewässer“. Schon bei früheren Weseruntersu-chungen fiel dieser im Sauerland entspringende linke Nebenfluss mit seinen erhöhten Nitratwerten regelmäßig auf. Nun sollte der Ursache auf den Grund gegangen werden.

Von Marsberg bis zur Mündung in die Weser in Karlshafen wurden Proben gezogen und analysiert. Mit 17,9 Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat stellten die Gewässerschützer in Marsberg schon eine erhöhte Nitratkonzentration fest. Bis Germete stieg der Wert auf 21,5 mg/l an. Nach dem Zufluss der Twiste mit 32,0 mg/l, dem bei der Messfahrt höchsten gemessenen Wert, kletterte die Belastung der Diemel in Warburg sprunghaft auf 24,5 mg/l an. Bis Liebenau wuchs die Nitrat-belastung weiter auf 26,9 mg/l.

Erst der Zufluss der Warme mit 25,0 mg/l verringerte den Anstieg, so dass in Sielen ein geringfügig niedrigerer Wert von 26,4 mg/l gemessen wurde. Durch die stärker belastete Esse mit 30,5 mg/l kam es bis Trendelburg letztmalig zu einem stärkeren Anstieg. Bis Karlshafen bewegte sich die Nitratkonzentration dann auf einem hohen Niveau von 27,4 bis 27,7 mg/l. Für die untersuchte Fließstrecke entspricht dies einer Erhöhung um 54 Prozent von Marsberg bis zur Mündung.

Belastung durch die Twiste

Für die Wissenschaftler steht fest: Die Nitratbelastung der Diemel kommt durch das zusickernde Grundwasser und die zufließenden Nebenbäche, die wiederum ihre Belastung aus dem Sickerwasser des oberflächennahen Grundwassers beziehen. Ein Teil der Nährstoffe wird bei Regenfällen auch durch Erosion der anliegenden landwirtschaftlichen Nutzflächen in den Fluss gespült.

Eine besonders hohe Belastung wird der Diemel aus dem Einzugsgebiet der Twiste zugeführt. Dieser aus Süden kommende Bach besitzt nicht nur die höchste Nitratkonzentration, sondern auch, da er die größte Wassermenge der Diemelnebenflüsse führt, die höchste Nitratfracht.

Fazit des VSR Gewässer-schutz: Die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie werden bei der Diemel nicht eingehalten. Der von der LAWA (Länderarbeitsgemeinschaft Wasser), der beide Anliegerländer Hessen sowie Nordrhein-Westfalen angehören, für einen guten Zustand geforderte Höchstwert der Nitratbelastung von 11 mg/l wird ab Marsberg bis zur Mündung in die Weser in der Diemel stark überschritten - ab Warburg sogar um mehr als das Doppelte.

Naturbelassene Ufer- oder Gewässerrandstreifen, die den Wasserlauf begleiten und für die Gewässerentwicklung zur Verfügung stehen, fehlen auf weiten Fließstrecken der Diemel. Sie können daher nicht als Nährstoffpuffer wirken, sowie den Stickstoffeintrag und den Oberflächenabfluss aus den angrenzenden Nutzflächen mindern.

So gibt es auch kaum Ufer-streifen mit Büschen, Bäumen und Hochstauden. Daher ist die Gewässerstrukturgüte des Diemellaufes merklich bis stark geschädigt. Ein guter Gesamtzustand des Gewässers kann sich aber erst einstellen, wenn die allenfalls mäßige bis gering beeinträchtigte Strukturgüte auf der gesamten Fließlänge überwiegt und dabei über die Gesamtlänge gut verteilt ist.

Keine Gülle ausbringen

Der VSR-Gewässerschutz begrüßt die bereits an der Diemel durchgeführten Renaturierungsmaßnahmen. Doch diese Bereiche sind viel zu klein und stellen für die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie im Einzugsgebiet der Diemel keine ausreichende Maßnahme dar. Daher fordert der Verein an weiteren Gewässerabschnitten Uferstreifen aus Gehölzen oder Hochstauden entstehen zu lassen. Eine weitere Verbesserungsmaßnahme würde aber auch eine extensive landwirtschaftliche Nutzung von Wiesen im Uferbereich darstellen. Auf solchen Flächen sollte keine Gülle ausgebracht und diese soll-ten auch nur noch einmal im Jahr gemäht werden.

Austauschflächen anbieten

„Bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie müssen an der Diemel wie auch an den anderen Flüssen staatliche Stellen und Landwirte eng zusammenarbeiten. Ohne die Mitwirkung der Landnutzer wird die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie nicht funktionieren. Bei der Verringerung der Nitratauswaschung ins Grundwasser brauchen sie aber auch staatliche Förderung für eine Verbesserung der Landtechnik, um die Nährstoffverluste noch stärker reduzieren zu können. Für extensiv genutzte landwirtschaftlich Flächen müssen den Landwirten geeignete Austauschflächen angeboten oder eine ausreichende Entschädigung gezahlt werden. Der Erhalt einer lebenswerten Umwelt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. (r)

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