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Nordwaldecker Bürgermeister wollen Glasfaser möglichst bis zur letzte Milchkanne

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Von: Elmar Schulten

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Beim Glasfaserausbau und auch sonst ziehen sie an einem Strang: Die vier Nordwaldecker Bürgermeister vor dem Rathaus von Bad Arolsen. Von links Marko Lambíon (Bad Arolsen), Stefan Dittmann (Twistetal), Hendrik Vahle (Volkmarsen) und Elmar Schröder (Diemelstadt)
Beim Glasfaserausbau und auch sonst ziehen sie an einem Strang: Die vier Nordwaldecker Bürgermeister vor dem Rathaus von Bad Arolsen. Von links Marko Lambíon (Bad Arolsen), Stefan Dittmann (Twistetal), Hendrik Vahle (Volkmarsen) und Elmar Schröder (Diemelstadt). © Elmar Schulten

Die vier Nordwaldecker Bürgermeister haben bei einem Treffen im Bad Arolser Rathaus ihre Absicht bekundet, sich für den zügigen Ausbau des Glasfaser- und Breitbandnetzes einzusetzen. Gemeinsames Ziel sei es, schnelles Internet „bis zur letzten Milchkanne“ zu bringen.

Bad Arolsen - Seit dem Sommer bemühe man sich, den Glasfaserausbau, der vor Jahren von der Breitband Nordhessen GmbH in den fünf Landkreisen im Regierungsbezirk Kassel angeschoben wurde, und der dann aber aus diversen Gründen unter der NetCom fast zum Erliegen gekommen seien, zu einem guten Ende zu bringen.

Immerhin seien hier schon 140 Millionen Euro an Steuergeldern investiert worden, um einen sogenannten Backbone (englisch für Rückgrat) aufzubauen. Nun gebe es in fast allen Dörfern jene grauen Anschlusskästen, die quasi nur noch mit den Häusern der Telefon- und Internetkunden verbunden werden müssten. Experten sprechen von der „letzten Meile“.

Der Markt der Internetanbieter funktioniert

Damit auf dieser letzten Meile keine Übertragungsgeschwindigkeit verloren geht, müssen diese Meter bis zu den Hausanschlüssen auch in Glasfaser verlegt werden.

Bis Mitte des Jahres habe man noch geglaubt, dass es für dieses Geschäft keine Anbieter und damit auch keine Investoren gebe. Für einen solchen Fall des Marktversagens gebe es eine 90-Prozent-Förderung des Bundes.

Arosler Kernstadt und Helsen gelten als gut versorgt

Inzwischen aber hätten sich mehrere Bauinteressenten in den nordwaldeckischen Rathäusern gemeldet, so dass von Marktversagen und Bundeszuschüssen keine Rede mehr sein könne. Nun komme des den Magistraten von Diemelstadt, Volkmarsen und Bad Arolsen sowie dem Gemeindevorstand von Twistetal darauf an, dass sich nicht einzelne Anbieter die Rosinen in Form von dichter Bebauung herauspickten.

Nach Möglichkeit müsse jedes Dorf bis zur letzten Milchkanne mit schnellem Internet erschlossen werden, so Arolsens Bürgermeister Marko Lambion. Dabei gelte die besondere Situation, dass die Arolser Kernstadt und Helsen bereits überdurchschnittlich gut durch die Telekom und das Breitbandkabel von Vodafone erschlossen seien. Die neuen Glasfäserstränge vorsorgten daher vor allem Landau und Kohlgrund.

In jedem Dorf ist die Situation unterschiedlich

In der Großgemeinde Volkmarsen sind Hörle und Herbsen sowie Ehringen bereits mit an das Glasfaser-Backbone angeschlossen, wie Bürgermeister Hendrik Vahle berichtet. Die Kernstadt von Volkmarsen müsste über Breuna und Rhöda angebunden werden.

Diemelstadt ist schon einen Schritt weiter, weil der Internet-Anbieter goetel.de seit Anfang November in allen Stadtteilen Werbung macht und sich aktiv um eine Vertragsakquise bemüht.

40 Prozent Mindestabdeckung wird benötigt

Bürgermeister Elmar Schröder erklärt dazu, dass goetel erklärt habe, alle Diemelstädter Stadtteile mit Glasfaser-Hausanschlüssen zu versorgen, wenn sich im Vorfeld mindestens 40 Prozent der Haushalte für einen Vorvertrag entscheiden. Bisher liege die Quote bei 39 Prozent, so Schröder. Doch bis zum Ende der Akquise Ende Januar werde das nötige Minimum bestimmt übertroffen.

Besonders hoch sei das Interesse derzeit mit 58 Prozent in Neudorf, während die Hauseigentümer in Rhoden mit 30 und Wrexen mit 36 Prozent noch zurückhaltend seien. Das liege wahrscheinlich an der vergleichsweise guten Abdeckung durch die Telekom in diesen größeren Stadtteilen.

Glasfaseranschluss teigert Gebäudewert

Dabei müssten alle Hauseigentümer verstehen, dass ein (kostenlos eingebauter) Glasfaseranschluss im Keller langfristig den Wert der Immobilie steigere, so Volkmarsens Bürgermeister Vahle: „Das ist das größte Infrastrukturprojekt der letzten Jahrzehnte in unseren Städten.“

In diesem Zusammenhang erinnerte sein Diemelstädter Kollege Schröder an die folgenschwere Entscheidung des dortigen Stadtparlamentes Mitte der 1980er Jahre gegen den Anschluss an das TV-Breitbandkabel der Telekom. In der Folge wurde Breitband auch zum Schlüssel für schnelle Internetzugänge und Diemelstadt war von der neuen technischen Entwicklung abgehängt.

Enorme Summen werden verbuddelt

Twistetals Bürgermeister Stefan Dittmann berichtete, dass die Zielnetzplanung für Twistetal ergeben habe, dass rund elf Millionen Euro verbaut werden müssten, um alle Twistetaler Gebäude mit FTTH (Fiber to the House- Glasfaser bis ins Haus) zu versorgen.

Mit solchen Investitionen sei jede Kommune selbst bei 90 Prozent Bundeszuschuss überfordert. Deshalb sei es gut, dass es nun mehrere Anbieter für diese Zukunftsinvestition gebe.

Informationsoffensive im neuen Jahr

Bürgermeister Schröder ergänzte, dass es inzwischen einen Schiedsspruch der Bundesnetzagentur gebe, wonach der mit Steuergeldern finanzierte Backbone allen interessierten Marktteilnehmern zur Durchleitung zur Verfügung stehen müsse.

Während man nun in Diemelstadt auf den Baustart im Laufe des ersten Halbjahres wartet, sollen in Bad Arolsen, Volkmarsen und Twistetal im Januar zunächst die kommunalen Entscheidungsträger über das Planungskonzept informiert werden. Danach können die Glasfaser-Anbieter in die Kundenakquise gehen. (Elmar Schulten)

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