Baumexperten führen Schäden vor Augen

Notbremse zur Rettung der Arolser Alleen

Menschen mit Regenschirmen hören einem Mann zu, der ohne Schirm  in einer ausgelichteten Allee Erläuterungen gibt.
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Bei einer Exkursion in die Fürstenallee haben sich die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung ein Bild von den Baumschäden gemacht. Der städtische Gärtnermeister Sascha Finis und Baumingenieur Mihael Daruk erläuterten sehr anschaulich die vielen verborgenen Details.

Bei einer Exkursion durch die Große Allee bis hin zur Fürstenallee haben sich die Mitglieder des Umwelt- und Planungsausschusses über die fortschreitenden Schäden an den Alleebäumen informiert. Bei der anschließenden Sitzung im Bürgerhaus wurde über Lösungsansätze diskutiert, die von den städtischen Baumexperten erarbeitet wurden.

Bad Arolsen - Bei Nieselregen zeigten der städtische Gärtnermeister Sascha Finis und sein Kollege, der Baumingenieur Mihael Daruk, auf, wie viele Baumkronen schon stark ausgedünnt sind, und dass, obwohl es in den vergangenen Wochen scheinbar genügend Regen gab. Bei jüngsten Pflanzarbeiten ist den beiden Gärtnern aufgefallen, dass der Boden nach drei Dürrejahren auch nach ein wenig Regen nur in den obersten fünf oder Zentimetern genügend Feuchte aufweist.

Das lasse auf eine Schädigung der Wurzeln schließen, so Daruk. In der Fürstenallee komme hinzu, dass die Kastanien durch Streusalz, Bodenverdichtung und ständiges Parken stark vorgeschädigt seien.

Pilz und Motten bedrohen vorgeschädigtes Holz

Außerdem hätten bundesweit alle Kastanien und Pilzbefall und der Miniermotte zu kämpfen. Aus Kassel würden schon die ersten Eichen gemeldet, die von Eichenprozessionsspinnern befallen würden. Das problem rücke also zunehmend näher.

Inder Fürstenallee habe man daher schon begonnen, Nistkästen für Meisen aufzuhängen, in der Hoffnung dass diese Vögel die Raupen der Motten fressen, berichtete Daruk. Außerdem sei im Herbst wieder geplant, das vom Pilz befallene Laub zu entfernen.

Extensives Bewirtschaftungskonzept

Dabei wolle man doch eigentlich das Laub so weit wie möglich unter den Alleebäumen belassen, damit das gemulchte Laub von Regenwürmen zu Humus verarbeitet werden. So wolle man der Natur helfen, sich selbst zu helfen.

Jedenfalls sei es offenbar nicht gut gewesen, dass die städtischen Gärtner Jahrzehntelang jedes Jahr 60 bis 70 Tonnen Laub aus der Großen Allee abgefahren hätten. Diese Biomasse fehle nun den großen Bäumen beim Wachstum, schwäche sie und mache sie krank. Viele dieser alten Bäume würden wohl nicht mehr lange überleben, so die Prognose.

Zur langfristigen Vitalisierung der Alleebäume sind die städtischen Gärtner nun dazu übergegangen, ein extensives Bewirtschaftungskonzept umzusetzen. Mit anderen Worten: Es wird nur noch zwei, drei mal im Jahr gemäht. Das Gras kann höher werden, wird dann gemulcht und bleibt liegen.

Boden wurzelschonend auflockern

Das führe dazu, dass die Flächen auch bei längeren Trockenperioden nicht komplett austrockneten, so Gärtnermeister Finis. Das lasse sich im direkten Vergleich zwischen einer Rasenfläche vor dem Rathaus und in der Großen Allee ablesen. Außerdem könnten längere Halme den Morgentau einfangen.

Zur langfristigen Sicherung der unter Naturschutz stehenden Kastanien in der Fürstenallee hat der Magistrat auch die Meinung von Dr. Katharina Weltecke eingeholt. Die Diplomingenieurin im Fach Forstwirtschaft ist Sachverständige für Baumstandorte. Sie ist gerade mit Forschungsarbeiten in Arolsen beschäftigt und kennt sich daher mit der Situation aus. Ein großes Problem stelle in der Fürstenallee der bei Bauarbeiten vor Jahren extrem verdichtete Mittelweg dar. Um diesen harten Boden möglichst wurzelschonend wieder aufzulockern, könne man keine Belüftungslöcher einbringen und auch keine Druckluftlanzen verwenden, wie das vielleicht anderswo möglich sei.

Im Zweifel drohen Parkknöllchen

Der stellvertretende Bauamtsleiter Marco Tröger brachte den Vorschlag der Baumexpertin so auf den Punkt: Am sanftesten sei die Verwendung einer ausgewählten Mischung von tiefwurzelnden Pflanzen. Infrage kämen an die 30 Arten, von Luzerne bis Knaulgras.

Parallel dazu müsse das Parken entlang der Allee bis auf ganz wenige Sonderflächen unterbunden werden.

Bürgermeister Jürgen van der Horst kündigte an, dass die Stadt mit jedem einzelnen Anwohner über die Nutzung der Stellplätze auf dem eigenen Grundstück führen wolle. Am Ende könnten nur einige wenige öffentliche Parkflächen übrig bleiben. Überall sonst müsse bei Zuwiderhandlung mit Parkknöllchen gerechnet werden.

Sanierungsziel sei die Stärkung und Revitalisierung der Bäume in der Fürstenallee. Das könne durch Aufbau einer Naturwiese anstelle des jetzigen Trampelpfads gelingen.

Um das Sanierungskonzept zu erreichen seien nicht nur eingehende Informationen für die Anwohner, sondern auch Informationstafeln für Gäste und Besucher geplant, so Tröger. (Elmar Schulten)

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