Hinweisschilder, Gedenktafeln und Themenführungen geplant

NS-Geschichte im Arolser Stadtbild sichtbar machen

Die ehemalige Häftlingsunterkunft auf dem Gelände der früheren SS-Kaserne stellte ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald dar. Heute sind die Gebäude Teil eines Supermarktes. Foto: Elmar Schulten
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Die ehemalige Häftlingsunterkunft auf dem Gelände der früheren SS-Kaserne an der heutigen S chlesienstraße stellte ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald dar. Hier fehlt eine Hinweistafel. 

Losgelöst von den Gedenkfeiern der vergangenen Tage soll die NS-Geschichte in Bad Arolsen künftig auch im Alltag sichtbarer werden.

Bad Arolsen. Das ist das Ergebnis eines ersten Treffens von Vertretern der Kirchen, Schulen, des Bathildisheims und des Magistrates, zu dem Floriane Azoulay als Direktorin von Arolsen Archives eingeladen hatte. 

Die internationale Institution erhalte regelmäßig Besuch von Historikern aus aller Welt. Und die wunderten sich regelmäßig dass so wenig über die Geschichte der früheren SS-Kaserne und von Arolsen Archives im Stadtbild zu erkennen sei. Sie habe daher einen Impuls für mehr Sichtbarkeit der Geschichte in der Stadt geben wollen.

Schulen, Museen und Kirchen wollen sich mit eigenen Ideen beteiligen

Bürgermeister Jürgen van der Horst unterstrich, dass mit diesem Vorschlag offene Türen beim Magistrat eingelaufen würden. Es sei aber nicht so, als wäre in der Vergangenheit nichts passiert. 

Das Museum „Historicum 20“ behandele das Thema NS-Vergangenheit, ergänzte Museumsleiterin Dr. Birgit Kümmel. Und die Initiative pro Bad Arolsen habe schon 43 historische Häuser im Stadtgebiet mit Hinweistafeln versehen, bekräftigte Rolf Crone. Dabei sei unter anderem auch auf die vier früheren Synagogen im Ort hingewiesen worden.

Einen beachtlichen Beitrag zur Erinnerungsarbeit leisten die Bad Arolser Schulen, wie CRS-Schulleiter Markus Wagener unterstrich. Und auch das Bathildisheim hat Stelen aufgestellt, auf denen die Geschichte dieser Institution und ihrer Betreuten dargestellt werden, wie Herbert Weygandt berichtete.

Wissen vermitteln und zum Nachdenken anregen

Dennoch waren sich alle einig, dass in all diesen Bereichen noch mehr getan werden könne und müsse. Dabei sei es sinnvoll, alle historischen Hinweise miteinander zu vernetzen.

Konkret bot der Rathauschef an, eine offizielle Magistratskommission ins Leben zu rufen, die sich zunächst mit strategischen Fragen beschäftigen und dann schnell Projekte auf den Weg bringen solle. Der Magistrat könne sich dann mit anderen um die Finanzierung bemühen.

Sinnvoll sei es, möglichst alle gesellschaftlichen Gruppen in der Stadt und in den Stadtteilen mit einzubeziehen. Dazu gehörten auch die Geschichts- und Museumsvereine.

NS-Verstrickungen aufzeigen

Als mögliche Projekte zur Sichtbarmachung der NS-Gesichte im Arolser Stadtbild hatte Isabel Panek von der Abteilung Forschung und Bildung der Arolsen Archives mehrere Beispiele aufgezählt: Zum einen könne eine Gedenktafel am Standort des ehemaligen Außenlagers des Konzentrationslagers Buchenwald an der Schlesienstraße angebracht werden.

 Ein weiteres Projekt könne die Erarbeitung thematischer Stadtrundgänge werden. Im Rahmen von Schulprojekten könnten Orte benannt werden, an denen SS-Angehörige und Deportierte Spuren hinterlassen haben. Ebenso wurde die Verlegung von Stolpersteinen angeregt, wie sie schon in vielen Städten zu finden sind. Diese gold-glänzenden Stolpersteine erinnern an Menschen, die einst in den jeweiligen Häusern gewohnt haben. 

Zentrale SS-Schaltstelle in der Großen Allee

Schließlich wird die Überarbeitung des historischen Stadtführers angeregt. Zum Beispiel müsse am „Neuen Schloss“ auf die Diensträume des SS-Oberabschnitts Fulda-Werra hingewiesen werden. Hier habe der Höhere SS- und Polizeiführer im Rang eines SS-Obergruppenführers, Erbprinz Josias residiert. 

Ebenso müsse der jüdische Friedhof aufgenommen werden, auf dem sich noch etwa 100 Grabsteine befinden. In diesem Zusammenhang erinnerte Bürgermeister Jürgen van der Horst daran, dass es in Landau, Arolsen und Mengeringhausen drei jüdische Friedhöfe gebe. 

Das Für und Wider der Stolpersteine abwägen

Im übrigen habe Magistratsmitglied Udo Jost den Vorschlag gemacht, am jüdischen Friedhof in Arolsen eine Mauer zu errichten an der sich die Gedenktafeln für die ehemaligen Arolser Bürger jüdischen Glaubens angebracht werden könnten, die von den Nationalsozialisten verschleppt und ermordet wurden. Das sei eine Alternative zur Verlegung der nicht unumstrittenen Stolpersteine.

 In Mengeringhausen habe es nämlich eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit von Stolpersteinen gegeben. Dabei sei deutlich geworden, dass es bedenklich sei, auf den Namen der NS-Opfer herumzutreten. All das und noch vieles mehr soll demnächst von einer Magistratskommission und in weiteren Arbeitsgruppen bewegt werden.

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