Bürger sind zu Spenden für denkmalgeschütztes Haus aufgerufen

Palais Schreiber ist ein Sanierungsfall: Mehrere Wasserschäden im Gebälk

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Versteckte Wasserschäden im Schreiber’schen Haus große Schäden angerichtet. Unter anderem konnte sich der Hausschwamm in der Fassade breitmachen. Einen Großteil der Kosten übernimmt zwar die Gebäudeversicherung. Große Teile der Finanzierung sind aber noch ungesichert.  

Bad Arolsen.  Der Anblick macht sprachlos: Die Ausstellungsvitrinen sind leer und beiseite geräumt. Das 1717 von Architekt Rothweil als Musterhaus für die geplante Residenzstadt errichtete Palais Schreiber ist eine Großbaustelle.

Ein über Jahre nicht erkannter Wasserschaden hat Balken morsch werden lassen. Schlimmer noch: In den mehr als 300 Jahre alten Eichenstämmen steckt der Schwamm, jener tückische Pilz, für dessen fachmännische Beseitigung es eine eigene DIN-Vorschrift gibt. Die Sanierung wird teuer und langwierig.

2013 hat die Stadt Bad Arolsen das denkmalgeschützte Gebäude an die Hannelore- und Hans-Jürgen-Schäfer-Stiftung übereignet, um sich damit langfristig aus der Verantwortung für den Bauunterhalt für das barocke Gebäude zu verabschieden. Diese Rechnung geht jetzt nicht mehr auf.

Wer wird die Sanierung  bezahlen?

„Die Stadt sieht sich selbstverständlich in der Pflicht, einzuspringen“, erklärte gestern Bürgermeister Jürgen van der Horst und bezog auf einen Magistratsbeschluss. Die Verwaltung sei in die laufende Sanierung einbezogen. Man habe große Interesse daran, das Modell der Zusammenarbeit fortzuführen.

Das Modell sah vor, dass die Stiftung einen Großteil der laufenden Kosten für das Gebäude übernimmt. Ein Kreis engagierter Bürger trug mit ihren regelmäßigen Spenden zur Finanzierung größerer Anschaffungen bei. Nun aber tun sich ganz andere Löcher auf.

„Zum Glück hat die Gebäudeversicherung erklärt, dass sie für die Beseitigung des Wasserschadens und der damit verbundenen Folgeschäden aufkommt“, berichtet Hans-Jürgen Schäfer. Damit ist jedoch nicht der Einbau einer neuen, denkmalgerechten Heizungsanlage abgedeckt.

Wie konnte der Schaden entstehen?

Hinzu kommt, dass im Zuge der laufenden Sanierungsarbeiten immer neue Bauschäden auftauchen. In der Zwischendecke zwischen der erstem und zweiten Etage sind zwei Balken angefault. Im Musikzimmer hat ein tragender Balken so gut wie keine Auflage mehr auf dem Mauerwerk. Grund ist wahrscheinlich ein alter Wasserschaden in dem darüber liegenden Badezimmer. 

Auch im Festsaal mit seinen barocken Stuckornamenten mussten Stahlstützen montiert und ein Rollgerüst aufgebaut werden. Wahrscheinlich hat die Trocknungsanlage in den darüber liegenden Räumen über Jahre Wasser verloren, das in die Decke eingesickert ist und Balken geschädigt hat. Nun sind Stuckdecken, Wände, Fußböden und vieles mehr in Gefahr. 

Wie ist der Schaden aufgefallen?

Ob hier eine Versicherung greift, ist unklar, weil die ursprünglichen Schäden wahrscheinlich schon einige Jahre zurückliegen. An allen genannten Stellen wird deutlich, dass die ursprüngliche Sanierung Anfang der 80er Jahre womöglich nicht in allen Punkten denkmalgerecht war. So wurden Heizungsrohre unter die Bodenplatte im Erdgeschoss verlegt. Darauf kam eine schwere Dämmschicht und darauf wieder ein mit Eisen bewährter Estrich.

 So konnte über Jahre Wasser aus den Rohren austreten und sich im ganzen Erdgeschoss verbreiten, ohne bemerkt zu werden. Der Schaden wurde erst offensichtlich, als die frisch ausgetragene Fassadenfarbe nach kurzer Zeit wieder abblätterte. Je tiefer nun die Handwerker kratzen, desto mehr schadhafte Stellen legen sie frei. Die genaue Schadenhöhe ist nicht bekannt. 

Sie wächst beinah täglich durch immer neue Funde. So stellt sich immer dringender die Frage nach der Finanzierung. Auch wenn das Landesamt für Denkmalpflege in Person von Dr. Bernhard Buchstab seine Unterstützung zugesagt hat, so sind von dort keine Riesensummen zu erwarten.

Wie können die Bürger helfen?

Im 300. Jahr der Stadtgründung drängt sich der Gedanke auf, die Bürger am Erhalt dieses besonderen städtebaulichen Denkmals zu beteiligen. Der Förderverein „Bürger für das Schreibersche Haus“ ist als gemeinnützig anerkannt und kann auch Spendenquittungen ausstellen. Die Kontonummer lautet: DE515253 00050001078575

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