Panzerhallen werden zur Berufsschule

- Wolfhagen (-ah-). Die alten Panzerhallen in der ehemaligen Pommern-Kaserne Wolfhagen sind für rund 17,5 Millionen Euro in eine Berufsschule, den Hessen-Campus der Herwig-Blankertz-Schule umgewandelt worden. Bei der Einweihung unterstrich Ministerialdirigent Dieter Wolf aus dem hessischen Kultusministerium die Absicht, den Berufsschulen als Bildungsstätten für Jugendliche und Erwachsene zu entwickeln und ihnen auf der Basis eines "auskömmlichen Budgets" mehr Eigenständigkeit in fachlicher, personeller, finanzieller Kompetenz zu gewähren.

Für Bürgermeister Reinhard Schaake ist damit ein Teil der Vision von der Konversion der aus den 30er Jahren stammenden Kaserne gelungen. Das nächste Ziel, eine CO-2-neutrale Stadt Wolfhagen, solle auch auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne erreicht werden. Geplant ist eine Heizanlage, die Holz in Gas umwandelt und neben der Versorgung der umliegenden Gebäude über das Nahwärmesystem Strom in das Netz der Stadtwerke einspeisen soll. Schaake, der frühere Landrat Dr. Udo Schlitzberger sowie der frühere Leiter der Standortverwaltung Bad Arolsen (Bundeswehrdienstleistungszentrum), der Arolser Erste Stadtrat Helmut Hausmann, haben sich gemeinsam mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) für die Schaffung des Bildungszentrums im Gasterfelder Holz eingesetzt. Im Gegensatz zur Stadt Arolsen hat die Nachbarkommune die Liegenschaften nicht erworben, sondern die Entwicklung der 2008 geschlossenen Kaserne der BIMA überlassen, die inzwischen rund 17 der 42 Hektar vermarkten konnte. Dazu gehört auch die Firma Energy Glas.

In Zusmamenarbeit mit dem Bundeverteidigungsministerium ist es sogar gelungen, im Zuge einer "gleitenden Konversion" noch in den letzten Monaten und Jahren der Bundeswehrpräsenz das erste Unternehmen anzusiedeln, wie Schaake ebenso lobend erwähnte wie die enge Verbundenheit mit der Bundeswehr in den vergangenen Jahrzehnten. Dass die Panzereinheiten die gut in Schuss gebrachten Kasernengebäude verlassen musste, habe ihn damals sehr überrascht, sagte Schaake. Gleichwohl betrachtet der gerne Mut zu Visionen zeigende Rathauschef die Umwandlung auch als ein Zeichen für den Frieden. Schließlich seien während der Nazizeit in der ehmaligen Munitionshauptanstalt Waffen für den Zweiten Weltkrieg produziert worden.

Im vergangenen Juli ist die Wolfhager Dependance der Blankertz-Schule in die neuen Gebäude umgezogen. Zuvor waren am Standort Hofgeismar die weitreichenden Umbaupläne abgeschlossen worden. Insgesamt 2244 Schüler besuchen in beiden ehemaligen Kreisstädten die Berufsschulen. Übr 1100 sind es derzeit in Wolfhagen.

Topaktuell und zukunftsfähig, so Schulleiter Karl Völksen, biete sich nun ein berufliches Kompetenzzentrum, das lebenslanges und lebensbegleitendes Lernen ermöglichen soll. In den sechs Gebäuden sind neben Klassenräumen eine Metallwerkstatt, moderne CNC-Technik, eine Kfz-Werkstatt mit Motortester und Bremsenprüfstand sowie ein Bereich mit Werkrobotern geschaffen worden. Obendrauf befindet sich eines der größten gebäudeintegrierten Solardächer Deutschlands: Mit 142 KW jährlich könnte die Anlage 35 Eifamilienhäuser mit Strom beliefern. In den lindgrün gestrichenenden statt ehedem auf olivgrün getrimmten Gebäuden sind die Berufsfelder Wirtschaft, Ernährung, Fahrzeugtechnik, Gießereitechnik und Metalltechnik, das technische Versorgungszentrum, die Verwaltung, Bistro und Bibliothek untergebracht.

Für Landrat Uwe Schmidt ist mit der Modernisierung der beiden Schulkomplexe eine Stärkung der beiden Mittelzetren Hofgeismar und Wolfhagen bverbunden. Mit der Investion werde deutlich gemacht, dass junge Menschen in der Region sich ausbilden, einen Beruf ergreifen und hier auch leben könnten.

92 Prozent der Bausumme sei Betrieben aus der Region zugute gekommen, wie der frühere Wirtschaftsminister Dr. Alois Rhiel in seiner heutigen Eigenschaft als Vorsitzender der Geschäftsführung der OFD-Projektentwicklungsgesellschaft in Frankfurt erklärte. Aufträge wurden auch von Firmen aus dem Waldecker Land erledigt. Termingerecht und im Kostenrahmen sei das Projekt realisiert worden, wie der Architekt Gerhard Greiner, Vorstand der Hegger-Hegger-Schleiff Planer und Architekten AG in Kassel, erklärte. Nach dem Spruch des Bauleiters Lothar Menkel (Landau), Mitarbeiter der Baufirma Fisseler in Korbach, wurde zum guten Schluss auch die von der Schule produzierte Hülse in den Grundstein eingemauert.

Davon, dass die Region konsequent auf Energieeffizienz setzt, konnten sich die zahlreichen Ehrengäste in der zur unbeheizten Pausenhalle umgestalteten Panzergarage höchstpersönlich überzeugen. Auch für den Festakt wurden keine Heizstrahler aufgestellt. So mussten alle die, die sich nicht warm genug gekleidet hatten, bibbernd bis zum Ausklang der zweistündigen Einweihungsfeier in dem Bauwerk ausharren, das immerhin ästhetisch gelungen ist und eine gewisse Naturverbundenheit zum Ausdruck bringt: "In dieser Pausenhalle soll man die Jahreszeiten spüren", sagte Landrat Schmidt.

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