Das Areal rund um das Hofbrauhaus soll neu gestaltet werden

Paukenschlag für Bad Arolsen: 20 Millionen Euro für Fortsetzung der Brautradition

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Große Pläne für das Hofbrauhaus in Bad Arolsen: Hotelkaufmann Alexander Fitz (rechts) will das Gelände rund um das Hofbrauhaus neu gestalten. Sein Modell zeigt vorn die neuen Hallen der neuen Brauerei, in der Mitte das alte Kerngebäude. Unterstützung signalisiert Bürgermeister Jürgen van der Horst. Auf dem von ihm gehaltenen Modell fällt der große Block der jetzigen Abfüllanlage auf. Dieses Gebäudeensemble soll abgerissen werden.

Bad Arolsen.  Hotelkaufmann Alexander Fitz schickt sich als neuer Eigentümer des Arolser Hofbrauhauses an, der Stadtentwicklung neue Impulse zu geben: Passend zum Jubiläumsjahr 300 Jahre Residenzstadt Arolsen will Fitz die sehr viel ältere Brautradition des Augustinerinnen-Klosters aufgreifen und nachhaltig entwickeln.

Wie bereits in der Heiligabend-Ausgabe berichtet, hat Fitz das rund ein Hektar große Gelände kurz vor dem Jahreswechsel erworben. Auf insgesamt rund 20 Millionen Euro schätzt der Hotelkaufmann nun das Investitionsvolumen, das bis Ende kommenden Jahres hier verbaut werden soll.

Konkret ist der Abriss des vielfach angestückelten Gebäudekomplexes mit der Abfüllanlage geplant. Alte Bilder zeigen, dass sich hier einst ein Pferdeteich befand. Der soll nun wieder hergestellt und in eine Parkanlage mit Biergarten integriert werden.

Was genau ist rund um das Arolser Hofbrauhaus geplant?

Parallel dazu soll das Hotel-Restaurant „Zum Hofbrauhaus“ komplett modernisiert werden. Zielvorgabe sind ein Saal für bis zu 120 Personen, 25 moderne Hotelzimmer und eine ansprechende Erlebnisgastronomie in den beiden Gewölbekellern aus dem 15. Jahrhundert.

Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg des Projektes aber wird der ebenfalls geplante Neubau einer Brauerei im hinteren Bereich des historischen Gebäudes.

Luftbild der Innenstadt von Bad Arolsen: Der rote Kreis markiert das Hofbrauhaus gleich neben dem Schloss.

Auf der großen Wiese an der Violinenstraße soll eine moderne Halle entstehen, die sich zum einen harmonisch in die historische Bausubstanz eingliedert und zum anderen einen optimalen und für die Nachbarn nicht störenden Bierbrauprozess ermöglicht.

Mittelfristig rechnet Fitz mit einem Bierausstoß von 30.000 Hektolitern pro Jahr, wobei die Hotels der deutschlandweit aktiven H-Hotel-Gruppe als Hauptabnehmer fest eingeplant sind. Darüber hinaus soll aber der regionale Markt wieder neu erobert werden. Angedacht ist auch ein Viehmarktsbier. 

Wie geht es jetzt mit den Brauereiplänen in Bad Arolsen weiter?

„Bierbrauen ist ein sehr emotionales Thema, besonders in Arolsen mit seiner langen Brautradition“, kommentiert Bürgermeister Jürgen van der Horst die Pläne, das Hofbrauhaus auf neue wirtschaftliche Beine zu stellen. Hier gehe es zugleich um die Zukunftsfähigkeit eines ganzen Quartiers in der denkmalgeschützten Altstadt, um Stadtentwicklung und Tourismus zugleich. Deshalb unterstütze die Stadt den Planungsprozess.

Konkret geht es um eine Anpassung der Bauleitplanung: Aufgrund von Planungsfehlern aus den 60er- und 70er-Jahren existiere für den ganzen Bereich gar kein gültiger Bebauungsplan. Außerdem müsse die Verkehrserschließung der neuen Brauerei sorgsam geplant werden. Für den Neubau der Brauerei müsse wahrscheinlich ein Verfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz in Gang gesetzt werden. Und dann sind da noch die Belange der Denkmalpflege. 

Flankierend habe der Magistrat bereits in Wiesbaden angeklopft, um zu klären, ob es für die nicht rentierlichen Kosten bei der Sanierung des alten Gemäuers und bei der Wiederherstellung des alten Pferdeteiches und bei der Anlage des Parks in der unteren Kaulbachstraße, nicht Zuschüsse aus dem europäischen Programm zur Regionalförderung EFRE und aus der Stadtsanierung geben könnte. 

Was geschieht mit den Mitarbeitern des Arolser Hofbrauhauses?

Ausdrücklich würdigte der Bürgermeister, dass sich mit Alexander Fitz ein örtlicher Investor für die älteste Brauerei in Hessen engagiere. Fitz habe in Landau bereits gezeigt, wie er mit historischer Bausubstanz umzugehen wisse. Fitz bekräftigte, er habe schon lange den Plan gehegt, eine eigene Brauerei zur Versorgung seiner derzeit 60 Hotels in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu bauen. Als dann vom Magistrat der Hinweis auf den anstehenden Verkauf des Hofbrauhauses gekommen sei, habe sich eines zum anderen gefügt. 

Nun strebe er den Rückbau der alten Abfüllanlage an. Der Gebäudekomplex bestehe aus rund zehn kleinen Einzelgebäuden, sei sehr verschachtelt und verlaufe über verschiedene Ebenen. Das sei zeitgemäß. Auch deshalb sei der Bau einer komplett neuen Brauerei an der Violinenstraße geplant. Am lautesten bei einem Brauereibetrieb sei erfahrungsgemäß die Flaschensortierung.

Um niemanden in der Nachbarschaft zu stören, solle der komplette Betrieb in einer Halle stattfinden. Diese Halle werde zwar nicht historisierend gebaut, aber dennoch so, dass sie sich in das historische Ensemble einfüge. Klare Pläne hat Fitz auch für den Hotel- und Restaurationsbetrieb: 25 Doppelzimmer sind geplant, außerdem ein Saal für Familienfeiern bis 120 Gäste. 

Vor dem Hauptgebäude soll wieder ein schicker Biergarten entstehen, im Eckgebäude an der Mannelstraße eine Kleinbrauerei für Führungen und vielleicht ein Biermuseum. Alle Mitarbeiter werden übernommen, vor allem der Koch und die beiden Servicekräfte, die schon seit 15 Jahren im Hofbrauhaus arbeiten.

Hier befindet sich das Hofbrauhaus in Bad Arolsen:

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