Susanna Ristow geht nach Lüneburg

Pfarrerin aus Leidenschaft

Pfarrerin Susanna Ristow wird am Sonntag, 15. Juni, nach neun Jahren aus Volkmarsen verabschiedet. Foto: Elmar Schulten

Volkmarsen - Nach beinah neun Jahren als Gemeindepfarrerin von Volkmarsen wird Susanna Ristow am Sonntag, 15. Juni, feierlich verabschiedet. Mit dann 61 Jahren will sie noch einmal einen Neuanfang in Lüneburg wagen.

Fast vergessen hatte sie, wie schwierig ihr Neuanfang 2005 in Volkmarsen war. Jetzt, zum Abschied, wird die Erinnerung wieder wach. Und die Erkenntnis ist da: Die Diskussionen von damals haben nicht nur ihre Persönlichkeit, sondern auch die Gemeinde gestärkt.

Wie war das damals? - Ein Kirchenvorstand, der die Zusammenarbeit beenden will, ein Dekan, der im Auftrag des Bischofs vermittelt, eine Gemeindeversammlung, bei der das Knistern in das Atmosphäre zu hören war. Und all das kurz nach dem Tod des geliebten Ehemannes.

Doch dann war da die Kraft der versammelten Gemeinde, die plötzlich und ohne Kommando von außen begonnen hat, „Großer Gott, wir loben dich“ zu singen. Die Erinnerung an diesen Moment der gelebten „Kirche von unten“ sorgt noch heute für ein Gänsehautgefühl. Was folgte, war die Entscheidung des Bischofs für Pfarrerin Ristow, die Neuwahl des Kirchenvorstands und ein neues, bewusstes Zusammenwachsen der Gemeinde sowie ein gedeihliches Miteinander mit der Pfarrerin.

Die Aufbruchstimmung seit Sommer 2007 habe sie wirklich genossen. Mit großer Freude habe sie den ökumenischen Kirchenchor geleitet. Ebenso zufrieden denkt sie an die gelungenen Frauenfrühstücke zurück, an das Kirchenkino, die Seniorennachmittage und an die Arbeit mit den Konfirmanden.

Ganz bewusst habe sie sich 2005 für den „ganz normalen Wahnsinn“ einer Pfarrstelle beworben: Die intensive Trauerbegleitung gehöre ebenso dazu wie der Umgang mit den unbefangenen Kindern. Die Senioren hätten wiederum ganz andere Erwartungen an ihre Pfarrerin: „Ich habe die Fülle des Gemeindelebens genossen.“

Nicht ohne Stolz berichtet die scheidende Pfarrerin Ristow, dass ihre Gemeinde mit rund 1600 evangelischen Gemeindegliedern zu den wenigen in der Landeskirche mit steigenen Mitgliederzahlen gehöre: „Das liegt an den vielen Zuzügen aus dem Umland. Und das ist überwiegend evangelisch geprägt. Aber ich habe in der Regel auch mehr getauft als beerdigt.“ Im Schnitt seien es rund 20 Beerdigungen im Jahr und 26 Taufen gewesen. Das freut jeden Pfarrer.

Eine besondere Freude für die ganze Gemeinde sei zudem die Anschaffung von drei neuen Glocken für den Kirchturm in der Kasseler Straße gewesen. Die fachlichen Grundlagen für den Austausch der mit 150 Jahren total überalterten Stahlglocken habe ihr verstorbener Ehemann gelegt, ein gelernter Glockensachverständiger.

Dessen Pläne seien vom neuen Kirchenvorstand wieder aus der Schublade geholt und mit einer unvergleichlichen Spendenaktion der ganzen Gemeinde finanziert worden. Die drei neuen Glocken seien harmonisch auf die Glocken der benachbarten katholischen Stadtkirche abgestimmt, so dass bei deren gemeinsamen Geläut ein herrlicher Klangeindruck entstehe. - Zugleich klingender Ausdruck einer funktionierenden Ökumene in Volkmarsen: „Das sieht man auch daran, dass hier seit 35 Jahren ein gemeinsamer Kirchenbrief herausgegeben wird. Die Ökumene funktioniert ganz toll hier.“

Susanna Ristow stammt aus Lübeck, hat in Hamburg und Marburg Theologie studiert, ihr Vikariat in Niedergrenzbach absolviert und ihre erste Pfarrstelle in Sontra innegehabt.

Es folgten 22 Jahre in Bayern: In Bad Gögging hat sie die evangelische Kurkirche aufgebaut. Sie war Klinikseelsorgerin in Straubing und Religionslehrerin. „Mit 50 tickte es in mir, und ich wollte noch einmal als Gemeindepfarrerin arbeiten. So kam ich nach Volkmarsen.“

Nun lässt sich die 61-Jährige von der evangelischen Landeskirche für zwei Jahre beurlauben, um zwei oder drei Jahre von ihrer bescheidenen Witwenrente zu leben, bevor sie dann selber eine Pension bezieht.

Als neuen Wohnsitz hat sich Susanna Ristow die Altstadt von Lüneburg ausgesucht. Hier will sie auch eine Weile als Supervisorin Kirchengemeinden beraten. Vor allem aber möchte sie Zeit für sich und ihre Interessen finden. In den vergangenen Jahren sei sie viel zu selten zum Lesen gekommen. Außerdem wolle sie Konzerte und Ausstellungen besuchen. Als Erstes aber plant sie eine ausgedehnte Reise mit einer ihrer beiden erwachsenen Töchter durch Südamerika.

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