Erster Sonntagsgottesdienst per Live-Stream im Internet

Pfiffige Idee des Bad Arolser Pfarrers: Katholische Kirchengemeinde virtuell vereint

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Katholische Sonntagsmesse im Live-Stream im Internet: Möglich machte das der frühere Messdiener und heutige IT-Experte Cedric Fischer. Am Altar: Pfarrer Peter Heuel und Diakon Michael Thamm.  

In der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist an der Großen Allee in Bad Arolsen wurde wegen der Corona-Krise zum ersten Mal ein Gottesdienst vor leeren Bänken gefeiert und per Live-Stream in alle Welt verbreitet.

Bad Arolsen.  In Krisenzeiten haben sich die Menschen schon immer in den Kirchen versammelt. Wegen der bekannten Ansteckungsgefahr wird aber aktuell dringend von Menschenansammlungen abgeraten.

Doch Peter Heuel, der Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Bad Arolsen hat eine mithilfe moderner Technik einen Weg gefunden, die Gemeinde enger zusammenrücken zu lassen und dennoch den gebührend Sicherheitsabstand zu halten.

Möglich machte dies am  Sonntag erstmals der langjährige Messdiener Cedric Fischer. Der 24-jährige ist inzwischen IT-Experte und hat mit CeFi-Systems sein eigens StartUp-Unternehmen gegründet. So lag es für ihn nahe, die technischen Voraussetzungen für einen Live-Stream aus der katholischen Kirche in der Großen Allee zu schaffen.

Erstmals vor leeren Kirchenbänken

Er verlegte ein paar Meter Kabel, verlinkte die Homepage der Gemeinde mit seinem YouTube-Kanal und ging mit seinem Smartphone der neusten Generation online.

Im Probebetrieb hatte alles prima funktioniert. Als dann am Sonntagmorgen der Live-Stream starten sollte, dauerte es einige Sekunden, bis das Kamerabild auch auf dem Bildschirm erschien. Ein paar Kicks hier, ein paar Klicks da, und dann konnten die Glocken zum Einzug des Pfarrers läuten. Begleitet wurde Pfarrer Heuel von Diakon Michael Thamm. 

Die beiden sind zwar ein eingespieltes Team, haben aber auch noch niemals zuvor vor leeren Kirchenbänken gestanden. Normalerweise ist die katholische Kirche in Bad Arolsen immer gut besucht. Mehr als 200 Gottesdienstbesucher sind sonntags die Regel. Umso größer die Freude zu sehen, dass auch der Live-Stream im Internet von 220 Zuschauern angeschaut wurde.

Augen für das Wesentliche geöffnet

In seiner Predigt ging Pfarrer Heuel naturgemäß auf die aktuelle Corona-Krise ein. Ebenso wie im Evangelium des Tages vom Blinden berichtet wurde, der durch ein Wunder Jesu wieder sehen konnte, sei auch die aktuelle Krise geeignet, den Menschen die Augen zu öffnen.

Dann werde deutlich, wie es um Europa bestellt sei, welche Politiker kreativ an Lösungen arbeiteten und wie zerbrechlich der Mensch doch sei. Ebenso werde sichtbar, wie solidarisch die Gesellschaft sein könne, wenn sich einer für den anderen einsetze.

Am Altar: Pfarrer Peter Heuel und Diakon Michael Thamm.

Als Zeichen des Dankes an alle, die sich für andere aufopferten, entzündete Heuel eine Kerze des Dankes, die er allen Helfern im Pflegedienst, im Gesundheits- und Rettungswesen, allen Mitarbeitern in den Supermärkten und allen Lastwagenfahrern widmete.

Aktuell sehr treffende Schmonzette beim Abschlusssegen 

Musikalisch begleitet wurde die Sonntagsmesse in St. Johannes Baptist von der Organistin Tina Gruß aus Leitmar. Die Schellen zur Wandlung ließ Küster Tadeusz Sarnowski erklingen.

Das sonst übliche Austeilen der Kommunion an die Gemeinde konnte in der leeren Kirche naturgemäß nicht erfolgen. Stattdessen lud Pfarrer Heuel die virtuelle Gemeinde dazu auf, spirituell an der Eucharistie teilzunehmen.

Zum Abschlusssegen gab der humorvolle Gemeindepfarrer auch wieder eine kleine Schmonzette mit auf den Weg: Im Jahr 2052 werde der Tag kommen, an dem so mancher Hamsterkäufer von heute seine letzte Klopapierrolle aufbrauchen werde, die er im Jahr 2020 gekauft habe.

Bildergalerie von der ersten Arolser Live-Stream-Messe aus der katholischen Kirche an der Großen Allee

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