Das Interesse ist riesengroß

Große Pläne für das Hofbrauhaus in Bad Arolsen öffentlich vorgestellt

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Das Hofbrauhaus vor Beginn der Umbauarbeiten: Äußerlich wird sich an diesem Gebäude nicht viel ändern.  

Bad Arolsen.  So groß ist das Interesse an vorgezogenen Bürgerbeteiligungen nur selten: Meistens spricht Norbert Schmidt vom städtischen Fachbereich Stadtentwicklung, Bauen und Immobilien nur vor drei bis fünf Zuhörern, wenn es um die drögen Details von Bebauungsplänen geht.

 Diesmal aber waren mehr als 100 Interessierte am Mittwochabend in den kleinen Saal des Bürgerhauses gekommen, um alles über die künftige Gestaltung des Geländes rund um das Hofbrauhaus zu erfahren.

Seit Hotelkaufmann Alexander Fitz zum Jahresbeginn den Kauf des 12,5 Hektar großen Anwesens rund um Hessens älteste Brauerei bekanntgegeben hat, sind die Arolser gespannt, welche Pläne der erfahrene Gastronom hier umsetzen möchte. Ende Januar ging Fitz mit ersten Details an die Öffentlichkeit. Dabei wurde schon deutlich, wo die größten planerischen Herausforderungen liegen werden, nämlich weniger in den Bereichen Architektur und Denkmalschutz, als im Bereich der Verkehrsplanung.

Eines der erklärten Ziele lautet nämlich, die älteste Privatbrauerei Hessens, die gleichzeitig die drittälteste Brauerei weltweit ist, wieder zu einer Braustätte mit Zukunft zu machen. Und das geht nur am Ort der alten Braustätte und damit am Rande eines bevorzugten Wohngebietes im Altstadtkern von Bad Arolsen.

Gutachten müssen Detailfragen klären

Bürgermeister Jürgen van der Horst warb um Verständnis für das Anliegen: „Hier geht es darum, ein regionales Nischenprodukt mit enormer Strahlkraft auch für den Touristikstandort Arolsen zu bewahren. Und deshalb muss die neue Brauerei da gebaut werden, wo die Tradition liegt.“

Der Rathauschef zeigte sich aber optimistisch: Diese Umgestaltung wird das ganze Quartier aufwerten. Es werde nicht nur Bier gebraut und vermarktet, sondern auch ansprechend präsentiert. Es werde ein Biergarten entstehen, ein Biermuseum und das Gebäudeensemble werde „städtebaulich klug“ saniert.

Im Rahmen des jetzt begonnenen Bebauungsplanverfahrens werden Gutachten zur Verkehrslenkung, zu naturschutzrechtlichen Aspekten und manchen Detailfragen mehr in Auftrag gegeben. Auch betroffene Bürger können Eingaben machen. 

Was wird sich am Hofbrauhaus ändern?

Architektonisches Kernstück des Brauhausareals ist das markante Sandsteingebäude mit Gaststätte, im Erdgeschoss und Hotel im Obergeschoss. Beide Bereiche sollen behutsam modernisiert werden. Die Küche wird in einem rückwärtigen Anbau Platz finden. 

Hier soll auch ein größerer Saal für größere Gesellschaften entstehen. Statt der bisher zwölf Hotelzimmer soll es künftig 24 im Obergeschoss geben, weil dann auch die bisher zu privaten Wohnzwecken genutzten Räume entsprechend umgebaut werden. Das alte Sudhaus mit großen Kupferkesseln soll Teil eines kleinen Biermuseums werden, zu dem auch Teile des alten Kontor hinzukommen. 

Schicker Biergarten mit Teichanlage in Planung 

Hier soll herausgearbeitet werden, dass die Brautradition bis zurück ins Augustinerinnenkloster Aroldessen reicht. Bürgermeister van der Horst: „Nur eine andere Brauerei weltweit kann eine Urkunde von vor 1131 vorweisen.“ Auf dieser Tradition wollen die neuen Braumeister aufbauen. 

Das alte Brauereigebäude zwischen Mannelstraße und Kaulbachstraße wird dazu nicht mehr benötigt. Es wurde in den letzten 100 oder 150 Jahren immer wieder erweitert und umgebaut und lässt sich heute nicht mehr effektiv für einen modernen Braubetrieb nutzen. 

Dieser Gebäudekomplex wird daher abgerissen und Platz machen für eine schicke Parkanlage mit Teich, Biergarten und mehreren kleinen Pavillons. Das Fachwerkgebäude an der Ecke Mannelstraße/ Kaulbachstraße wird derzeit entkernt und soll künftig schicke Ferienwohnungen in Schlossnähe bieten.

Was ist für die künftige Brauerei geplant?

Wirtschaftlicher Dreh- und Angelpunkt des Brauhausprojektes ist der geplante Neubau einer modernen Brauerei mit einem Jahresausstoß von maximal 30 000 Hektolitern Bier. Das entspricht auch der bisherigen Maximalmenge. Künftig soll aber etwa ein drittel dieses Jahresausstoßes an die H-Hotels von Alexander Fitz geliefert werden. 

Das vom Investor beauftragte Planungsbüro Puy und Müntinga hat dazu ein etwa 2000 Quadratmeter großes Areal parallel zur Violinenstraße vorgesehen. Hier sollen Sudhaus, Lager- und Kühltanks sowie die Abfüllanlage für Flaschen und Fässer unter einem gemeinsamen Dach Platz finden und so optimiert angeordnet werden, dass der fabrikmäßige Betrieb mit drei bis vier Personen abzuwickeln ist. 

Architektonische Herausforderung

Um Lärm- und Geruchsemissionen weitestgehend auszuschließen, werden sämtliche Produktionsprozesse abgekapselt unter Dach stattfinden. Planer Jürgen Schimmelpfeng empfindet es als architektonische Herausforderung, alles so zu gestalten, dass der Neubau auch als ansehnlich schön empfunden wird. Vom Saal des Brauhaushotels ist sogar eine Panoramaansicht auf das Brauhaus geplant, damit der Brauprozess als Attraktion wahrgenommen werden kann. 

Der Neubau am tiefsten Punkt der Umgebung werde voraussichtlich sieben Meter aus dem Erdreich herausragen und mit Backsteinoptik ausgeführt. Noch offen ist die genaue Position der Hallentore für die Anlieferung des Malzes, die Abfuhr des Tresters und für die An- und Ablieferung an der Abfüllanlage. 

Herausforderung für die  Verkehrsplanung

Insgesamt werde aber mit 38 Fahrten von maximal 20 Tonnen schweren Lastwagen am Tag gerechnet. Geprüft werde ein Einbahnstraßen-Regelung zwischen Mannelstraße, Helisosteig, Violinenstraße und Mannelstraße. Busse würden schon im Bereich des Schlossvorplatzes abgefangen. Außerdem wird mit bis zu 350 Pkw-Fahrten gerechnet. Für die Hotel- und Restaurantgäste werden auf dem Gaststättengelände rund 60 Parkplätze geschaffen.

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