Corona-Epidemie breitet sich aus

Plötzlich muss Bad Arolserin aus Australien fort  

Zusammen mit einer Freundin genießt Hannah (links) Anfang Februar noch unbeschwert das australische Strandleben.

Bad Arolsen – Fröhlich ging Hannah Langemeier Anfang Februar auf große Reise. Sie freute sich auf das Wiedersehen mit ihrer Austauschfamilie vom vergangenen Jahr und Städtetrips und Touren in Australien.

„Reisen war ja noch selbstverständlich und Corona weit weg in China. Ich habe mich noch gewundert, als mich bei dem Zwischenaufenthalt in Taipeh eine Dame sehr besorgt fragte, ob ich sicher sei, kein Corona zu haben“, erinnert sich die Bad Arolserin.

Corona: Bedenken verflogen

Bei der Landung in Australien waren alle aufkeimenden Bedenken sofort verflogen. Der Flughafen von Sidney war genauso betriebsam wie die 19-Jährige ihn bei ihrem ersten Besuch auf dem Kontinent erlebt hatte. Die Sicherheitsvorkehrungen und Einreisebestimmung so streng, wie man es von Australien schon immer kennt. Auffallend war nur, dass ein Flug aus Honkong sehr streng kontrolliert wurde.

Die australische Regierung hatte ihr Einreiseverbot für Menschen, die sich in der Provinz Hubei aufgehalten hatten, am 1. Februar verschärft. Es galt nun auch für ganz China und Nicht-Australier, die zuvor in China waren. Wegen der Nähe zu China und der großen chinesisch-australischen Bevölkerung war das Land eines der ersten, das frühzeitig Fälle des neuartigen Coronavirus entdeckte. Bis dahin waren zehn Coronavirus-Infektionen in Australien bekannt.

Corona-Epidemie weit weg

„Ich hatte nicht das Gefühl, dass es so schlimm werden könnte“, sagt Hannah . „Ich habe zunächst fünf Tage jeweils in Sydney, Canberra und Melbourne verbracht. Auf dieser Route, die gut über 1000 Kilometer lang ist, habe ich entlang der Küste viele tolle Orte, Strände, Nationalparks und natürlich die berühmten Kängurus gesehen. Das Coronavirus war weit weg.“

In Perth besuchte die Arolserin ihre ehemalige Gastfamilie. Das Wiedersehen war herzlich und unbeschwert. „Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass man in Australien positiv denkt. Bei Problemen heißt es häufig ‚Alles wird gut’.“ – Diese Haltung bewahrte sich Australien deutlich länger als Europa. Während die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland stetig nach oben kletterte, wähnte sich die große Insel auf der Südhalbkugel noch in relativer Sicherheit.

Corona: Auf einmal war Schluss

„Irgendwie waren die Nachrichten aus Bad Arolsen am anderen Ende der Welt nicht wirklich real. Dann ging aber alles sehr schnell“, schildert Hannah „Am 21. März startete noch meine 14-tägige Overland-Tour von Perth nach Broome. Aber schon nach dem zweiten Tag war sie in Kalbarri zu Ende.“

Wiedersehensfreude: Endlich wieder zuhause bei Familie und Hund.

Nachdem die Regierung alle Australier zur Rückkehr in ihre Heimat aufgefordert hatte, gab es einen Zustrom von importierten Corona-Fällen. Die Ausbreitung des Virus beschleunigte sich im März deutlich. Scott Morrison, der australische Ministerpräsident, verkündete strikte Maßnahmen zur Eindämmung des Virus: Reisen innerhalb Australiens waren nur noch begrenzt gestattet.

Corona: Nichts wie weg

„Als klar war, dass wir umkehren mussten, dachte ich sofort: Du musst raus! Ich habe versucht mit meinen Eltern in Deutschland Kontakt aufzunehmen, aber das war wegen der schlechten Netzverbindungen im Outback schwierig. Mir wurde wirklich mulmig.“ Als dann auch noch die Gasteltern sie bis zu einem neuen Rückflug nicht mehr aufnehmen wollten, da sie mit zu vielen internationalen Gästen zusammen gewesen sei, der vorgesehene Rückflug für den 4. April inzwischen gecancelt war und die Maßnahmen im Land immer strikter wurden, fühlte sich Hannah sehr allein.

„Australien hat vielleicht später mit Einschränkungen begonnen, setzte sie aber sehr viel schneller durch als in Deutschland. Es waren noch ein paar Leute aus der Reisegruppe mit mir unterwegs und wir haben schließlich noch Zimmer in einem Hostel gefunden“, berichtet die 19-Jährige von ihrer Odyssee. „Vor allem die Ungewissheit, wann und ob ich wieder nach Hause kann, war schlimm. Die Sorge meiner Eltern hat mich auch ein bisschen angesteckt. Sie haben nach vielen Telefonaten einen anderen Flug gefunden.“

Corona: Glück im Unglück

Hannah hatte Glück: Unter den beiden letzten Flügen, die nicht gecancelt wurden, war auch ihre Flugnummer dabei. Am 24. März startete sie von Perth in Richtung Heimat und landete müde, aber glücklich in Frankfurt.

„Ich bin so froh wieder hier in Bad Arolsen zu sein. Ich habe mich selbst isoliert. Das alles ist schon sehr unheimlich. Man weiß ja auch nicht was es wirklich am Ende bedeutet. 2020, das Coronajahr, wird sicher niemand mehr vergessen. Ich wünsche sehr, dass es aufhört.“

Von Barbara Liese

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