Erster Stadtrat erinnert an Untaten der Arolser SS

Pogromnacht hatte in Arolsen Generalprobe

Kranzniederlegung auf dem jüdischen Friedhof.
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Kranzniederlegung auf dem jüdischen Friedhof durch den Ersten Stadtrat Udo Jost (rechts) und den Stadtverordnetenvorsteher Marko Lambion.

Bei einer würdevollen Gedenkveranstaltung auf dem jüdischen Friedhof haben am Montagnachmittag rund 50 Bürgerinnen und Bürger an die Arolser Mitbürger jüdischen Glaubens erinnert, die am 8. November 1938 von einem nationalsozialistischen Mob aus SS- und SA-Männern und bis dahin harmlosen Nachbarn drangsaliert, geschlagen und beraubt wurden.

Bad Arolsen - Die Gedenkfeier wurde diesmal von Schülerinnen und Schülern der Kaulbachschule unter Leitung von Ethiklehrerin Malgorzata Jordan und Musiklehrer Jörg Pfeil gestaltet. Ebenfalls anwesend waren Abordnungen der Christian-Rauch-Schule, der Karl-Preising-Schule und der Heinrich-Lüttecke-Schule sowie Kommunalpolitiker und Kirchenvertreter.

Erster Stadtrat Udo Jost umriss in seiner Gedenkansprache die gewaltigen Dimensionen der Judenverfolgung in Nazi-Deutschland. Die Pogromnacht, bei der im gesamten Deutschen Reich mehr als 1400 Synagogen ausbrannten, Wohnhäuser und Geschäfte geplündert und verwüstet wurden, sei zwei Tage zuvor von Arolser SS-Leuten in Zierenberg und einen Tag zuvor in Arolsen und Mengeringhausen ausgetestet worden.

Nur wenige zeigten Zivilcourage

Polizei und Feuerwehr seien angewiesen worden, nicht einzuschreiten. Dieses ungeheuerliche Vorgehen sei von der deutschen Mehrheitsbevölkerung zumindest geduldet worden. Nur wenige hätten Zivilcourage gezeigt und ihren jüdischen Nachbarn Unterschlupf gewährt.

Steinritual zum Ende der Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof.

Die Pogromnacht sei aber erst der Auftakt für die systematische Verfolgung und Vernichtung gewesen, die nach dem Angriff auf Polen begonnen habe. Bis zum Kriegsende seien rund sechs Millionen europäische Juden systematisch von den Nationalsozialisten in Lager verschleppt und ermordet worden.

Entschieden gegen Fremdenhass und Antisemitismus

Nach dem Krieg hätten aufrechte Demokraten gehofft, dass sich so ein Unrechtsregime in Deutschland nicht wiederholen werde.

Jost erklärte, dass er nun umso mehr enttäuscht und erschrocken darüber sei, dass eine Partei im Bundestag sitze, deren Abgeordnete behaupteten, der Mord an den europäischen Juden sei nur ein „Fliegenschiss der Geschichte“ gewesen. Deshalb rief Jost dazu auf, jedem Aufkeimen von Fremdenhass und Antisemitismus deutlich entgegenzutreten.

Arolsen Archives veranstalten „Lange Nacht des digitalen Denkmals“

Den Schülern auf dem jüdischen Friedhof rief der Stellvertreter des Bürgermeisters zu: „Und wenn jemand das Wort Jude als Schimpfwort verwendet, dann müsst auch ihr entschieden widersprechen. Auch wenn eure Freunde so etwas sagen.“

Das Opferarchiv Arolsen Archives hat für die heutige „Lange Nacht des digitalen Denkmals“ dazu aufgerufen, bei der Aktion #everynamecounts mitzumachen. Das „Virtual Open Archive“ gibt außerdem von 17.30 Uhr bis 21 Uhr interessante Einblicke in die Arbeit des Archivs.

Den Link zur Anmeldung und weitere Informationen gibt es im Internet unter: www.arolsen-archives.org/news (Elmar Schulten)

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