Heimische Soldaten treffen in Afghanistan mit Joachim Gauck zusammen

Mit dem Präsidenten im Gespräch

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Hauptmann Gerd Frese (l.) von der EloKa-Truppe Frankenberg und Oberstabsfeldwebel Lutz Nebel mit Bundespräsident Joachim Gauck in Afghanistan.

Bad Arolsen / Mazar-e Sharif. - Bei seinem ersten Truppenbesuch kam Bundespräsident Gauck in Afghanistan auch mit heimischen Soldaten ins Gespräch.

Im Rahmen seines am Montag begonnenen Besuches nahm sich Bundespräsident Joachim Gauck auch die Zeit, mit den Soldaten im Einsatz ins Gespräch zu kommen. Hauptmann Gerd Frese und Oberstabsfeldwebel Lutz Nebel (beide aus Bad Arolsen) nahmen im Rahmen eines Empfangs die Gelegenheit wahr, ein paar Worte mit dem Staatsoberhaupt zu wechseln.

Bundespräsident Gauck, der von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt und dem Generalinspekteur Volker Wieker begleitet wurde, äußerte sich den Soldaten gegenüber mit vorsichtigem Optimismus. Er stellte ohne Umschweife fest, dass in vielen Teilen des Landes immer noch kriegsähnliche Zustände herrschen. Aber er warnte ebenso vor Schwarzmalerei wie auch vor einem Schönfärben der Situation. Es gebe auch Erfolge, die Erwähnung finden sollten, und er betonte, dass dem Land auch in den nächsten Jahren von deutscher Seite geholfen werde. Vor dem Plenum stellte er die Forderung auf: „In Deutschland muss ehrlich über den Einsatz gesprochen werden.“

Sicherheitslage oft instabil

Die Realitäten in dem seit mehr als 30 Jahren vom Krieg geprägten Land sind den beiden Bad Arolser Soldaten bestens bekannt. Jeder der beiden war bereits mehrfach am Hindukusch im Einsatz. Schon einige Male waren sie dabei gemeinsam unterwegs. Zusammengezählt können sie auf weit über drei Jahre Auslandserfahrung allein in Afghanistan und weitere zwei Jahre in Bosnien verweisen.

Die Einschätzung des Bundespräsidenten können beide bestätigen. Auch wenn eine Reihe von Provinzen des Landes in die Verantwortung der afghanischen Regierung übergegangen ist, kann man nicht wirklich von befriedeten Landesteilen sprechen.

Zu groß sind die widersprüchlichen Interessen der jeweils vor Ort agierenden Akteure, zu gering ist die Durchsetzungsfähigkeit der neu aufgestellten Sicherheitskräfte, wie die Soldaten berichten. Oft sei es aufgrund von Willkür und Korruption unklar, wer von beiden bei der Bevölkerung als die größere Bedrohung angesehen werde. Konflikte und Ansprüche würden weiterhin mit der Waffe geregelt und die Machtstrukturen blieben zerbrechlich. In einem solchen Klima sei es nicht einfach, Erfolge in Sachen Demokratie und Menschenrechte zu erzielen. Daher müsse in kleinen Schritten gedacht werden. Joachim Gauck fordert, auch die bisher erzielten Erfolge müssten deutlich gemacht werden. Sehr angetan, so berichten beide, waren Lutz Nebel und Gerd Frese von der herzlichen und sympathischen Art des Bundespräsidenten. Ohne Berührungsängste suchte er offen und interessiert mit den Soldaten das Gespräch.

Während der präsidiale Besuch diese Woche endet, werden die beiden Kameraden die Weihnachtszeit im Einsatz verleben. Als überzeugte Wal­decker grüßen sie auf diesem Wege ihre Heimat, Angehörige, Freunde und Vereinskameraden und wünschen aus der Ferne ein schönes Fest sowie einen gelungenen Jahreswechsel. Sie selbst werden nach jetziger Planung Mitte Januar in die Heimat verlegt und zu ihren Familien zurückkehren. (r)

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