Kriminelle Strukturen im Graubereich

Prostitution im Waldecker Land: In der Grauzone

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Razzia nicht weit vom schiefen Kirchturm in Mengeringhausen: Bei der bisher größten Razzia der Bundespolizei bundesweit wurde Mitte April auch ein Objekt an der Landstraße durchsucht, in dem Räumlichkeiten für die Prostitution genutzt werden. Festgenommen wurde niemand.

Bad Arolsen. Die WLZ-Reportage über den Sauna-Club mit Bordellbetrieb in Bredelar und über die Prostitution im Landkreis Waldeck-Frankenberg ist auf breites Interesse gestoßen, wie die zahlreichen Leserreaktionen beweisen.

Der Hintergrund: Seit mehr als einem Jahr gilt bundesweit das Prostituiertenschutzgesetz. Bei den Städten und Gemeinden oder dem Landkreis müssen sich demnach alle melden, die sich prostituieren oder ein Bordell betreiben. Im  Landkreis sind offiziell nur vier Sexarbeiterinnen gemeldet und drei Prostitutionsstätten.

In Bad Arolsen fragen sich aufmerksame Leser, wie es denn sein könne, dass im Rathaus keine Prostituierten gemeldet seien, wo doch regelmäßig eindeutige Inserate mit Arolser Telefonnummern in der Zeitung nachzulesen seien.

Ähnliche Inserate erscheinen mit Bad Wildunger und Frankenberger Vorwahlen. „Offenbar nehmen es da einige Damen mit der gesetzlichen Meldepflicht nicht so genau“, so eine Leserzuschrift.

Prostitution in Waldeck-Frankenberg: "Ausländerrechtliche Grauzone"

Bürgermeister Jürgen van der Horst zeigte sich im Gespräch mit der WLZ wenig überrascht: „Die Strukturen der Szene sind bekannt.“ Vieles bewege sich in einer ausländerrechtlichen Grauzone mit Prostituierten aus Osteuropa. Van der Horst: „Da sucht keine den Kontakt mit den Behörden.“

Der Personenkreis sei sehr mobil und wechsle häufig die Einsatzorte. Oftmals würden den jungen Frauen die Ausweispapiere abgenommen und enormer psychischer Druck ausgeübt. Wer da aus den Abhängigkeitsverhältnissen ausbrechen wolle, der müsse damit rechnen, dass seine Familie in Rumänien, Weißrussland oder in der Ukraine darunter leide.

Das sei kein neuer Trend, so van der Horst, sondern seit vielen Jahren behördlich bekannt. Die relativ neue gesetzliche Auflage, wonach sich Prostituierte bei den Ordnungsämtern anzumelden hätten, sei zwar gut gemeint, gehe aber an der Realität vorbei. Die Stadt sei regelmäßig mit der Polizei in Kontakt, könne aber letztlich nicht viel ausrichten, so der Bürgermeister.

Bei Razzia in Mengeringhausen Haus durchsucht

Erst Mitte April hat die Bundespolizei bei einer bundesweiten Großrazzia in der Rotlicht-Szene – darunter auch in Mengeringhausen – mehr als 100 Personen vorläufig festgenommen.

Die Beamten durchsuchten demnach 62 Bordelle, Wohnungen oder Büros. Schwerpunkte der Aktionen waren Nordrhein-Westfalen mit 17 durchsuchten Einrichtungen, Hessen (zehn), Niedersachsen und Baden-Württemberg (je neun). Im Fokus der Beamten standen unter anderem Menschenhandel, Zuhälterei und Zwangsprostitution von Thailänderinnen.

Hauptverdächtige waren damals nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft neben einer 59-Jährigen aus Thailand auch ihr 62 Jahre alter deutscher Lebensgefährte. Nach Angaben der Bundespolizei wohnt die Frau in Siegen. Das Paar soll gemeinsam mit weiteren Mittätern ein bundesweites Netzwerk aufgebaut haben, um thailändische Frauen und Transsexuelle nach Deutschland zu schleusen und als Prostituierte arbeiten zu lassen.

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