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Rainer Böttcher blickt zurück: Musik, die klingt und gelingt

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Von: Elmar Schulten

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Buchpräsentation: Bernd Zaloga vom Ehemaligenverein und Rainer W. Böttcher (rechts) mit dem Buch „Klingende Schule“ über den CRS-Musikunterricht.
Buchpräsentation: Bernd Zaloga vom Ehemaligenverein und Rainer W. Böttcher (rechts) mit dem Buch „Klingende Schule“ über den CRS-Musikunterricht. © Elmar Schulten

Unter dem Titel „Klingende Schule - Wege, Chancen, Perspektiven“ hat der langjährige CRS-Musiklehrer Rainer W. Böttcher ein 230 Seiten umfassendes Buch über die musikalische Arbeit an der Christian-Rauch-Schule und die vielfältigen Auswirkungen dieser Bemühungen auf das Musikleben in der Stadt veröffentlicht.

Bad Arolsen - Die reichlich bebilderte Dokumentation ist sowohl als Handreichung für angehende Musiklehrer mit zahlreichen Anregungen für einen zündenden Musikunterricht gedacht als auch als wertvolles Erinnerungsstück für ehemalige Schüler und Lehrer.

Schließlich geht Böttcher auch auf die vielen einzigartigen Konzertreisen der CRS-Ensembles ein, als auch auf die unvergessenen Jugendbegegnungen bei den Internationalen Jugendmusikfestivals. Das Zusammentreffen der vielen jungen Musikschaffenden aus aller Herren Länder in Bad Arolsen war ein wertvoller Beitrag zur Völkerverständigung.

Ein Produkt des Corona-Lockdowns

Als Herausgeber des Buches tritt der Ehemaligenverein der Schule auf. Dessen Vorsitzender Bernd Zaloga weist darauf hin, dass der Verein über Jahrzehnte viele Projekte der Fachschaft Musik an der Schule unterstützt habe. Das neue Buch von Rainer Böttcher schaffe Identität und Verbundenheit über die Schulzeit hinaus.

Der Autor bezeichnet sein Werk als ein „Coronaprodukt“. Als Musiker sei er ja in den Lockdowns zur Untätigkeit verdammt gewesen. Dabei habe er doch eigentlich nach seiner Pensionierung im Januar 2020 viel reisen und Konzerte geben wollen.

Anfänge reichen in die 50er Jahre zurück

Dann aber sei die weltweite Generalpause ausgerufen worden. Nach einem Jahr der Untätigkeit habe er im Februar 2021 aufzuschreiben, was man machen kann, damit sich der Musikunterricht an einer Schule möglichst breit und bunt entwickeln kann. Dazu gehörten Kooperationen mit der Musikschule und anderen Schulen wie im Fall der CRS mit der Edertalschule in Frankenberg.

Dietrich Krüger kam 1955 als Musiklehrer an die Christian-Rauch-Schule in Bad Arolsen.
Dietrich Krüger kam 1955 als Musiklehrer an die Christian-Rauch-Schule in Bad Arolsen. © privat

Böttchers Chronik des Musikschaffens an der Christian Rauch-Schule beginnt bei Dietrich Krüger, einem Musiklehrer, der 1955 der DDR den Rücken gekehrt und das Arolser Gymnasium aus dem musikalischen Dornröschenschlaf erweckt habe. Anlass für die Übersiedlung von Ost nach West sei Krügers Degradierung gewesen, nachdem er sich geweigert habe, eine Huldigungskantate für den Diktator Stalin aufzuführen.

Zahlreiche Rundfunkaufnahmen

In Arolsen habe Krüger den bis dahin üblichen, erzählenden Musikunterricht in einen handlungsorientierten Unterricht gewandelt, in dem die Schüler selber zum Musizieren aufgefordert werden.

Von Anfang an habe Krüger nach einer Erweiterung der musikalischen Möglichkeiten der Schule gesucht und die Leitung der neugegründeten Chorvereinigung des Volksbildungsrings, des Kirchenchors Helsen und des Kammerchors Korbach-Arolsen übernommen. Gewürdigt wurden ihre gemeinsamen Erfolge mit mehreren Rundfunkaufnahmen des Hessischen Rundfunks.

Rock und Pop ziehen in den Musikunterricht ein

Nach Krügers Pensionierung kamen die Chor- und Instrumentalgruppen fast völlig zum Erliegen. Die Chronik zum 150-jährigen Schuljubiläums vermerkt dazu: Die letzten Jahre der Ära Krüger waren geprägt durch dramatische Veränderungen in der Musikpädagogik und Musikdidaktik.“

Als Reaktion auf die neue Rock- und Pop-Musikkultur wandelte sich auch der Musikunterricht. Als Referendar studierte der spätere Musikprofessor Friedhelm Brusniak mit seinen Schülern die von ihm selber komponierte Rock-Oper „Ego“ ein.

Ein Team von jungen Musiklehrern

Böttcher. „Den Bemühungen von Musikkollegin und Geigerin Ulrike Schmidt war es zu verdanken, dass Brusniak wieder eine kleine Chor- und Instrumentalgruppe vorfand, von denen Impulse zur Aktivierung des Musiklebens ausgehen konnten.“

1981 kam Rainer W. Böttcher an die Christian Rauch Schule und traf hier auf ein gut bestelltes Feld: In seinem Rückblick war es eine äußerst glückliche Konstellation, dass er mit vielen gleichgesinnten, jungen Musiklehrern eine Fachschaft vorgefunden habe, mit der sich ein moderner Musikunterricht habe umsetzen lassen.

So seien viele Projekte entstanden, die auf die ganze Stadt und sogar auf eine weite Region ausgestrahlt hätten. Als Beispiel nennt Böttcher die von ihm, Brusniak und dem städtischen Bauamtsleiter angeschobenen Barockfestspiele, die von Anfang auch einen pädagogischen Ansatz gehabt hätten.

Mit Musik schon viele Herzen erobert

Breiten Raum nehmen in Böttchers Buch über die Schulmusik an der Christian Rauch Schule die vielen Konzertreisen ein.

Zu den beeindruckendsten Erlebnissen gehörte wahrscheinlich die Beteiligung von Großem Chor und Kammerchor am Sängerfest Laulupidu 2007 in Estland. Hier trafen sich 700 Chöre mit 40.000 Chorsängerinnen und Chorsängern sowie 1800 Instrumentalisten und 7000 Tänzern.

Musiklehrer und Dirigent Rainer W. Böttcher bei einem Konzert in der Stadthalle Mengeringhausen.
Musiklehrer und Dirigent Rainer W. Böttcher bei einem Konzert in der Stadthalle Mengeringhausen. © Elmar Schulten

Zusammenfassend stellt Böttcher fest: „Klingende Produkte zu erarbeiten und deren Präsentation in nationale oder gar internationale Kontexte zu stellen, lässt die beteiligten Schüler wertvolle und lebenslang prägende Erfahrungen sammeln. Konzerte in der palästinensischen Bir-Zait-Universität in Ramallah, in der Erlöserkirche in Jerusalem, vor 500 Rekruten der Roten Armee in Sibirien, vor über 1000 Mexikanern in Cholula, in der amerikanischen Bundeshauptstadt Washington, in einer voll besetzten italienischen Kathedrale oder vor 100 000 Zuhörern auf dem Sängerfest Laulupidu in Estland dringen in der sie flankierenden Kommunikation in Bereiche vor, die von kaum einem anderen Schulfach erreicht werden können.“

Solche Erlebnisse prägen mehr als der reguläre Unterricht

Die Schulpartnerschaft mit der Edertalschule, die Städtepartnerschaft mit Hermann in Missouri, die Länderpartnerschaft mit Wisconsin und der Emilia Romagna in Italien hätten viele wertvolle Impulse gegeben.

So hätten die Schüler so manche große Konzerttournee, schöne Auftritte bei den Barockfestspielen und internationale Begegnungen bei den Jugendmusikfestivals erleben können.

„Solche Begegnungen bleiben mehr in Erinnerung eines Schülers als jede noch so gute Englischstunde“, bekräftigt auch Lehrerkollege Bernd Zaloga. (Elmar Schulten)

Das Buch „Klingende Schule“, von Rainer W. Böttcher, ISBN 978-3-8313-3401-8 ist zum Preis von 20 Euro im Schulsekretariat und in Hannes Bioladen erhältlich, außerdem in den Buchläden Kirstein und Flemming, sowie im städtischen Gäste-Service im Bürgerhaus.

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