Bad Arolsen

Rauchmedaille für Prof. Dr. Gottfried Kiesow

- Bad Arolsen (-es-). Der frühere Prädisent des Landesamts für Denkmalpflege, Professor Dr. Gottfried Kiesow ist mit der Rauchmedaille, der höchsten Auszeichnung der Stadt Bad Arolsen geehrt worden. Bürgermeister Jürgen van der Horst überreichte die Medaille mit Urkunde im Rahmen der Abschlussveranstaltung nach 24 Jahren Schlosssanierung.

In seiner Laudatio ging Landrat und Bürgermeister a.D. Dr. Günter Welteke auf Kiesows Einsatz für die Sanierung des Neuen Schlosses, heute Tinnitus-Klinik in der Großen Allee, und das Schreiber'sche Haus mit seinem als Nationales Denkmal anerkannten Festsaal ein. „Das war eine konzertierte Aktion wie es sie nur selten gibt“, fasste Wittekind Fürst zu Waldeck und Pyrmont seine Eindrücke von der Schlosssanierung zusammen. Seine Familie habe gerne auf den Nießbrauch am Marstall, den Bibliotheks- und den Ausstellungsräumen sowie am Gelände am Vorhof verzichtet, weil auf diese Weise ein bestmögliche Nutzung und Erhaltung der Gebäude möglich sei. Ausdrücklich dankte er für das gute menschliche Miteinander der vielen Beteiligten in 24 Jahren Großbaustelle Residenzschloss. Der Leitende Verwaltungsdirektor der Waldeckischen Domanialverwaltung, Rolf Kaufmann, gab einen ausführlichen Überblick über die juristischen und baulichen Zusammenhänge der Sanierung sowie über den Status der waldeckischen Domanialverwaltung, die als Verwalterin des ehemaligen waldeckischen Staatsvermögens unter anderem für die Erhaltung von fünf Schlössern zuständig ist. Das Residenzschloss stand in Teilen kurz vor dem Einsturz, als vor 25 Jahren die Weichen für die grundlegende Sanierung des barocken Prachtbaus gelegt wurden. Über zweieinhalb Jahrhunderte hatte der Zahn der Zeit an den dicken Eichenbalken genagt, die die mit Stuck verzierten Decken halten und das Dach tragen. Der für Mauern verwendete Sandstein hatte Feuchtigkeit gesogen und damit den Fäulnisprozess in den aufliegenden Balken gefördert. So kam es, dass von der Harten Waldecker Eiche an statisch wichtigen Stellen nur noch Torf übrig geblieben war. Vom damaligen Leiter der Waldeckischen Domanialverwaltung, Werner Friedrich auf das Problem aufmerksam gemachte Chef des Landesamtes für Denkmalpflege, Professor Dr. Gottfried Kiesow beauftragte das Staatsbauamt mit einer Untersuchung, die die schlimmsten Befürchtungen bestätigte. Kiesow gelang es damals, die zuständigen Ministerien in Wiesbaden und Bonn zu überzeugen, dass das „bedeutendste Schloss des Barock in Hessen und zugleich eine der bedeutendsten Schlossanlagen in Deutschland“ in einer gemeinsamen Kraftanstrengung gerettet werden müsse. Vereinbart wurde zunächst eine Drittellösung, bei der sich Bund, Land und Waldeckische Domanialverwaltung die Kosten teilen sollten. Der Bund schied nach 16 Jahren und 3,3 Millionen Euro aus der Förderung aus. Dafür wurde über eine höchstrichterliche Entscheidung das Land Niedersachsen als Rechtsnachfolger des ehemaligen waldeckischen Landesteils Pyrmont mit ins Boot geholt. Am Ende wurden 20,8 Millionen Euro aufgewandt, davon acht Millionen vom Land Hessen, 7,7 Millionen von der Domanialverwaltung, 890 000 Euro vom Land Niedersachsen, 530 000 Euro von der Stadt Pyrmont und 340 000 von der Stiftung des Fürstlichen Hauses, die das Nießbrauchrecht am Schloss hält. Dass Denkmalpflege nicht nur Geld kostet, sondern auch einen unschätzbaren Wert für die Kulturpflege, Stadtgestaltung und die Identität einer Region bedeutete, unterstrichen beim Abschlussfestakt im Steinernen Saal die Abteilungsleiterin beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Ministerialdirektorin Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel, Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke und Erster Kreisbeigeordneter Peter Niederstraßer als Vertreter der größten Geldgeber für die Sanierung. Das Geld sei nicht nur deshalb gut angelegt, weil bei der Sanierung die Handwerker der Region Aufträge erhalten hätten. Ebenso wichtig sei die Bedeutung des Residenzschlosses für den Fremdenverkehr. Die regelmäßigen Ausstellungen, die hier seit 20 Jahren stattfinden, die Bibliotheken mit ihren literarischen Schätzen sowie die Schlosskonzerte seien Pfunde, mit denen die ganze Region wuchern könne. Nicht zuletzt bilde das Schloss den festlichen rahmen für die Barock-Festspiele mit ihrer großen Ausstrahlung weit über die Region hinaus. Das Schloss könne je nach Sichtweise unterschiedliche Bedeutung haben, stellte Erster Kreisbeigeordneter Peter Niederstraßer fest: „Es ist ein hervorragendes Zeugnis barocker Baukunst, ein Beispiel absolutistischer Macht oder gar ein Symbol für Unterdrückung und Ausbeutung.“ Aus den Quellen werde aber auch deutlich, dass der später gefürstete Graf Anton Ulrich bei seinen Reisen durch Europa erfahren habe, wie eine prunkvolle Residenz zur inneren Einigung eines Landes, seiner Grafschaft beitragen könne. Das wiederum sei so gut gelungen, dass das Arolser Residenzschloss bis heute eine Identität stiftende und integrative Funktion im Waldecker Land erfülle.

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Fotos vom Festakt und von der Sanierugnsphase finden Sie in dieser Bildergalerie.

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