Sonderausstellung im Spielzeugmuseum Massenhausen

Sammelinstinkt fürs Marketing

Michael Kelm präsentiert die neue Sonderausstellung „Zugabe“ im Spielzeugmuseum Massenhausen. Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen-Massenhausen - Zugabe! - So lautet der Titel der neuen Sonderausstellung, die am Sonntag im Spielzeugmuseum in Massenhausen eröffnet wird.

Anders als der Titel vermuten lassen könnte, geht es bei der Ausstellung nicht um eine Zugabe, die Künstler nach einem gelungenen Bühnenauftritt ihrem jubelnden Publikum gewähren, sondern um Draufgaben von Händlern und Markenherstellern an ihre Kunden.

Raffinierte Werbestrategie

Was oft als kleines, unverbindliches Geschenk daherkommt, ist in Wahrheit meist der perfide Versuch, über den Urinstinkt der Jäger und Sammler Markenbindung zu schaffen und zusätzliche Kaufanreize zu geben. Zielgruppe waren ursprünglich die Kinder der Kunden, die mit Sammelbildern angesprochen wurden. Aber auch Erwachsene sind für für kleine Geschenke und nette Sammlerstücke empfänglich.

Keine moderne Erfindung

Michael Kelm sammelt seit seiner Kindheit alles, was ihm in die Finger kommt. Und das waren in den 60er-Jahren Margarine-Figuren und Sammelbilder für die jeweils passenden Themenalben: Zootiere, Cowboys, Indianer, Pokemon-Figuren werden bis heute gesammelt und getauscht.

Angefangen hat alles zu Ende des 19. Jahrhunderts. Um 1845 ließ der Kölner Schokoladenfabrikant Franz Stollwerk Sammelbilder in seine Schokoladentafeln einwickeln. Hersteller wie Justus Liebig mit seinen Fleischextrakten zogen nach und das Bildersammeln wurde schlagartig populär.

Die Massenhäuser Ausstellung zeigt ein Palmin-Abum, ein Album mit Reklamemarken, eines mit Bildern von der Olympiade 1936, bezeichnenderweise vom Cigaretten-Bilderdienst, sowie Ansichten aus den deutschen Kolonien. In den 30er-Jahren sammelten Jungen Wehrmachtsbilder, Mädchen Anstecknadeln vom Winterhilfsdienst.

In den 50er-Jahren kamen die Margarine-Figuren auf. Michael Kelm hat sie eingeteilt in Themengebiete: Wild, Forst, Sport, Zootiere, Landwirtschaft und Krippenfiguren. In den 60er-Jahren kamen die ersten Fußball-Sammelbilder auf. Tankstellen vergaben Münzen oder Matchbox-Autos. Bei Aral gab es Oldtimer-Kunstdrucke.

Beckenbauer-Löffel

In den 80er-Jahren kam Ferrero auf die Idee mit den Überraschungseiern. Seitdem sind Ü-Ei-Figuren bei Sammlern der Renner. McDonald‘s packt Spielzeug in die Juniortüten. Ganz aktuell gibt es bei Rewe und Edeka wieder Sammelbilder mit den dazugehörigen Alben.

In Massenhausen sind auch Kuriositäten wie ein Franz-Beckenbauer-Löffel von Knorr mit Autogrammgravur zu sehen, außerdem ein Bärenmarken-Teddy zum Kuscheln und ein kleiner Sarotti-Mohr. Ebenfalls zum Schmunzeln die Zugaben in Form biegsamer Schallplatten. Die gab es von Persil, Coca und Pepsi-Cola und sogar vom Kölner Duftwasser 4711.

Die Sonderausstellung im Massenhäuser Spielzeugmuseum ist ab Sonntag ein Jahr lang zu den Öffnungszeiten zu bestaunen: mittwochs und sonntags von 14 bis 16 Uhr. Jeden Sonntag ist das Café Deelentreff im Hof Meier geöffnet. Gruppen können jederzeit unter Telefon 05691/627875 Kaffeetafeln bestellen.

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