Mehraufwand für statische Sicherung des Renaissancebauwerkes

Sanierung von Schloss Rhoden verteuert sich

Diemelstadt-Rhoden - Kostspielige Überraschungen bei der Sanierung des Schlosses in Rhoden: 1,3 Millionen Euro müssen für die Sicherung der Statik zusätzlich ausgegeben werden.

Diemelstadt - Rhoden. „Wir haben Erfahrungen mit historischen Gebäuden“, sagte gestern Rolf Kaufmann, Direktor der Waldeckischen Domanialverwaltung. Der Eigenbetrieb des Kreises ist Eigentümer unter anderem der Schlösser Waldeck und Bad Arolsen, und da haben die Sanierungsarbeiten schon manche Überraschungen geboten, wie gestern beim Ortstermin von Landrat Dr. Reinhard Kubat mit Vertretern der Domanialverwaltung, des Architekturbüros Müntinga und Puy und der Energie Waldeck-Frankenberg erklärt wurde. Hinter Decken und Wandverkleidungen seien drei gravierende Mängel aufgetaucht, wie Architekt Arno Puy berichtete. Das zum Hof hin vermutlich vor 200 Jahren angebaute Dach ist im Bereich von Balken und Sparren schwer beschädigt und muss erneuert werden. Dabei soll die damals eingezogene Dachschräge beseitigt und das ursprüngliche Raumangebot wiederhergestellt werden. Der Bereich könne als Kommunikations- und Verbindungsraum genutzt werden. Zweitens sind die Balken im Westflügel nicht mehr ausreichend tragfähig. Das Holz ist an den Auflagepunkten an den Außen- und Innenwänden beschädigt. Hier soll bei der Reparatur das historische Bild der Deckenbalkenkonstruktion wiederhergestellt werden. Auch hier ist die Denkmalpflege beteiligt. Schließlich werde in der Dachlandschaft eine Verschiebung des Mauerwerks beobachtet. In einer holländischen Bauweise wurde das Dach mithilfe eines Stahlrings aufgelegt. Dieser muss nun aufwendig freigelegt und ausgetauscht werden. Durch die Korrosion hat sich die Verankerung ausgedehnt und Teile des Mauerwerks beschädigt. Die tragende Konstruktion erinnert laut Kaufmann an den Schiffbau, wobei das Dach im Prinzip wie ein umgestülpter Schwimmkörper wirkt. „Wir haben überhaupt nicht erwartet, dass solche Elemente verbaut wurden“, sagte Puy. Das Material sei in einer frühen Phase eingebaut worden, wie erklärt. „Eigentlich eine intelligente Lösung, denn der Westflügel steht an einem Abhang. Doch nun bereitet uns diese Konstruktion Probleme“, fügte Bauingenieur Armin Schacht (Domanialverwaltung) hinzu. Im Westflügel sollen die bestehenden Wände entfernt und das ursprüngliche Raumvolumen wiederhergestellt werden. Schließlich soll dieser Bereich unter anderem für einen Konferenzsaal genutzt werden. Die Deckenkonstruktion mit sogenannten Mutter- und Kinderbalken soll an den Auflagepunkten erneuert und durch Stahlstreben unterstützt werden. So kann eine zeitgemäße Nutzung in einem historischen Rahmen ermöglicht werden. „Das Schloss wird in seiner ursprünglichen Bauweise wieder erlebbar“, wie Felix Struckmann vom Büro Müntinga und Puy erklärt. Das Büro Pro Denkmal analysiert während der Bauphase den Bestand, der dann Teil einer Dokumentation werden könnte, wie sie etwa nach der Sanierung des Schlosses in Bad Arolsen herausgegeben wurde. Die Kosten für den im Juni begonnenen ersten Bauabschnitt wurden mit 3,5 Millionen Euro beziffert. Neben dem Entkernen der verbauten Räumlichkeiten in dem Renaissance-Bauwerk wird die Fassade aufgearbeitet. Dafür wurde der Mittelrisalit mit seinen zum Teil aufwendigen und schmuckvollen Steinmetzarbeiten eingerüstet. Nach dem Aus für das Alten- und Pflegeheim wurde die neue Nutzung mit der Verbands-Energie-Werk Gesellschaft für Erneuerbare Energien mbH (VEW), einem Schwesterunternehmen der Energie Wal­deck-Frankenberg GmbH (EWF), als Generalmieter geplant. Es bleibt noch genügend Platz für gewerbliche Mieter oder die Stadt Diemelstadt, die derzeit die Möglichkeiten für eine Nutzung prüft.6,1 Millionen Euro sind für die beiden Bauabschnitte geplant gewesen. Mit den unerwarteten Mehrkosten wird sich als Nächstes die Domanialkommission befassen, die im September tagt. Landrat Dr. Kubat machte deutlich, dass es keine Alternative zu der Sanierung gebe. Schließlich müsse das Gebäude erhalten werden, und zwar weiter im Besitz der Domanialverwaltung. „Wir finden sonst niemand, der das denkmalgeschützte Bauwerk sichert und es langfristig in eigener Verantwortung nutzt.“ Die EWF habe eine Aufstockung des Hauptgebäudes in Korbach geprüft, diese würde aber 800 000 bis eine Million Euro kosten, erklärte Geschäftsführer Stefan Schaller. Das Schloss, das künftig zur Hälfte durch die VEW genutzt werden soll, sei attraktiv. Das Geld, was in eine Erweiterung in Korbach eingebracht werde, könne genauso gut für die Miete in Rhoden ausgegeben werden. (ah)

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