Helfer will sich um Frau kümmern und wird stattdessen in den Schwitzkasten genommen

Notfallsanitäter angegriffen: 44-jähriger Arolser muss ins Gefängnis

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Weil er einen Notarzt beleidigt und einen Notfallsanitäter tätlich angegriffen hat, ist ein 44-jähriger Mann aus Bad Arolsen zu einer Haftstrafe von acht Monaten verurteilt worden. Eine Bekannte von ihm erhielt eine Geldstrafe, weil sie mehrfach gegen einen Notfallkoffer getreten hatte.

Bad Arolsen –Die Staatsanwältin schüttelte mit dem Kopf und blickte zum 44-jährigen Angeklagten: „Warum Sie Menschen, die Ihrer Verlobten helfen wollen, angreifen, kann ich nicht verstehen. Da fehlen mir die Worte“, sagte sie bei ihrem Plädoyer im Korbacher Amtsgericht.

Dort musste sich am Dienstag ein Mann aus Bad Arolsen wegen des Vorwurfs der Beleidigung und des tätlichen Angriffs in Tateinheit mit Körperverletzung gegen Mitarbeiter des Rettungsdienstes verantworten. Zudem stand die 31-jährige Bekannte des Mannes vor Gericht, weil sie mehrfach gegen den Notfallkoffer getreten haben soll.

Die beiden Angeklagten betonten, dass sie zum Tatzeitpunkt deutlich unter Alkoholeinfluss gestanden hätten. „Wir hatten alle ordentlich einen getankt“, berichtete der 44-Jährige, der an jenem Abend des 1. Dezember 2017 mit seiner 31 Jahre alten Bekannten und seiner Verlobten unterwegs gewesen sei. Nachdem sie in der Wohnung des Angeklagten in Bad Arolsen „vorgeglüht“ haben, seien sie mit dem Zug zum Weihnachtsmarkt nach Kassel gefahren, sagte die 31-Jährige. Dort sei es mit Glühwein und Schuss weitergegangen.

Was in den folgenden Stunden passiert ist, daran können sich die Angeklagten nach eigener Aussage wegen eines Filmrisses nur bruchstückhaft erinnern. „Ich weiß noch, dass sich meine Verlobte nicht mehr gerührt hat. Deshalb habe ich den Schaffner gebeten, einen Notarzt zu rufen. Das hat er auch gemacht“, berichtet der 44-Jährige.

„Wir wurden zum Bahnhof nach Bad Arolsen gerufen. Als wir ankamen, wurden wir von dem Mann beschimpft und später auch attackiert“, erinnerte sich der Notfallsanitäter an den Einsatz am Abend des 1. Dezember 2017.

„Die Frau hat zudem mehrmals gegen unseren Notfallkoffer getreten, so dass eine Ampulle kaputt gegangen ist.“ Die 31-jährige Wildungerin sei danach ins Taumeln geraten und hingefallen. „Sie hat nach meinem Arm gegriffen, den ich aber weggezogen habe. Daraufhin ist sie erneut hingefallen“, berichtete der Notfallsanitäter. Wenige Augenblicke später sei der 44-jährige Mann mit einer Bierflasche auf ihn zugekommen. „Er hat versucht, mich zu schlagen. Danach hat er mich in den Schwitzkasten genommen. Ich habe mich gewehrt, ihn mit dem Ellenbogen am Hals erwischt. Danach sind beide weggegangen.“ Die Attacke des Mannes sei in keiner Weise nachvollziehbar gewesen. „Wir wollten nur seiner Verlobten helfen“, sagte der Notfallsanitäter.

Auch der Notarzt sagte vor Gericht aus. Er wies darauf hin, dass er und seine Kollegen zu Beginn des Rettungseinsatzes massiv an der Arbeit gehindert worden seien.

Weil der 44-Jährige bereits mehrfach vorbestraft ist, verurteilte ihn die Richterin zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten und lag damit nur knapp unter der Forderung der Staatsanwältin, die neun Monate Freiheitsentzug gefordert hatte.

Die Anwältin des 44-Jährigen hatte auf Freispruch plädiert, weil sie der Ansicht war, ihr Mandant habe angenommen, seine Bekannte wäre zuvor selbst von dem Notfallsanitäter angegriffen worden. „Das war zwar nicht so, doch das Handeln meines Mandanten hatte sich die ganze Zeit über auf diese irrtümliche Annahme bezogen. Außerdem sei der 44-Jährige wegen seiner Alkoholsucht vermindert schuldfähig.

Die ebenfalls mehrfach vorbestrafte 31-jährige Frau wurde vom Gericht wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 500 Euro verurteilt. (dau)

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