Saisoneröffnung af der Freilichtbühne Twiste mit "Dracula"

Schauriges Wolfsgeheul auf Waldbühne

Twistetal-Twiste - Wer in diesen Tagen 
einen Abendspaziergang durchs Waldtal Bachteringhausen unternimmt, sollte sich über Wolfsgeheul nicht wundern: Zum „Dracula“ auf der Freilichtbühne Twiste 
gehört das schaurige 
 Geräusch einfach dazu.

Twistetal-Twiste (sim). Es ist schon erstaunlich, wie sich die Kulissen von der Lagunenstadt aus der vergangenen Saison 
in ein Transsylvanisches Spukschloss mit englischem Herrenhaus und angrenzendem 
Friedhof verwandelt haben. Nicht zu vergessen das Irrenhaus von Dr. Seward, in dem 
 die drei weißgekleideten Insassen für schaurig-verstörende Momente sorgen. Wie eng sich die Bühnenfassung von Bernd Klaus Jerofke an der Vorlage von Bram Stoker orientiert, ist insgesamt faszinierend anzusehen. In der 
 Inszenierung durch Regisseur Jörg Dreismann darf sich der Fürst der Vampire als galanter Gentleman zeigen, der mit intellektuell-philosophischen Ausführungen überrascht. Anstelle von blutrünstig zur Schau gestellten Vampirexzessen wird der Zuschauer so nach und nach in eine Geschichte hineingezogen, bei der das Grauen 
auf leisen Sohlen angeschlichen kommt. Oder, wie es Theo F. Berlitz, Vereinsvorsitzender und Darsteller des Renfield, formulierte: „Dracula ist Unterhaltung mit Gänsehaut“ – obwohl es bei der Premiere am Ende eines Regentages auch ohne 
Grusel schon kühl genug war. In Decken eingepackt, ver-folgten die Zuschauer, wie der junge Assessor Jonathan Harker in Transsylvanien ankommt. „Junge, müssen Sie wirklich schon gehen? Sie sind doch noch so jung“, versucht ihn 
eine Gruppe Zigeuner vergeblich aufzuhalten. Auf dem Schloss des Grafen setzen sich die mysteriösen Vorgänge fort. Am Tage wird geschlafen, während Jonathan Nacht für Nacht das Wolfsgeheul („Hören Sie? Das sind die Kinder der Nacht“) und seinen merkwürdigen Gastgeber erdulden muss. „Ich wünschte, ich wäre nicht gekommen. Jede Nacht verwickelt mich der Graf in lange Gespräche“, schreibt Jonathan an 
seine Verlobte Mina. Als Graf Dracula deren Bildnis sieht, das jenem seiner verstorbenen Geliebten Elisabeta gleicht, reist er selbst nach England. Dort nimmt das Unheil seinen Lauf, bis Professor Van Helsing dem Untoten auf die Spur kommt. Für Dracula-„Kenner“ lohnt sich der Besuch des Stückes 
allein schon deshalb, weil die Inszenierung über die meisten Filmfassungen hinausgeht. Der Blutsauger als wortgewaltiger Freidenker, der mit seinen (meist verqueren) Ansichten zur geistigen und religiösen 
Unabhängigkeit aufruft, bietet eine erfrischend andere Interpretation des oft gesehenen Stoffs. Darstellerische Höhepunkte liefern außerdem die 
Irrenhaus-Insassen um den Vogel- und Insekten züchtenden Renfield („Wir brauchen Leben für den Meister!“) und das eingespielte Ensemble mitsamt dreier „Vampiretten“. Der Knalleffekt schließlich muss bis zum Ende (und auf die Dunkelheit) warten, damit die über die Bühne verteilte Pyrotechnik ihre visuelle Kraft voll entfalten kann.Weitere Vorstellungen von „Dracula“ gibt es am 6./13./27. Juli und 3./24. August jeweils ab 21 Uhr. Zur „Nacht der Vampire“ lädt die Bühne am 20. Juli/17. August ab 20 Uhr ein, um Reservierung wird gebeten. Karten und Infos unter 05695/8135 oder im Internet: www.freilichtbuehne-twiste.de

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