Holocaust-Gedenktag: Fünf jüdische Bewohner des Bathildisheims ermordet

Schicksal blieb lange unbekannt

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Werkstätten-Mitarbeiterin Ute Josephy entzündet eine Kerze am Thoras-Leuchter.

Bad Arolsen - Anlässlich des Holocaust-Gedenktages hat das Rehazentrum Bathildisheim in der Aula der Karl-Preising-Schule einen offenen Gesprächsabend gestaltet.

Bei den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen im vergangenen Jahr sei eines spürbar geworden: „Das Bathildisheim war, ist und wird immer ein Segen für ganz viele Menschen sein“, stellte Schulleiter Eberhard Eckhardt in seiner Ansprache fest. Die dunklen Zeiten des Nationalsozialismus sind aber auch in dem Heim für geistig und körperbehinderte Menschen nicht spurlos vorübergegangen. In welche Bedrängnis die Einrichtung geriet und zu welchen Mittel der damalige Heimleiter und Pfarrer Karl Preising griff, um die Bewohner zu schützen, wurde im Gespräch mit Pfarrerin Irene Dittmann-Mékidèche deutlich. Mithilfe der Helser Bevölkerung konnten damals alle Heimbewohner gerettet werden - bis auf fünf jüdische Frauen, unter ihnen die gebürtige Helserin Klara Schürmann, die im Rahmen der sogenannten „T4-Aktionen“ der Nazis bereits am 1. Oktober 1940 umgebracht wurden.

Opfern Gesicht geben

An die Namen und Schicksale dieser Frauen erinnerten Werkstätten-Mitarbeiterin Ute Josephy und Konrektorin Dr. Ursula Braun in einer szenischen Darstellung. Zum Gedenken wurden die Kerzen am siebenarmigen Thoraleuchter entzündet und gemäß der Tradition auf jüdischen Friedhöfen Steine vor dem Leuchter abgelegt. „Wir wollen den Opfern ein Gesicht geben. Angerührt sein reicht nicht. Daraus muss Handeln erwachsen, damit menschenverachtendem Handeln in Zukunft der Boden entzogen wird“, stellte Schulleiter Eckhardt fest. Auch Bathildisheim-Vorstand Christian Geyer, zwei Schüler der Karl-Preising-Schule und eine Bläsergruppe um Simon Knobbe gestalteten die Gedenkveranstaltung mit.

Wie viele Jahre und Jahrzehnte es allerdings gedauert habe, bis überhaupt etwas über den Verbleib der fünf ermordeten jüdischen Bewohnerinnen bekannt wurde, auch daran erinnerte Eckhardt. Überhaupt seien Dokumente über das Bathildisheim in der Zeit zwischen 1933 und 1945 nur spärlich gesät. Vieles sei wohl vernichtet worden, vermutet der Schulleiter. Auch beim Internationalen Suchdienst, so berichtete Stadtrat Udo Jost als ehemaliger langjähriger ITS-Archivleiter, sei die Quellenlage über Bad Arolsen „nicht so dicht, wie man es erwarten sollte“. Eine weitere Erklärung könne sein, dass bei der Einrichtung des Archivs Euthanasieopfer noch nicht zur anerkannten Opfergruppe gehört hätten.

Der Leitung der Karl-Preising-Schule ist indes sehr an der weiteren Erforschung der Geschichte des Hauses und seiner Einwohner gelegen. Als Quelle für weitere Nachforschungen, so Jost, könnte sich möglicherweise das derzeit noch der Aufarbeitung harrende Arolser Stadtarchiv erweisen, das im Rahmen des Bürgerhaus-Umbaus in neue Räume umziehen soll. Historiker Michael Winkelmann regte ein eigenes Archiv im Bathildisheim sowie die geschichtliche Aufarbeitung im Rahmen eines Forschungsauftrags an.

Und Udo Jost empfahl, die Berichte noch vorhandener Zeitzeugen aufzunehmen, um über die Erinnerung auch die Namen der Opfer in zukünftige Generationen zu tragen.(sim)

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