Bad Arolsen

Schlamminseln im Twistevorstau

- Bad Arolsen (-es-). Wer in diesen Tagen am Twistevorstau entlang wandert, wird sich über große Inseln wundern, die bei abfließendem Wasser aus dem Vogelparadies aufsteigen. Es sind die Schlammablagerungen der vergangenen 30 Jahre.

Beim Bau des Twistesees war den Planern klar, dass die Twiste bei jedem größeren Regen beachtliche Bodenmengen von den Äckern spült und als Schlammfracht mit in den Stausee transportieren würde. Deshalb wurde der Twistevorstau errichtet, der als Sedimentationsbecken gedacht ist. Wenn das Wasser sich beruhigt und langsamer fließt, dann setzt sich auch die Schlammfracht ab. Das geschieht seit 30 Jahren ununterbrochen. Mal mehr - wenn die Äcker frisch gepflügt wurden, mal weniger, wenn die Frucht hoch auf den Feldern steht. Der Geologe und Naturschützer Prof. Eckhard Jedicke, der den Twistesee seit den ersten Spatenstichen kennt, hat schon früh auf die Problematik hingewiesen, dass der Vorstau langsam aber stetig verlandet und damit seiner Funktion als Sedimentationsbecken nicht mehr nachkommen kann. Die WLZ hat im vergangenen Winter mehrfach Fotos veröffentlicht, die beweisen, dass die Schlammfracht als braune Brühe in den See fließt. Dem städtischen Tourismusmanager hat diese Schlagzeile gar nicht gefallen. Dadurch wurde sie aber nicht weniger wahr. Stadt und Wasserverband Diemel müssen sich etwas einfallen lassen, um das weitere Verlanden des Vorstaus zu verhindern. Außerdem muss die vorhandene Schlammfracht beseitigt werden. Prof. Jedicke verweist auf eine Studie, die das Ingenieurbüro Björnsen 1998 veröffentlichte: Danach hat sich das Stauvolumen des Vorstaubeckens von 1974 bis 1998 um 40 Prozent verringert, nämlich von 180 000 Kubikmeter auf 108 000 Kubikmeter. Hochgerechnet auf 2009 beträgt das Stauvolumen nur noch 75 000 Kubikmeter, was beim Anblick der Schlamminseln im Vorstau sehr plausibel erscheint. Gleichzeitig stellte Björnsen fest, dass sich die Verweildauer des Twistewasser im gleichen Zeitraum von 62 Stunden auf 37 Stunden verringerte. Entsprechend nahm die Möglichkeit des Wassers ab, seine Sedimente im Vorstau abzuladen. Der Schlamm floss also weiter in Richtung See. Wie die WLZ auf Nachfrage von der Stadtverwaltung erfuhr, ist die aktuelle Ebbe im Vorstau durchaus gewollt. Der Wasserverband Diemel als Betreiber des Hochwasserstaubeckens Twistesee hat einen Ingenieur beauftragt, Lösungen zu suchen, wie die Sedimente am besten und kostengünstigsten wieder aus dem Vorstau beseitigt werden könnten. Weil der Einsatz von Schwimmbaggern zu teuer wäre, wird der Bau von Baggertrassen geprüft, die ein Ausbaggern bei Trockenheit ermöglichen würden. Auf das Ergebnis der Untersuchung darf man - auch mit Blick auf den Tourismus am See – gespannt sein.Ebenso wichtig wie das Ausbaggern des Vorstaus ist aber auch der Abschluss von Kooperationsvereinbarungen mit den Landwirten am Oberlauf der Twiste mit dem Ziel weitere Bodenerosion zu verhindern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare