Bad Arolsen

Schneller Zugang zu Opferakten

- Bad Arolsen (-ah-). Vor dem Einzug eines Teils des Internationalen Suchdienstes ins alte Kauhaus Konze meldet der ITS den Abschluss der Digitalisierung der Nachkriegsdokumente.

Es handelt sich um Dokumente zu Displaced Persons und zur Emigration nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. „Dieser Bestand im Archiv des ITS ist noch kaum erforscht“, sagte Chefarchivar Udo Jost. „Er bietet einen guten Einblick in das Leben nach dem Überleben und die Migrationsbewegungen infolge des Krieges.“ Datenkopien der Dokumente hat der ITS diese Woche an Partnerorganisationen in Israel, den USA, Polen, Luxemburg und Belgien überreicht. Die Dokumente geben Aufschluss über das Schicksal von Menschen, die ihrer Heimat beraubt und aus Konzentrationslagern, Zwangsarbeit und teilweise Kriegsgefangenschaft befreit worden waren. Konkret umfasst der Bestand Unterlagen aus deutschen, österreichischen, italienischen und britischen Lagern für Displaced Persons. Hinzu kommen Emigrationslisten, Unterlagen von Flüchtlingsorganisationen wie dem UNHCR sowie Listen von Überlebenden des Holocaust, die jüdische Organisationen zusammengestellt hatten. Zu den Dokumenten aus den DP-Camps zählen hauptsächlich 350 000 sogenannte CM1-Fragebögen der Alliierten (Care and Maintenance/Fürsorge und Unterhalt). „Die Menschen geben darin ihre Erlebnisse während des Krieges wieder und begründen ihren Wunsch nach Auswanderung“, berichtete Jost. Die Digitalisierung des gesamten Dokumentenbestandes aus der Nachkriegszeit hat anderthalb Jahre in Anspruch genommen. „Die Unterlagen sind jetzt auch in der Datenbank des ITS in Bad Arolsen recherchierbar“, sagte Jost. „Dies dient dem Schutz der Originale und erleichtert Forschern den Zugang zu den Informationen.“ Die Dokumente von Flüchtlingsorganisationen sowie aus österreichischen, italienischen und britischen DP-Lagern (ca. 2,3 Millionen Abbildungen) hat der ITS diese Woche in Kopie auch Yad Vashem in Jerusalem, dem US Holocaust Memorial Museum in Washington, dem Nationalen Institut des Gedenkens in Warschau, dem Dokumentations- und Forschungszentrum über den Widerstand in Luxemburg sowie dem Belgischen Staatsarchiv in Brüssel ausgehändigt. Auf Beschluss des Internationalen Ausschusses, der die Tätigkeit des ITS überwacht, kann jeder der elf Mitgliedsstaaten eine digitale Kopie der in Bad Arolsen vorhandenen Unterlagen anfordern. Insgesamt wurden 84,5 Millionen Abbildungen und circa 6,5 Terabyte an Daten an die verschiedenen Einrichtungen überreicht, darunter Dokumente zu Konzentrationslagern, Ghettos und Gefängnissen, die zentrale Namenkartei des ITS, Registrierungskarten von Displaced Persons, Dokumente zum Thema Zwangsarbeit sowie Unterlagen aus DP-Camps und zur Emigration nach dem Zweiten Weltkrieg. Noch offen sind die Bestände des Kindersuchdienstes, die sogenannten Sachdokumente sowie die Korrespondenzfälle.Unterdessen sind die Vorbereitungen für den Einzug des Suchdienstes in das ehemalige Kaufhaus Konze an der Schlossstraße fast abgeschlossen. Der ITS hat das Gebäude angemietet. Dort sollen auch Dokumentenscanner aufgestellt werden. Bisher hatte der ITS als Nebenstelle die ehemalige Grundschule neben dem Rathaus genutzt. Kommenden Mittwoch wird Ministerpräsident Roland Koch der Einrichtung in Bad Arolsen einen circa eineinhalbstündigen Besuch abstatten.

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