Interviews mit Zeitzeugen münden in Dokumentationen

Schüler als Forscher im Bad Arolser Museum "Historicum 20" aktiv

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Im ehemaligen Stabsgebäude der Arolser Stadtkaserne ist das Museum "Historicum 20 -Forum Zeitgeschichte" untergebracht.

Bad Arolsen. Das Museum „Historicum 20 - Forum Zeitgeschichte“ im Stabsgebäude der ehemaligen Stadtkaserne hat im vergangenen Jahr 1600 Gäste empfangen. Konzeptionell werden das Museum für die Stadtentwicklung 20. Jahrhundert und die Gedenkstätte für die Insassen der früheren Außenstelle Artur des Konzentrationslagers Buchenwald derzeit aktualisiert.

Bei der Jahreshauptversammlung des Trägervereins berichteten die beiden Vorsitzenden, Dr. Birgit Kümmel und Udo Jost, vom ungebrochen großen Interesse an der Einrichtung und den vielfältigen Kooperationen mit der Christian-Rauch-Schule und dem Internationalen Suchdienst.

Größte Herausforderung aber bleibt jedes Jahr die Erwirtschaftung der Pacht für die Ausstellungsräume. Mit dem Eigentümer, der Immobiliengesellschaft Bau und Boden, ist zwar eine großzügige Reduzierung der Pachtzahlungen ausgehandelt worden, aber auch die restlichen Beträge müssen mühsam durch Mitgliedsbeiträge und Spenden eingeworben werden, wie Kassiererin Katja Müller-Ashauer berichtete.

Wer unterstützt das Museum Historicum?

Bei der Anschaffung von Medien zur Präsentation und Einrichtungsgegenständen helfen Zuschüsse des Museumsverbands. Aber die fließen nur, wenn der Trägerverein 40 Prozent Eigenmittel nachweisen kann.

Tatkräftige Hilfe erfährt das Museum regelmäßig durch den örtlichen Landtagsabgeordneten Armin Schwarz, durch die Initiative Pro Bad Arolsen und auch die Zusammenarbeit mit dem Bund der Vertriebenen hat sich als sehr fruchtbar erwiesen.

So befindet sich das Denkmal „Deutschland unteilbar“ vor dem Museumsgebäude. An Flucht und Vertreibung erinnert zudem eine Ausstellung im Museum Historicum.

Besonders hervorgehoben wird dabei die Helser Familie Laube, die sogar noch eine Truhe mit 50 Flucht-Dokumenten als Schatz bewahrte und nun dem Museum zur Verfügung stellte. Die Kooperation des Historicums mit dem Internationalen Suchdienst wird auch im laufenden Jahr fortgesetzt, wie die städtische Museumsleiterin Dr. Birgit Kümmel berichtete.

Was gibt es im Museum Historicum 20 zu sehen?

Die drei ehemaligen Zellen im Stabsgebäude sind drei großen Erinnerungs-Schwerpunkten gewidmet: So wird in der ersten Zelle sehr eindrucksvoll an die ehemaligen Häftlinge des KZ-außenkommandos Artur erinnert. 

Die zweite Zelle zeichnet die Militärgeschichte der Kaserne nach mit Schwerpunkt auf die SS-Führerschule und die SS-Verfügungstruppe „Germania“. Sämtliche Ausstellungsstücke, die als Verherrlichung dieser ruchlosen Truppe missverstanden werden konnten, sind inzwischen entfernt worden. 

Sonnenlicht fällt durch das Zellenfenster im Stabsgebäude: Das Gefängnisgitter wirft Schatten auf die Fahndungsfotos der Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald im Arolser Außenlager Artur. Auch das ist Teil der Geschichte der Arolser Stadtkaserne. Foto: Schulten

In den kommenden Wochen sollen stattdessen Erinnerungsstücke an die Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes ausgestellt werden. Dazu wurden Faksimiles der Original-Suchdienst-Dokumente angefertigt. Sie sollen künftig auch von den Besuchern in die Hand genommen werden dürfen. 

Die dritte Zelle ist dem Thema Migration mit den Facetten Flucht und Vertreibung, Deportation, Evakuierung aus dem Saarland nach Helsen bis hin zu den russischen Spätaussiedlern der 90er Jahre.

Was leisten die CRS-Schüler im Museum?

CRS-Geschichtslehrer Erich Müller und Historicum-Vorstandsmitglied Hans-Joachim Orawetz haben zusammen mit CRS-Schülern Zeitzeugen interviewt zum Thema: „Was bedeutet Vertreibung?“

So entstanden zehn neue Info-Tafeln über Arolser Neubürger, die aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat verlassen mussten.

Was sind die nächsten Projekte des Museumsvereins?

In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Suchdienst und dem Museum der Stadt Bad Arolsen eröffnet das "Historicum 20" am 31. August eine Ausstellung eröffnet mit Werken eines Künstlers, der ein schreckliches Massaker der Deutschen Wehrmacht am Monte Sole in der italienischen Region Emilia Romagna (heute Partnerregion von Hessen) künstlerisch aufgearbeitet hat.

Begleitend zur Ausstellung wird es vier Vorträge, Schülerprojekte und ein Pädagogengespräch geben.

Außerdem plant das Museum Historicum wieder eine Beteiligung am Internationalen Museumstag und am Denkmaltag. Darüber hinaus plant der Verein eine Exkursion zur Euthanasie-Gedenkstätte in Hadamar.

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