Trotz Online-Angeboten keine Normalität in Sicht

Sehnsucht in Bad Arolsen nach Unterricht in der Schule  

Die CRS Bad Arolsen bleibt weiter geschlossen. Abschlussklassen, für die das Land Hessen als erste wieder Unterricht in der Schule zulassen will, gibt es aufgrund der verlängerten Schulzeiten bis zum Abitur noch nicht. Derzeit absolviert der letzte G-8-Jahrgang die Reifeprüfung. Foto: Arm in Haß

Bad Arolsen – Als Notschuljahr wird das zweite Halbjahr 2019/2020 auch an der Christian-Rauch-Schule Bad Arolsen wegen der Corona-Krise in die Chronik eingehen. Im Gegensatz zu den Abschlussklassen an anderen weiterführenden Schulen wird es ab heute noch keinen Präsenzunterricht an dem Gymnasium geben.

Die zwölften Klassen sind nach dem Auslaufen der verkürzten G-8-Abiturjahrgänge in diesem Jahr erst ab dem kommenden Schuljahr Abschlussklassen.

So geht es für Abiturienten weiter

Das Gros der 770 Schüler wird daher zunächst ohnehin den als Notbehelf zu bezeichnenden Online-Unterricht bekommen, während die Abiturienten sich auf die mündlichen Prüfungen Ende Mai und Anfang Juni vorbereiten.

Über so einen langen Zeitraum wie jetzt in der Corona-Krise sei Online-Unterricht noch nie erteilt worden, so CRS-Leiter Markus Wagener.

Sozialarbeit gefordert

Er betont, dass die Ausstattung nach dem Digital-Pakt die Arbeit in den Schulen betreffe. Und er macht auch deutlich, dass unbürokratische Lösungen, etwa bei der Ausstattung mit WLAN im gesamten Gebäude, gefragt seien. Doch längst nicht alle Schüler sind daheim mit den nötigen Computern daheim ausgerüstet. Mit der Spende von 20 Laptops (wir berichteten) wurde der Bedarf wenigstens teilweise gedeckt.

Die digitale Plattform Moodle und E-Mails sind nun im Notunterricht neben dem Telefon die wichtigsten Kommunikationsstränge. Das betrifft auch die Schulsozialarbeit, die in diesen Zeiten stark gefordert ist.

"Lernendes System"

Die 1:1 Betreuung durch die Lehrer sei mühsam und erfordere einen höheren Zeitaufwand, etwa, wenn zeitnahe zig E-Mails zu bestimmten Unterrichtsthemen beantwortet werden müssten. Doch sei an der Schule vorgearbeitet worden und seien die Kollegen hoch motiviert.

Markus Wagener, Leiter der Christian-Rauch-Schule Bad Arolsen. Foto: Armin Haß

„Am Anfang haben wir zu viele Aufgaben gestellt, berichtet Wagener. Doch in der Zwischenzeit sei der Unterricht weiter entwickelt worden. Durch Jahrgangs- und Klassenteams und die Koordinatoren erfolge die notwendige Abstimmung zur Gestaltung des Unterrichtes. 

Keine Dauerlösung

„Wir sind ein lernendes System“, beschreibt der Schulleiter die Unterrichtsgestaltung außerhalb des angestammten Lernorts Schule. „Ob wor alles richtig gemacht haben, sehen wir später.“ Immerhin würden die Schülerinnen und Schüler im Lernmodus gehalten und hätten sie eine Tagesstruktur. Ein täglicher Austausch und Kontrollen des Lernens seien möglich

Eine Dauerlösung könne diese Form des Unterrichts kaum sein, noch seien Eltern und Schüler jedoch willens. Dabei sei das Angebot einer Notbetreuung für Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen (Polizei, Gesundheitswesen etc.) noch nicht in Anspruch genommen.

Schule sozialer Ort

Lehrer, Schüler und Eltern sehnten die Wiederöffnung der Schule herbei. Diese sei schließlich auch ein sozialer Ort, der mit seinen Klassengemeinschaften auch vielseitige und effektive Möglichkeiten des Lernens förderten. Hier könnten die Kinder mal ihre Kameraden oder die Lehrerin schnell fragen.

Auch wenn die meisten Jugendlichen mit Smartphone und Internet vertraut seien, so schätzten sie doch die Schulhefte, in die sie ihre Notizen schreiben oder denen sie ihre Aufgaben schneller erledigen könnten.

Schrittweise öffnen

Auch wenn eine schrittweise Öffnung von Schulen ab dem kommenden Monat beginnen solle, werde das Schuljahr nicht mehr normal abgeschlossen werden können, sagt Schulleiter Markus Wagener.

 Dabei seien er, das Kollegium und nicht zuletzt die Schüler froh, dass alle Abiturarbeiten geschrieben worden seien, wenn dies auch nur unter erhöhten Anforderungen an Hygienevorschriften und ohne die Treffen der Schüler danach möglich war. Am 25. Mai und am 3. Juni werden die mündlichen Prüfungen erfolgen, räumlich ist das kein Problem. Abschlussfeiern oder der Abi-Ball werden jedoch flachfallen. 

Abstand zu Klassenkameraden

Zunächst sollen die Abschlussklassen in Hessen wieder die Schulen besuchen. An der CRS wären dies die zwölften Klassen, doch durch die Verlängerung auf neun Schuljahre an den Gymnasien wird auch die Arolser Oberschule am Montag noch leer bleiben. Aufgrund der Hygienebedingungen und der Abstandsregeln können maximal 250 Schüler an der CRS den Unterricht besuchen. 

 Risiken für Lehrer 

Mithilfe des Zollstocks wurden die Klassenräume für jeweils maximal 15 Jungen und Mädchen eingerichtet. Einbahn-Regelungen in den Fluren und Treppenhäusern sollen mit dazu beitragen, dass die Schüler Abstand halten können. 

Abstand zu Klassenkameraden. CRS Bad Arolsen bereitet sich auf Wiedereröffnung vor. Foto: Armin Haß

Eine weitere Herausforderung ist der Einsatz der Lehrer. Etwa ein Drittel von ihnen gehört einer Risikogruppe an, für die die Ansteckung mit Covid 19 problematisch werden könnte. „Präsenzunterricht für insgesamt 770 Schüler können sie unter diesen Bedingungen vergessen“, sagt der CRS-Direktor. Höchstens sei ein Unterricht im Schichtbetrieb möglich.

Ohne Chor und Sport

 Orchesterunterricht, Chorproben, Sport oder Darstellendes Spiel sind zudem unmöglich. „Wir werden dieses Jahr als Notschuljahr beenden“, sagt Wagener. Alle Schüler würden versetzt. 

Danach freuen sich Schüler und Lehrer auf die Sommerferien. Die seien der Schulgemeinde in möglichst voller Länge nur zu wünschen. 

Ferien wichtig

Nach den schwierigen Unterrichtsbedingungen und der vielen Mehrarbeit aufgrund der 1:1-Kommunikation sei eine für die Lehrer eine längere Pause wichtig, sagt Wagener. Denkbar wäre vielleicht eine Woche vor Schuljahresbeginn, in der Schüler und Lehrer wieder gemeinsam Unterricht vorbereiten.

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