Schmillinghäuser Bläser feiern Jubiläum

Seit 72 Jahren im Posaunenchor

Bad Arolsen-Schmillinghausen - Zum Lobpreis Gottes und zur Freude der Mitmenschen musiziert der Posaunenchor Schmillinghausen seit nunmehr 75 Jahren.

Das Jubiläum war Anlass für einen gut besuchten Gottesdienst in der Festhalle. „Was ihr macht, ist nicht mit Geld aufzuwiegen“, sagte TSV-Vorsitzender Wilfried Scholz im Namen des TSV und der Feuerwehr und traf damit, was die meisten Besucher dachten. Mit Ständchen zu Geburtstagen oder Ehejubiläen hätten die Bläser den Menschen immer wieder Freude bereitet.

„Charme und Kraft der Musik“ machte Pfarrerin Anne-Rieke Palmie am Beispiel des Hirtenjungen David deutlich, der mit seinem Harfenspiel für König Saul diesen vom bösen Geist befreit. Musik sei mit Gefühlen verbunden, wecke Erinnerungen und helfe den Menschen.

Dabei ist das Spielen der Blasinstrumente Übungssache. Die Töne würden – wie der Gesang – 
mit dem Mund und unter Einsatz des Körpers erzeugt, wie Landesposaunenwart Andreas Jahn erklärte: „Das ist anfangs nicht leicht. Wenn man’s aber kann, dann ist es schön“, warb er auch um Verständnis für manchen Misston beim Proben.
 Unter dem Motto „20 Prozent bei 20 Grad“ wies Jahn auf die witterungsbedingten Schwierigkeiten hin, gegen die die gegenwärtig 100 000 Posaunenbläser immer wieder anzukämpfen hätten, denn gerade ein Fünftel der Bläsereinsätze finde bei angenehmem Wetter statt. „Versuchen Sie mal, am Himmelfahrtstag nach einer Stunde Schwitzen im Sonnenschein ,Großer Gott, wir loben Dich‘ zu spielen und dabei noch ein würdevolles Bild zu bieten.“ Beim Volkstrauertag im November hätten die Bläser dann große Mühen, gleichzeitig die Notenblätter im Herbstwind festzuhalten und dabei zu spielen.Und bei minus sieben Grad misslängen alle Versuche, das Lieblingsweihnachtslied zu spielen, denn das Instrument sei eingefroren.

„Wenn man das macht, dann mit vollem Einsatz und mit ganzer Überzeugung“, erklärte der Posaunenwart der Evangelischen Kirche Kurhessen-Wal­deck. Für sein 55-jähriges Engagement dankte Jahn dem Posaunisten Bernhard Pickhard mit einer Urkunde. 13 Jahre ist Jan Horstmann dabei, und mit einem beziehungsweise zwei Jahren Mitgliedschaft gehören Nele Sprenger sowie Katharina Saure und Julia Boos zu den jungen Mitgliedern.

Im 72. Jahr als Musiker im Posaunenchor hört nun Friedhelm Röhle auf. Mit einem Präsent des Kirchenvorstandes wurde er zum Abschied bedacht. Mit „viel Herzblut“ musiziere der Posaunenchor und leite Martin Saure das Ensemble, sagte Friedhelm Röhle in seiner Abschiedsrede. Von seinen Eltern einst auf den Weg gebracht, habe er viele frohe Stunden mit dem Posaunenchor verbracht. Nach seiner Genesung vor einigen Jahren habe er wieder weitergemacht. Nach der Umstrukturierung des Kirchspiels stehe der Posaunenchor vor neuen Aufgaben. Um den Fortbestand auch weiterhin zu sichern, bedürfe es des Einklangs mit dem Chorleiter, sagte Röhle, der noch von dem Gründer des Chores, Pfarrer Grebe, ausgebildet wurde.

Der Pastor musste zunächst die Instrumente besorgen, und nach dem Zweiten Weltkrieg sei wieder Geld gesammelt worden, um die Musiker ausstatten zu können, berichtete Saure. Der unvergessene Pfarrer Hans Gier übernahm Ende der 50er-Jahre und dann nach seiner Rückkehr nach Arolsen in den 80er-Jahren wieder den Taktstock. Ihm folgte für viele Jahre Wilhelm Gröticke, bis 1997 Martin Saure die Leitung übernahm. Dieser habe dann auch die Nachfolge des Vorsitzenden Karl-Wilhelm Flamme übernommen, der sein Amt 20 Jahre wahrgenommen hatte.Der Posaunenchor gestalte auf vielfältige Weise das Dorfleben mit, sagte Ortsvorsteher Horst Engelhard. Zudem werde sehr gute Nachwuchsarbeit geleistet. Mit einem Präsent dankten Chormitglieder Martin Saure und seiner Lebensgefährtin Katrin Kaiser für deren Einsatz. Beim Kaffeetrinken bot dann der Männergesangverein ein Ständchen.

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