Bad Arolser Künstler stellt seinen riesigen Mikrokosmos auf Schloss Welda aus

Skurrile Kopfgeburten in Farbe

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Im Festsaal von Schloss Welda zeigt Ulysses Belz seine metakognitive Malerei bis Anfang August. Auf übergroßen, selbst gebauten Staffeleien wirken selbst die übergroßen Formate auf normale Größe geschrumpt und natürlicher Teil eines Ateliers zu sein.

Bad Arolsen/Welda - Wie sieht ein Gedankenblitz aus? Was empfindet der Betrachter eines Zusatzbettes? Wie lässt sich ein Schuldgefühl bildlich darstellen?

Der Künstler Ulysses Belz hat sich auf die bildliche Darstellung mentaler Zustände spezialisiert und scheut dabei auch nicht den Blick ins menschliche Hirn, zigtausendfach vergrößert durch ein gedachtes Elektronenmikroskop.

Der seit 2010 in Bad Arolsen lebende Maler stellt in der Zeit vom 2. Juni bis 5. August auf Schloss Welda aus. Unter dem Titel „Euphoria“ zeigt Belz „neue metakognitive Malerei“ in riesigen Formaten.

Das 1743 erbaute Schloss Welda, gleich hinter der Landesgrenze zu Westfalen ist erstmals stilvolle Kulisse für eine große Kunstausstellung. Dabei scheint die Beletage wie geschaffen für große Kunstwerke.

Um seine gigantischen Formate angemessen zu präsentieren, hat Ulysses Belz übergroße Staffeleien gezimmert, die im riesigen Ballsaal selbst mit den vier mal drei Meter großen Bildern wie ganz normale Ölbilder in einem ganz normalen Künstleratelier wirken.

Doch Ulysses Belz will mit seiner Kunst die Grenzen der bisherigen Malerei überschreiten. Der 54-Jährige hat sich mit den Erkenntnissen der modernen Hirnforschung beschäftigt und versucht, Prozesse, die im Unterbewusstsein ablaufen, malerisch darzustellen. So enthalten viele seiner Bilder scheinbar wirre Fantasieformen in schrillen Farben. Was manch einen an psychedelische Erfahrungen erinnern könnte, sind in der Bildsprache von Ulysses Belz Gedankenblitze, Abwägungsprozesse oder Gefühle auf der Ebene der Hirnrinde.

Aber Belz kann auch figürlich, dann aber stark verfremdet und mit hintergründigen Anspielungen. So etwa beim „pensionierten Kriegsverbrecher“, der nur schemenhaft zu erahnen ist. Seine verkorkste Biografie lässt sich nur an zerrupften und abgemähten Pflanzen erahnen.

Ein Schleier vor der Terrasse eines Ferienhauses im Grünen verhüllt mehr als das Bild erahnen lässt. Der Titel erstaunt und lässt schmunzeln: „Zweitwohnsitz mit Rasenmäher“.

Ganz neu ist die Bilderserie „Sitzendes Papier“. Dargestellt werden imaginäre Papierknäuel auf Stühlen. Doch die Darstellung ist kein Spiel mit Licht und Schatten, sondern entspringt mehr einer Fantasiewelt: Das Papier scheint zu leben, sich im Stuhl zu winden.

Zur Vernissage am Sonnabend, 2. Juni, um 17 Uhr spielt die Klarinettistin Shun-Jung Chien „Musik für Klarinette und Elektronik Nr. 1 Fuga“ von Hyunbae Lee. Die Ausstellung ist samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, außerdem nach Vereinbarung unter Telefon 05691/8062818. (es)

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