Jan Knobbe leitete Ensembles mit 200 Aktiven 

So begeistert Bad Arolser Bezirkskantor Kinder für große Werke der Musik

Von Bach inspiriert: Bezirkskantor Jan Knobbe möchte Kinder, wie diese Bad Arolser Grundschüler, auch für große musikalische Werke begeistern. Foto: ARMIN HASS

Bad Arolsen - „Diese Arbeit ist ein Stück meines Lebens“, resümiert Jan Knobbe 25 Jahre nach dem Dienstantritt als Bezirkskantor bei der evangelischen Kirchengemeinde Bad Arolsen. Am Sonntag wird dieses Jubiläum im Rahmen eines Gottesdienstes gefeiert.

 200 Aktive zwischen sechs und rund 80 Jahren machen unter seiner Leitung in der Gemeinde auch sehr unterhaltsame Musik zum Lobe Gottes: Da sind die Kinderchöre mit den klangvollen Namen Ohrwürmer und Arolser Spatzen, das Flötenensemble, der Posaunenchor, die Kantorei, der Kmamerchor, der Gospelchor Joy and Glora und die Kreiskantorei.

So weit reicht das Altersspektrum

Allein der Posaunenchor macht das altersmäßige Spektrum anschaulich: Drei Generationen sind unter dem Dirigat von Knobbe vereint

Wie sich das anfühlt, haben Jan Knobbe und seine ebenfalls zur Kantorin ausgebildete Ehefrau Rita an den eigenen Kindern erfahren, die nun aus der kirchenmusikalischen Zeit in Arolsen herausgewachsen sind und an ihren momentanen Studien- und Wohnorten nun selbst Geige, Bratsche und Trompete spielen.

Das war der Anfang

Der aus Kiel stammende Jan Knobbe ist über einen kirchlichen Gesprächskreis des örtlichen Pastors mit Kriegsdienstverweigerern erst „kirchlich sozialisiert“ und zur Kirchenmusik gekommen. Vorher hatte der junge Gymnasiast Klavierunterricht erhalten und wollte später Tonmeister werden. Doch dann entdeckte er die Kirchenmusik. Der Norddeutsche studierte in Berlin, legte die B- und A-Prüfung für hauptamtliche Kirchenmusiker ab.

Schon bald konnte Knobbe die nach der Pensionierung der Kantorin Margarethe Rose vakant gewordene Stelle in Arolsen antreten. Er geht nun mit seiner Ehefrau Rita zusammen in der kirchenmusikalischen und darüber hinaus reichenden kulturellen Arbeit förmlich auf. 

Das gefällt ihnen

Das Umfeld stimme, die Lebensqualität, die Natur und die Lage mitten in Deutschland sind wichtige Faktoren, aber auch eine hohe kulturelle Aufgeschlossenheit des Publikums. Dabei zollt er der langjährigen Bezirkskantorin Rose großes Lob: Sie habe das Feld gut bestellt, nicht zuletzt sei die Noeske-Orgel hervorragend disponiert.

Seine Ehefrau ist in die Kirchenmusik mit eingebunden. Rita Knobbe versieht den Orgeldienst in Mengeringhausen, leitet den Chor in Nieder-Waroldern und betreut mit ihrem Mann den Kinderchor. „Wir ergänzen uns sehr, das macht unsere beider Arbeit sehr viel leichter“, sagt Jan Knobbe.

Das liegt ihm am Herzen

Dabei bleibt besonders die Arbeit mit den Kindern weiter spannend. Knobbe hat den Anspruch, die Jüngsten auch mit den Werken von Mozart und Bach vertraut zu machen. Dazu setzt er auf Workshops in Kooperation mit den Grundschulen, bei denen die Kinder eine altersgerechte Version eines großen Chorwerkes einstudieren, um danach das Original als Produktion der Kantorei mit einem Instrumentalensemble zu erleben.

Schließlich geht es darum, Menschen den Zugang zu großen musikalischen Werken zu vermitteln. Einladungen allein reichen dazu nicht mehr. Zu groß ist das übrige Angebot in der Freizeit, zudem hat sich die Aufnahmebereitschaft für klassische Werke stark verändert.

Höhepunkte der Arbeit

Bezirkskantor Jan Knobbe hat seine Liebe zu verschiedenen Musikrichtungen von Bach über Mozart bis zu den Beatles und das Verständnis für Jazz und Gospel in die Kirchenmusik integriert. Nicht nur, dass er zum Todestag von John Lennon musikalische Themenabende veranstaltete oder Songs von den Fab Four im Gottesdienst an der Orgel anklingen ließ, auch der Musik von Mikis Theodorakis in Vernindung mit Gedichten von Pablo Neruda verlieh er als Dirigent einer größeren Produktion Ausdruck. 

Schließlich bereichert er das Angebot des BAC-Theaters. Highlight seien für ihn, so Jan Knobbe, die Aufführungen von Brechts Dreigroschenoper gewesen: „Mit diesem Ensemble zusammenzuwirken und einem so genialen Bühnenbildner wie Carl Farin, das war schon ein Geschenk.“ 

So werden Karrieren gemacht

„Es ist keine Überraschung, wenn ich sage, dass ich hier bleibe“, sagt Bezirkskantor Knobbe. Es gebe noch viele Ideen, und nicht zuletzt die Arbeit mit den Kindern, die ihrerseits später als Erwachsene die Freude an der Musik verbreiten können, sei ebenso spannend wie erfüllend. Nicht ohne Stolz sagt er, dass einer seiner Orgelschüler, Marcell Armbrecht,  inzwischen Domkantor in Brandenburg geworden sei.

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