Virtual Reality  therapeutisches Mittel in Bad Arolser Schön Klinik

So hilft 3-D-Brille beim Bewältigen von Angststörungen

Therapie in virtuellen Welten: Die Psychologische Psychotherapeutin Yvonne Stricker, und Diplompsychologe Martin-Uwe Beyer setzen in einem Forschungsprojekt an der Schön Klinik Bad Arolsen Technik wie aus Computerspielen ein. Foto: Armin Haß

Bad Arolsen. Wenn die Angst vor dem Gang in den Supermarkt lähmend wirkt, Herzrasen oder Schweißausbrüche verursacht, dann ist psychologische Hilfe notwendig. Die  klassische Konfrontationstherapie wird  an der Schön Klinik Bad Arolsen in  Forschungsprojekt ergänzt durch Virtual Reality-Technik.

Menschen mit Phobien, also krankhaften Ängsten, können durch die Begegnung mit angsteinflößenden Situationen in der Verhaltenstherapie behandelt werden. Der Aufwand bei der Konfrontation mit realen Flugsituationen oder großen Menschenansammlungen ist jedoch groß, die Therapie kostspielig.

Das ist kein Spiel

Zum Einsatz kommen 3-D-Brillen, wie sie für Video-Spiele eingesetzt werden, ein Handset für den Patienten sowie eine spezielle Software, mit deren Hilfe die angstauslösenden Situationen realitätsnah und dosiert eingespielt werden können.

Seit zweieinhalb Monaten setzt das Psychologen- und Therapeuten-Team der Station 10 für Menschen mit Phobien und Zwangserkrankungen diese neuen Hilfsmittel ein. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet von der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg.

So wird Realität nachgestellt

Mit Spezialbrille und Handsets ausgerüstet, betreten die Patienten eine Parallelwelt, in der genau die Situationen erfahrbar werden, die sie so peinigen. Die Patienten lassen sich auf die Parallelwelt ein, berichtet die Leitende Psychologin der Klinik für den Therapiebereich der Angststörungen, Yvonne Stricker.

Beispiel Gang zu einem Vortrag: Der Patient mit einer Sozialphobie betritt einen Raum mit gut einem Dutzend Menschen, die durch individuell gestaltete Avatare dargestellt werden, sprechen können, den Referenten mit ihren Blicken fixieren, interessiert fragen oder irritierende Stellungnahmen abgeben.

So wird der Patient überwacht

Per Mausklick können die Situationen mehr oder weniger peinigend eingestellt werden. Die Träger der Virtual Reality (VR)-Brille werden schrittweise in die Parallelwelt eingeführt: Große Plätze, die Ängste auslösen können, Spinnentiere oder große Höhen lassen sich wie etwa bei Computerspielen und dreidimensional einspielen.

Auch der WLZ-Reporter fühlte sich unter Einsatz der technischen Hilfsmittel der Psychologen zunächst wie in einer anderen Welt, akzeptierte die Situationen als realistisch. Wie zum Beweis können virtuelle Gegenstände, etwa ein Stoffhäschen, mithilfe des Handsets vom Tisch gefegt werden.

Das sind die Erfahrungen

An den Probanden werden der „Hautwertwiderstand“ sowie Herzschlag und Puls gemessen. Im Zusammenspiel mit dem Biofeedback-Team an der Klinik lässt sich nach einem Punktesystem feststellen, wie sich die Patienten an die angsteinflößenden Situationen anpassen. Die Menschen werden durchgehend begleitet, können auch aus den Situationen „aussteigen“.

Die Erfahrungen von Yvonne Stricker und dem Diplompsychologen Martin-Uwe Beyer sind nach den Therapien mit fünf Patienten unterschiedlich: Eine Patientin mit einer Sozialphobie konnte nach dem zweiten Auftritt in einem Konferenzraum schon etwas frei sprechen.

Den Einsatz der Virtual Reality-Therapie empfänden die Patienten als besondere Therapieleistungen und für sich als besonders würdigend, erklären die Psychologen der Schön Klinik.  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare