Timo Vollbracht ein Jahr in einem Slum-Projekt

So hilft ein Bad Arolser Menschen in Brasilien

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Der Bad Arolser Timo Vollbracht hilft als Freiwilliger in einem Slum bei Sao Paulo

Bad Arolsen. In einem mitreißendem Multimedia-Abend nahm der Bad Arolser Timo Vollbracht die Besucher des BAC-Theaters auf die Reise durch eine Favela am Rande von Sao Paulo.

Dort war er ein Jahr als Freiwilliger in einem sozialpädagogischen Projekt für Kinder, Jugendliche und Frauen im Einsatz. Ein Jahr würde normalerweise nicht reichen, um das zu erleben, was der heutige Schulreferendar in dem brasilianischen Zentrum für Bewohner des Slums getan und was er selbst an Erfahrungen gemacht hat. 

Was verbindet ihn mit Brasilien?

Humorvoll und bewegend schilderte der 29-Jährige die schwierige Phase des Hineinwachsens in eine vollkommen fremde Welt mit einer für ihn unbekannten Sprache. Das Jahr hat den Arolser so nachhaltig geprägt und eine solche Verbundenheit mit den Menschen in der Millionenstadt bewirkt, dass er schon einen weiteren Einsatz im Herzen bewogen hat.

 „Ja, ich möchte zurück, ich vermisse die Arbeit und die Kinder“, antwortet er auf eine Frage aus dem Publikum. Doch gehen für ihn die Ausbildung zum Lehrer und die berufliche Tätigkeit vor. 

So konnte er helfen 

Das kleine Dorf der Initiative Arco wirkt wie eine Oase am Rande eines Elendsviertels, in dem Tausende Menschen um ihre Existenz ringen. Da erscheint es wie ein Wunder, dass einer der betreuten Schüler in dem Favela-Projekt ein Studium beginnen konnte. 

Was bewirkt Arco? Kinder erfahren liebevolle Zuwendung und werden unter anderem bei den Hausaufgaben unterstützt. Zudem wird die die Kreativität der Jüngsten und der Heranwachsenden gefördert. 

Welche Voraussetzungen brachte er mit?

So konnte Timo Vollbracht mit einer vom Arolser Posunenchor gestifteten Trompete einen Musikkurs abhalten. Der Arolser im BAC-Theater führte künstlerisch gestaltete Videos vor, die er mit den jungen Leuten produzierte, und die einiges über deren Weltsicht und Selbstverständnis zeigen. 

Seine schon im BAC-Theater gezeigten schauspielerischen Talente oder sein Trompetenspiel waren neben einem Studium als Förderschullehrer gute Voraussetzungen für viele Projekte, die er bei Arco selbstständig betreute.

Wer half sonst noch?

 Über Mangel an Zuneigung und Vertrauen brauchte sich Timo Vollbracht nicht beklagen: Als er eine Frauengruppe übernehmen sollte, dachte er an einen Kreis von maximal 15 Brasilianerinnen. Am Ende waren es 40, und viele gaben dem jungen Mann aus Deutschland die Handynummern ihrer Töchter an die Hand. 

Timo Vollbrachte nutzte den Vortrag zum Dank an die Familie, Freunde, das BAC-Theater als Veranstalter und die vielen Spender, die einen Betrag von 4000 Euro für das Projekt bereitstellten. Sein Herz, das wurde bald klar, scheint er an die Menschen am Rande von Sao Paulo verloren zu haben.

Seit wann gibt es das Projekt?

Das Projekt Arco am Rande der Favela wurde 1991 als kleines Waisenhaus gegründet. Heute kümmern sich 75 Mitarbeiter um 600 Kinder und Jugendliche. Von der Kindertagesstätte bis zur Betreuung von Schülern und von Frauen reicht das vielfältige Spektrum. Demnächst soll noch eine Berufsvorbereitung ermöglicht werden. 

Die Probleme der Favela: Gewalt daheim und auf der Straße, Kriminalität, Drogenhandel und Sucht, ein Leben unter ärmlichen Bedingungen. Denn in den Hütten mag es im Sommer noch erträglich sein, im Winter schleicht sich bei Sonnenuntergang die Kälte hinein.

 Wie war der Start?

Timo Vollbracht hat in den ersten Monaten neugierig und voller Enthusiasmus das Leben in der Betreuungseinrichtung begleitet und das pädagogische Konzept schätzen gelernt. Er hat aber auch Zeiten des Heimwehs und der Einsamkeit erlebt, in der er Portugiesisch nicht einmal ansatzweise verstand. 

Der Anfang sei „mehr als ein Kulturschock“ gewesen, jeden Tag sei er „ins kalte Wasser geworfen§ worden. Doch ist er der aus der Schweiz stammenden Projektleiterin, den Kollegen, den freiwilligen Helfern und nicht zuletzt den Kindern dankbar, die ihn aufbauten und dem Einsatz in der Einrichtung Sinn gaben. 

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