Werner Stibbe steht  als Rentner noch mit  Berufsleben in Kontakt

So hilft Mengeringhäuser Seniorexperte Auszubildenden

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Als Rentner aktiv in der Ausbildungsförderung: Als Senior-Experte steht der Maschinenbautechniker Werner Stibbe bereit.

Bad Arolsen. Mit dem Rentnerdasein hat der Mengeringhäuser Maschinenbautechniker dem Berufsleben noch lange nicht den Rücken gekehrt. Als Senior-Experte hilft er jungen Menschen beim Bewerbungstraining oder beim Abschluss einer Ausbildung.

Mit 62 ist Stibbe bei der Firma Hewi in die Altersteilzeit gewechselt, und mit 63 hat er sich beim Senior Experten Service (SES) beworben, der von der Bundesregierung gefördert sowie dem Deutschen Industrie- und Handwerkskammertag, dem Deutschen Handwerkskammertag und dem Berufsverband der Freien Berufe getragen wird. 

Was braucht ein Seniorexperte?

Die Senior Experten selbst müssen keine Fachleute für die Ausbildungsberufe sein. Gefragt sind ihre Erfahrung aus dem Berufsleben und die Fähigkeit, junge Menschen in der Ausbildung zu fördern. Dazu gehört viel Idealismus und Freude am Umgang mit jungen Menschen. 

Die Senioren erhalten eine Aufwandsentschädigung. Voraussetzung für den Einstieg in diese Form der Auszubildendenförderung war ein zweitägiges Seminar, das ihm die Mitarbeit in dem VERA-Projekt (Verhindung von Ausbildungsabbrüchen) ermöglicht. Ein Viertel der Lehrlinge bricht die Ausbildung aus verschiedenen Gründen ab - der Auszubildende verliert Zeit, der Betrieb auch Geld. 

So schaffen Jugendliche die Lehre

Dass es anders geht, hat ein von Werner Stibbe betreuter junger Mann mit anfangs schlechten Berufsschulnoten in der Ausbildung als Metallbauer bewiesen, der sich an VERA wandte und dem Werner Stibbe als Betreuer vermittelt wurde. In einem Gespräch vereinbarten beide, dass sie gemeinsam den Weg zur Ausbildung gehen wollen. 

Nach einem Jahr Unterstützung durch Werner Stibbe ging der Auszubildende ohne Angst in die Prüfung und bestand sie, wenn auch nicht gerade mit berauschendem Notendurchschnitt. Wichtig war das Bestehen der Prüfung, sagt Stibbe. Das gebe Selbstvertrauen und habe dem jungen Mann schließlich inzwischen zu einer Festanstellung verholfen.

 „Sie sind das Beste, was mir passieren konnte,“ schrieb ihm der erfolgreiche  ehemalige Azubi. 

Das muss der Auszubildende liefern

Nicht immer läuft es so gut. Wenn es an Zuverlässigkeit mangelt und dem guten Willen zur Zusammenarbeit, dann muss die Unterstützung abgebrochen werden. 

Bei Stibbe hat sich eine junge Auszubildende auch über persönliche Probleme aussprechen können. Gegenseitiges Vertrauen ist wichtig. „Von staatlicher Seite müsste mehr für die Förderung von jungen Menschen getan werden, die Schwierigkeiten in der Schule und der Ausbildung haben“, gibt Stibbe zu bedenken.

Hilfe bei Berufsvorbereitung

Momentan ist Werner Stibbe an Schulen in Kassel und Umgebung sechs- bis achtmal im Jahr für Bewerbungstraining gefragt. Stibbe bekommt eine Woche vorher die Informationen über die Schüler und fungiert dann in einer Gruppe von sechs Schülern ab der neunten Klasse als Lehrherr. 

Die Mitschüler können selbst Feedback auf die Vorstellung des Bewerbers geben. Eine detailliertere Rückmeldung gibt der Senior Experte: „Wir sind zwar wohlwollend, weisen aber auch darauf hin, dass es bei unentschuldigten Fehltagen in Betriebspraktika zu Problemen kommen kann.“

In Thailand erste Erfahrungen

Erste Erfahrungen als Ausbilder bekam Stibbe von 1972 bis 1975 im Rahmen des Deutschen Entwicklungsdienstes durch eine Tätigkeit an einer Technik-Schule in Thailand. Im benachbarten Indochina tobte der Krieg.

 Im Jahr vorher hat er Thailändisch gelernt, um die jungen Leute in ihrer Muttersprache unterrichten zu können. 

Anfrage für die Ukraine

Als vor einem Jahr die Anfrage des SES nach einem Einsatz in der Ukraine kam, hat Stibbe dankend abgelehnt. Nicht wegen der krisenhaften Situation im Osten des Landes, sondern weil ihm der Auslandsaufenthalt von drei Monaten zu lang wäre. 

Schließlich freut er sich auch, wenn er sich mit seiner Frau seine Enkel zu Gesicht bekommen kann. 

Wo kann man sich melden?

Wer sich für den Einsatz im Rahmen des Senior-Expert Service undVERA-Projekt (Verhindung von Ausbildungsabbrüchen)interessiert , kann sich melden bei der Leiterin von VerA in Bonn, Ute Boldt. Telefon: 0228/26090-161, E-Mail: u.boldt@ses-bonn.de. Die Internetseite: www.vera.ses-bonn.de

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