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So kommt der Windstrom vom Waldecker Land ins Rhein-Main-Gebiet

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Von: Elmar Schulten

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Die Stromtrasse zwischen Paderborn und dem Rhein-Main-Gebiet wird verstärkt. Dazu wurde der Hochspannungsmast zwischen Mengeringhausen und Twiste mit einem neuen Fundament versehen.
Die Stromtrasse zwischen Paderborn und dem Rhein-Main-Gebiet wird verstärkt. Dazu wurde der Hochspannungsmast zwischen Mengeringhausen und Twiste mit einem neuen Fundament versehen. © Elmar Schulten

Der Stromnetzbetreiber Tennet lässt bereits seit dem vergangenen Jahr die 380-Kilovolt-Leitung zwischen dem Umspannwerk von Mengeringhausen über Borken bis Mecklar verstärken.

Bad Arolsen-Mengeirnghausen - Im vergangenen Jahr wurde auf dem Gelände des Umspannwerks an der ein großer Drossel-Transformator installiert. Im laufenden Jahr wurden schwerpunktmäßig die Leiterseile zwischen den Hochspannungsmasten erneuert.

In diesen Tagen enden die Betonierungsarbeiten zur Verstärkung der Fundamente des Mastes 113 unmittelbar vor dem Umspannwerk an der Bundesstraße B252 bei mengeringhausen. An dieser Stelle nimmt die Hochspannungsleitung einen scharfen Knick, der mit besonderen Zugkräften verbunden ist. Besonders Wind- und Eislasten zerren an den Stahlprofilen und Fundamenten, die jetzt verstärkt wurden.

Wichtiges Projekt im Bundesbedarfsplan

Ein Unternehmenssprecher von Tennet erklärt dazu: „Die Leitung nähert sich mit 50 Jahren ohnehin bald ihrer technischen Lebensdauer. Die jetzt ausgeführten Sanierungsarbeiten wurden aber auch aus anderen Gründen vorgezogen.“

Über das Bundesbedarfsplangesetz haben Bundestag und Bundesrat bereits 2015 die Notwendigkeit dieser Netzverstärkung gesetzlich festgelegt. Im Bundesbedarfsplan gesetzt ist der Abschnitt Twistetal-Borken als Vorhaben Nr.45 festgeschrieben.

Immer größere Strommengen benötigt

Konkret bedeutet die Netzverstärkung, dass nach Fertigstellung die aktuelle Stromtragfähigkeit von derzeit 2620 Ampere auf spätere 4000 Ampere erhöht wird. Die Spannungsebene von 380 Kilovolt ändert sich nicht.

Die Erhöhung der Stromtragfähigkeit ist notwendig, da die Leitung innerhalb Deutschlands eine wichtige Funktion im Nord-Süd-Transport darstellt und auch regional die wichtigste Stromachse ist. Zum einen müssen immer größere Strommengen von Norddeutschland in die Ballungszentren gebracht werden.

Größere Ströme führen zu höheren Temperaturen

Zum anderen muss auch der in den ländlichen Regionen erzeugte regionale Grünstrom über Umspannwerke wie das zwischen Mengeringhausen und Twiste eingesammelt und dann über die bestehenden Leitung abtransportiert werden. Hier ist naturgemäß das Rhein-Main-Gebiet ein wichtiges Ziel, das vor allem auch zukünftig immer mehr Strom aufgrund des Wachstums oder bspw. der Ansiedlung von Rechenzentren braucht.

Diese Erhöhung der Stromtragfähigkeit wird dadurch erreicht, das sogenannte Hochtemperaturleiterseile aufgelegt werden. Die neuen Seile sind von den Maßen her identisch mit alten Leiterseilen. Allerdings unterscheiden sich die Aluminium- und Stahllegierungen: die neuen Seile können bis zu 135 Grad heiß werden. Die alten Leiterseile waren nur auf bis zu 80 Grad ausgelegt.

Netzoptimierung schreitet voran

Netzbetreiber Tennet geht hier stets nach dem NOVA-Prinzip vor. Das bedeutet Netzoptimierung vor Verstärkung vor Ausbau und trägt dazu bei, den Netzausbau, also den Bau von neuen Leitungen auf das notwendige Minimum zu reduzieren.

Bei der Umbeseilung werden die alten Seile als Zugseile für die neuen Seile genutzt. Die Arbeiten haben im Bereich Waldeck bereits im November 2020 begonnen. Bis Ende November 2021 war die eine Seite der Leitung auf der kompletten Strecke zwischen Twistetal und Borken umbeseilt. Seit März 2022 wird jetzt die zweite Seite neu beseilt.

Für das kommende Frühjahr sind noch einzelne Masterhöhungen um wenige Meter geplant.  red/es

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