Alte Pächter sind neue Eigentümer

So lassen Ritter das Schloss Höhnscheid sanieren

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Die Baltischen Ritterschaften als neue Eigentümer lassen das Schloss Höhnscheid sanieren.

Bad Arolsen-Bühle. Die Sanierung des Schlosses Höhnscheid unter der Regie des Verbandes der Baltischen Ritterschaften steht vor dem Abschluss.  Die ersten Veranstaltungen sind in den nächsten Wochen, im Mai/Juni soll offizielle Wiedereröffnung sein.

Als Treffpunkt der Familien der Baltischten Ritterschaften, Tagungsort, Hotel und Restaurantbetrieb wird Schloss Höhnscheid nach dem Verkauf von der  Waldeckischen Domanialverwaltung an die Baltischen Ritter umfassend saniert und modernisiert. 

So gut ist die Bausubstanz

Handwerksbetriebe aus dem Waldecker Land, dem Kasseler Raum und Thüringen sind unter der Regie von Arved von Oettingen (Wanfried), Geschäftsführer der Schloss Höhnscheid GmbH und Co. KG im Einsatz. 

Der Architekt Bruno A. Graute (Kassel), zugleich Brandschutzsachverständiger, ist für den planerischen Bereich zuständig. Für die Gestaltung der Räume wurde Innenarchitektin Maria-Jacinta von Roeder (Unique Home Solutions, München) engagiert. 

Was ist neu?

Die Substanz sei in einem Topzustand, stellt Bauleiter von Oettingen aus dem Werra-Meißner-Kreis fest, der seit dem 20. Dezember die meiste Zeit auf Gut Höhnscheid verbringt. Das tun auch viele der Mitarbeiter der Firmen, wie er anerkennend feststellt. 

Schließlich war als Bauzeit ein Vierteljahr anvisiert worden. Dieses Ziel werde dank des flexiblen und zuverlässigen Einsatz der Handwerker erreicht. 

So wird der Brandschutz verbessert

Während die in den 90-er Jahren nach Abschluss des Pachtvertrages modernisierten 31 Zimmer in einem guten Zustand sind, mussten die Bäder erneuert und der bauliche Brandschutz verbessert werden. Dafür  zeichnet der Architekt verantwortlich. So können zweckmäßige und denkmalpflegerisch akzeptable Lösungen für die Verbesserung des Brandschutzes erreicht werden. 

Dazu gehört eine neue Außentreppe aus Metall im hinteren Teil des Schlosses, zusätzliche Rettungswege, Alarmierungs- und Brandmeldeanlagen sowie der Einbau brandhemmender Materialien in Decken und Wänden.

Deckenbalken erneuert

Gleich bei Beginn der Bauarbeiten wurde durch Zimmermannskunst der in den vergangenen 100 Jahren nur kaschierte Schaden an einem Deckenbalken in einem Hotelzimmer endlich behoben. Ein weiteres statisches Problem musste gelöst werden, indem eine auf einem gebrochenen Balken ruhende Wand entfernt wurde. 

Dadurch ergab sich die Möglichkeit, aus zwei kleinen Zimmern ein großes zu machen, das mehr Komfort bietet. Überraschend war dies für die Bauherren nicht, und in dem Bauingenieur Armin Schacht hatten die Planer in der Domanialverwaltung einen kundigen Fachmann als Ansprechpartner. 

So ändert sich das Interieur

Der helle, freundliche Charakter der Räume wird durch die Farbgebung und die textile Gestaltung unterstrichen. Durch Akustikabsorber, textil bespannte Alurahmen, in den Wänden lässt sich ohne optische Beeinträchtigung der Raumklang deutlich verbessern. 

Die Innenarchitektin Maria-Jacinta von Roeder achtete bei der Wahl der Vorhangstoffe aus Spanien und Frankreich und der Motive auch auf historische Bezüge zu den Baltischen Rittern.

Das ist geplant

Im November 2017 erfolgte die Übergabe des Schlosses mit der Eulenburg an die Baltischen Ritterschaften, deren Schloss Höhnscheid GmbH und Co. KG die Renovierung unter der Regie von Arved von Oettingen steuert. 

Als neuer Pächter übernimmt Günther Koseck, bisher Sababurg, den privaten Hotelbetrieb mit Restaurant und Tagungsbetrieb. Seit Ende des vorigen Jahres laufen die Sanierungsarbeiten, die im April weitgehend abgeschlossen sein dürften. 

Das erste Familientreffen

Zum 11. April sei das Haus voll belegt, sagt Koseck. Dann trifft sich der Landesverband der Burgenvereinigung, dem Koseck selbst angehört. Bereits am 14. und 15. April tagen die Familienverbände der Baltischen Ritter, für Mai/Juni ist die offizielle Eröffnung anvisiert worden. Bis dann dürfte ein Millionenbetrag in die Sanierung investiert worden sein. 

Die Domanialverwaltung hat das Gebäudeensemble für 332 000 Euro an die Baltischen Ritter verkauft, die das Schloss bis 2025 gepachtet hatte. 

Wie beteiligt sich der Kreis?

Der Kreistag hatte zudem einem Zuschuss von 900 000 Euro zugestimmt, der sich aus den Verpflichtungen des 1995 geschlossenen Mietvertrags ergeben hatte.  Diese betrafen vor allem die Verbesserung des Brandschutzes und eine bessere Internetversorgung. Letztere wird von den Baltischen Rittern finanziert, dabei hat der Kreis einen günstigeren Preis des für die Verlegung des Glasfaserkabels durch das Bauunternehmen herausgeholt. 

Dem Verkauf und dem Zuschuss hat der Kreistag letztendlich zugestimmt, weil dies die Domanialverwaltung als vorheriger Eigentümerin günstiger kommt als die umfangreiche Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Pachtvertrag. 

Wald ist wichtiger

Das Schloss hatte die Domanialverwaltung erst Anfang der 60-er Jahre von der Industriellenfamilie Henschel erworben. Viel bedeutender ist für den Eigenbetrieb des Kreises der Waldbesitz ringsum.

 „Es freut uns, dass der bisherige Pächter die Nutzung als Eigentümer fortsetzt“, sagt Rolf Kaufmann, Direktor der Domanialverwaltung, bei einem Rundgang. Erfreulich sei es auch, dass ein neuer Pächter des Hotelbetriebs das Konzept weiter mit Leben erfüllen werde. (ah)

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