Kreative Kunsthandwerkerinnen im Ostermuseum Schmillinghausen

So schnell lassen sich jetzt noch Ostereier verzieren

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Ostereier färben in Schmillinghausen: Hedwig Prozeller mit ihren Arbeiten.

Arolsen-Schmillinghausen. Zur kunsthandwerklichen Ideenschmiede wird das Ostermuseum Schmillinghausen in jedem Jahr. Sogar Ideen für Basteleien kurz vor Ostern lassen sich erhaschen. Besucher konnten dem Kreativteam dabei zuschauen, wie die Eier zum Osterfest bemalt werden.

Die kreativen Frauen haben unserer Zeitung gegenüber  Tipps gegeben, wie mit wenigen Mitteln und schnell noch Eier zu Ostern gefärbt und verziert werden können. 

Wie lassen sich Eier schnell färben?

„Meinen Ideen nach zu urteilen, müsste ich 200 Jahre alt werden“, sagt schmunzelnd Heidi Bröker aus Mengeringhausen, die seit 15 Jahren zum Team im Ostermuseum von Traute Winkler zählt und dann auch in der Vorweihnachtszeit aktiv ist. Viele, nicht alle Ideen der eifrigen Kunsthandwerkerin sind leicht umzusetzen: So lassen sich auf einen Holzstab aufgesteckte Eier mithilfe von Acrylfarbe marmorieren, die zuvor auf eine Plastiktüte aufgetragen wurde. Das Ei wird über die Farbe(n) gedreht - fertig ist das österliche Schmuckstück.

Bei der Tauchmarmorierung wird in ein Glas mit Wasser Ölfarbe geschüttet. Dann wird ein Ei in die Flüssigkeit gesenkt und gleich wieder herausgezogen. Fertig ist das Überraschungsei, vorhersagen lassen sich die Muster nicht.

So funktioniert Serviettentechnik

Mit Geduld, scharfer Schere und dem richtigen Blick für dekorative Elemente lassen sich in Serviettentechnik Eier verzieren. Aus besonders feinen Servietten werden beispielsweise Blumen, Schmetterlinge oder Hasen ausgeschnitten und mithilfe eines Spezialklebers und eines feinen Pinsels fein säuberlich aufgetragen. 

„Das ist eine schöne, gemeinsame Beschäftigung für Kinder und Erwachsene“, sagt Heidi Bröker. Sie freut sich, wenn sie anderen Menschen zeigen kann, wie österliche Dekorationen hergestellt werden.

Das ist die Alternative

Sie hat vor dem Einstieg beim Ostermuseum schon Tausende von Fröbelsternen für die Weihnachtszeit angefertigt und viele zugunsten der Kinderkrebshilfe Waldeck-Frankenberg verkauft. Als sie von Traute Winkler zum Kreativteam eingeladen wurde, habe sie erst gezögert: „Ich hatte einen Horror vor dem Ausblasen von zig Eiern“, bekennt die Mengeringhäuserin. Doch hat sie die Furcht davor abgelegt, einen großen Teil österlicher Deko stellt sie aus bruchfesten Plastikeiern her.

Hühner- Tauben, Gänse- und Enteneier bearbeitet Hedwig Prozeller aus Rhoden mit einem leichten Bohrer für den Haushalt, einem Zahnarztbohrer nicht unähnlich. Dabei werden die Eier anhand von zuvor aufgezeichneten Hilfslinien angebohrt und bemalt. 

So werden Eier angebohrt

Manches Hühnerei zerbricht bei aller Vorsicht beim Umgang mit dem fragilen Material unter den geschickten Händen der Rhoderin, die seit 22 Jahren zum Kreativkreis bei Frau Winkler gehört. Doch von dem Ausschuss ahnt niemand etwas beim Bestaunen der kleinen Kunstwerke. Schon gar nicht beim Betrachten der Gänseeier, aus deren relativ dicker Schale große Stücke mit dem Bohrer herausgefräst wurden. 

Die Stabilität der Schalen hängt besonders bei den Hühnern von der Futterzusammensetzung ab, wie Traute Winkler dazu anmerkt. Jedes Osterei ist ein Einzelstück. 

Welche Färbetechniken gibt es?

Taubeneier werden mit einem feinen Filzstift und mit Acrylfarben benalt. Anbohren würde die dünnschaligen Eier zerstören. Der Klassiker ist das Färben von Eiern mit natürlichen oder künstlichen Farben aus dem Handel. 

Brauns-Heitmann aus Warburg gehört zu den bekannten Produzenten. Eine Spezialität der Rhoder Kunsthandwerkerin ist das Färben mit Schnipseln von  Blauholz und Zwiebelschalen. Diese Zutaten werden in einen Bogen angefeuchtete Haushaltspapier gewickelt und dann unmittelbar für zehn bis zwanzig Minuten in kochendes Wasser gelegt - fertig ist das marmorierte Osterei.

Was bietet das Ostermuseum?

Das Ostermuseum in Schmillinghausen bietet Einblick in Brauchtum in Verbindung mit Religiosität. Österliche Überlieferungen fußen auf heidnischen Traditionen und mischten sich mit Bestandteilen des christlichen Glaubens. So gibt es seit dem 12. Jahrhundert Ostereier. Die waren mit Symbolen für den Frühling und für Fruchtbarkeit bemalt und wurden zu Ostern in der Kirche gesegnet.

Das Bemalen der Eier war eine Fasten-Übung: „Wer sich damit beschäftigt, kommt nicht auf die Idee, essen zu müssen“, sagt Museumsleiterin Traute Winkler. Bei der „benedictio ovarum“ im katholischen Ostergottesdienst wurden Eier und andere Speisen, wie das Osterbrot, geweiht. 

So wandelt sich das Brauchtum

Die gesegneten Eier wurden auch an Freunde und Nachbarn verschenkt - mit den besten Wünschen für ein gutes Erntejahr und fruchtbares Hofgetier.

Mit dem Protestantismus wandelte sich das Brauchtum, verschwand die Weihe, wurden andere Motive auf die Eier gemalt. Heute sind sie vielfach reine Dekorationsstücke, „Ostereier sind das nicht mehr“, so Traute Winkler.

Hier gibt es fast alles zu Ostern

Das Schwinden der Beziehung zum wirklichen „Oster-Ei“ führte nach den Worten der Museumsgründerin dazu, dass Eier beliebig verziert werden zur Verschönerung des Osterfestes. Das in seinen Anfängen religiös begründeteOster-Ei wurde vom Segensträger zum profanen „Oster-Ei“ und auch zum Handelsobjekt. 

Beispiele für die lange Geschichte der Oster-Eier können interessierte Besucher im Rahmen der stehenden Sammlung im Museum für Frühlings- und Osterbrauch in  Schmillinghausen, Holzhäuser Straße 12 entdecken. 

Dann ist geöffnet

Diese ist am Karsamstag von 10 bis 17 Uhr sowie noch am Ostersonntag und -montag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Telefon: 05691/ 5 05 18. Der Eintritt kostet für Erwachsene 1,50 Euro und für Kinder 50 Cent. (ah)

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