Schweizer Ensemble Les Passions de L’Ame serviert "Fenomeni"

So schwungvoll klangen die 33. Bad Arolser Barock-Festspiele aus

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Das Ensemble Les Passions de L’Ame, Berns Orchester für Alte Musik, gestaltete das Abschlusskonzert der Brockfestspiele in Bad Arolsen unter dem Titel Fenomeni. Vorn im Bild: Festspielleiterin und Solistin Prof. Dorothee Oberlinger (Blockflöte) und Orchesterleiterin Meret Lüthi (Violine).

Bad Arolsen. Zu seinen Lebzeiten genoss Antonio Vivaldi europaweites Ansehen, später geriet er in Vergessenheit, heute ist seine mitreißend vitale Musik allseits beliebt. Der „Prete Rosso“, der rothaarige Priester, so der Spitzname des Venezianers, war Hauptkomponist beim Abschlusskonzert der 33. Barock-Festspiele in der ausverkauften Fürstlichen Reitbahn.

„Fenomeni“ lautete das Motto, und phänomenal war auch, was Festivalleiterin Dorothee Oberlinger zusammen mit dem Berner Barockorchester Les Passions de l’Ame hören ließ. Auf Weltklasse-Niveau widmeten sich die Künstler der musikalischen Naturschilderung, die Vivaldi so vortrefflich beherrscht hatte.

Zum Auftakt gab das zwölfköpfige Schweizer Ensemble um Geigerin Meret Lüthi der Ouvertüre zur Oper „L’Olimpiade“ eine fulminant „sportliche“ Dynamik. Darauf zog ein musikalischer Seesturm auf in dem Concerto „La Tempesta di Mare“.

Dorothee Oberlinger glänzte mit ihrer atemberaubenden Virtuosität an der Blockflöte, beeindruckend nicht allein in der Höchstgeschwindigkeit. Ebenso unverwechselbar war, wie ausdrucksstark und frei der Alte-Musik-Star die musikalischen Phrasen, ja einzelne Töne gestaltete. Alles mit dem Ziel, dem Blockflötenspiel die größtmögliche Lebendigkeit zu geben, wie auch im Laufe des Abends verschiedene Flöten den ganzen Tonraum abdeckten.

Bravourös meisterte Oberlinger eine Tour de Force. Unter anderem fesselte das extravagante Concerto „La Notte“, eine Nachtmusik voll unheimlicher Trugbilder. Umso lieblicher dagegen „Il Gardellino“, wo Oberlinger den Distelfink in zwitschernder Höhe porträtierte und mit einem wunderbar gesanglichen Satz bezauberte. In einem Jagd-Concerto war Meret Lüthi die virtuose Violinsolistin.

Dazwischen waren andere Preziosen eingestreut – so der Regentanz „Schiarazula Marazula“ von Giorgio Mainerio. Mit der tiefen Flöte steuerte Oberlinger eine magische, weltmusikalisch anmutende Einleitung bei. Auf der Empore spielte sie „Engels Nachtegaeltje“ des Niederländers Jacob van Eyck, von der Bühne aus antwortete Meret Lüthi mit Violin-Echos.

Jubelnder Beifall, begeisterte Ovationen, zwei Zugaben. (Von Georg Pepl)

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