Bad Arolsen

In Sorge um die Kirchtürme und die Kinder

- Bad Arolsen(-es-). Nur kein unnötiges Öl ins Feuer gießen! – Nach diesem Motto haben die Stadtverordneten bei ihrer Sitzung am Donnerstag ihre Zustimmung für die Änderung der Schulbezirksgrenzen im Bereich der Stadt Bad Arolsen signalisiert.

Sprecher aller Fraktionen betonten, dass es niemals Absicht gewesen sei, die Interessen der Nachbarstadt Diemelstadt zu schädigen. Es solle auch nicht der Eindruck entstehen, dass im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit in Nordwaldeck der große Partner die kleinen „über den Tisch ziehe“. Dennoch sei es im Interesse der vier Grundschulstandorte in Bad Arolsen, wenn die Schulbezirksgrenzen so geändert würden, dass die Kohlgrund und Schmillinghausen im Bereich der Stadt Bad Arolsen eingeschult werden. In berechtigten Einzelfällen werde bestimmt auch in Zukunft großzügig mit Gestattungen geholfen. SPD-Sprecher Eberhard Eckhardt stellte fest: „Hier wird zu viel über Kirchtürme geredet und zu wenige über Kinder.“ Ein Zerwürfnis mit Diemelstadt sei nie gewollt gewesen. Ebensowenig das Zerwürfnis im Inneren der Arolser Schullandschaft. Auch die Arolser Grundschule fühle sich als Verlierer. Eine Kooperationslösung zwischen Arolsen und Landau sei möglicherweise besser. Landau habe den Fehler gemacht und zu sehr auf seine Einzügigkeit gepocht. Damit sei eine Chance vertan. Bis zum nächsten Schulentwicklungsplan müssten andere Lösungen für Landau gesucht werden. Der Landauer Stadtverordnete Lothar Menkel von der Offenen Liste machte deutlich, dass es nicht, wie von Diemelstadt behauptet, „nur um den Erhalt der Verwaltungs- und Schulleiterstelle“ gehe. Es gehe allein um den Erhalt der Schule. Die Schule sei wichtig für das Vereinsleben für Landau als Ganzes. Dies umso mehr da nun auch andere Institutionen auf der Kippe stünden wie das Altersheim und die Arztpraxis. Menkel: Wer über Schulschließung redet, der enthauptet das Projekt „Landliebe“ gleich mit. Das bekräftigte auch der CDU-Stadtverordnete und Landauer Ortsvorsteher Tino Hentrich: „Wir sind dankbar, dass unser Bürgermeister das Thema zur Chefsache gemacht hat. – Ich wünsche mir, dass wir wieder zu einer fairen Diskussion zurückfinden.“ Aus Sicht des Schmillinghäuser Ortsbeirats stellte Ortsvorsteher Rolf Engelhard fest, dass es mehr um die Zukunft der Schulen als um die Kinder gehe. Dabei stehe längst noch nicht fest, dass alle Schmillinghäuser Eltern ihre Kinder auch nach Arolsen schicken würden. Ebenso wenig sei gesichert, dass die Busfahrzeiten für die Kinder am Ende tatsächlich kürzer seien. „Wer sich nicht bewegt, wird bewegt, stellte der Wetterburger Ortsvorsteher Gerd Frese fest: „Wir haben einen Vorschlag für den Schulentwicklungsplan gemacht. Die anderen können einen anderen Vorschlag unterbreiten. Am Ende muss der Kreis entscheiden. Fest steht aber: Wenn eine Schule einmal geschlossen ist, wird sie nicht wieder aufgemacht.“ Detlef Volmer von der offenen Liste bedauerte, dass bei der Entscheidung das Votum des Ortsbeirats Schmillinghausen ebenso wenige beachtet werde wie die jahrzehntealten Kontakte zwischen Rhoden und Schmillinghausen. Deshalb wolle er sich bei der Abstimmung enthalten. Für die FDP gab deren Stadtverordneter und Kreistagsabgeordneter Adolf Graf zu Protokoll: „Es geht hier nur um den Planungszeitraum bis 2015, nicht für um alle Ewigkeit. Die Schulen stehen im Wettbewerb und müssen sich um zukunftsfähige Konzepte bemühen.“Bürgermeister Jürgen van der Horst kommentierte die jüngsten Reaktionen aus Diemelstadt so: „Art und Intensität der Reaktionen lässt sich nach meinem Verständnis nicht mit der Faktenlage in Einklang bringen. Es wäre schade, wenn andere wichtige Projekte, die auch für Diemelstadt wichtig sind, deswegen nicht vorankommen sollten.“

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