Gembecker Ortsbeirat will rechtzeitig die Weichen gegen die Abwanderung stellen

Sorge um Zukunft des Dorfes

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Jung und Alt ziehen in Gembeck an einem Strang: Mit vereinten Kräften arbeiteten die Gembecker im Frühjahr 2009 für den Anschluss ihres Dorfes an die schnelle Datenautobahn. Archivfoto: Haß

Twistetal-Gembeck - Der demografische Wandel wird Waldecks Dörfer verändern. Doch noch fällt es schwer, sich die Folgen auszumalen. Der Ortsbeirat von Gembeck will nicht einfach nur zuschauen, sondern die Entwicklung mitgestalten und vor allem das Schlimmste verhindern.

Um Fakten über die derzeitige und künftige Bevölkerungsstruktur zu sammeln und um gleichzeitig einen Ideenwettbewerb in Gang zu setzen, hat der Ortsbeirat Fragebögen an alle 230 Einwohner des kleinen Dorfes verteilt.

Jeder dritte Fragebogen kam ausgefüllt zurück und wird nun intensiv ausgewertet, wie Ortsvorsteher Günter Fischer bei der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates am Dienstagabend berichtete. Die reinen statistischen Daten konnte Fischer schon am Abend präsentieren.

Die Auswertung der inhaltlichen Kommentare und Anregungen wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Aber Fischer versicherte: „Keine Meinung fällt unter den Tisch. Wir wollen alles zusammentragen, bündeln und bei einer Bürgerversammlung öffentlich diskutieren.“

Zu dieser Bürgerversammlung wollen die Gembecker Experten zum Thema Dorfentwicklung und Abwanderung befragen. Mit externem Sachverstand und dörflichem Engagement soll die Entwicklung gebremst und vielleicht sogar umgekehrt werden.

Jugend zieht’s in die Ferne

Noch gibt es in Gembeck nur einzelne, wenige Leerstände. Doch wie sieht der kleine Ort in zehn Jahren aus? Schon heute fällt bei Auswertung der statistischen Daten der Fragebogenaktion auf, dass die Hälfte aller Gembecker älter als 50 Jahre ist. Aktuell gibt es nur acht Kinder unter zehn Jahren im Dorf. Zwölf sind im Alter von zehn bis 15 Jahren. Von den 15- bis 25-Jährigen lernen und arbeiten schon viele außerhalb des Landkreises und sind bestenfalls an Wochenenden im Dorf.

Vieles hängt davon ab, wie sich diese jungen Leute nach Abschluss ihrer Ausbildung entscheiden. Finden sie eine Arbeitsstelle in der Region? Werden sie eine Familie gründen und in ihrem Heimatdorf wohnen bleiben oder wird es vielleicht sogar gelingen, junge Familien aus anderen Regionen zu einem Umzug nach Gembeck zu gewinnen?

Mithilfe von Experten aus dem Kreishaus und Studenten der Universität Kassel wollen die Gembecker ein Konzept gegen den demografischen Wandel entwickeln. Orientieren wollen sie sich dabei an den kreativen und positiven Ansätzen in Landau und Rhoden.

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