Mädchen der Kaulbach-Schule betreuen Flüchtlinge im BBW-Wohndorf

Sozial macht Schule

Die Schülerinnen der Kaulbach-Schule (v. l. im Hintergrund) Leyla Murg, Zeyneb Özdemir, Sozdar Özdemir und Elena Deuermeier betreuen Flüchtlingskinder im BBW-Wohndorf. Foto: Armin Haß

Bad Arolsen - Mit SMS kümmern sich Mädchen und Jungen der Haupt- und Realschule in Bad Arolsen um Senioren und Kinder. Zurzeit läuft das Freiwilligen-Projekt Sozial macht Schule (SMS) bei den Flüchtlingsgruppen im Berufsbildungswerk Bad Arolsen.

Etwa ein Dutzend Schülerinnen aus den Klassen 9 und 10 der Real- beziehungsweise der Hauptschule betreuen derzeit Kinder von Flüchtlingen. Sie malen mit ihnen, spielen zusammen oder bringen ihnen die ersten Brocken Deutsch bei.

Für die 17-jährige Zeyneb Özdemir und die 16-jährige Leyla Murg, beide in Deutschland geborene Kinder von ehemaligen kurdischen Flüchtlingen, ist die Betreuung der Flüchtlingskinder eine Herzensangelegenheit. „Mich macht es glücklich, wenn ich helfen kann“, sagt Leyla, deren Mutter und Schwester einst aus dem kurdischen Teil der Türkei geflüchtet sind. Sie und Zeyneb sind beide in der H 10 und bereiten sich auf den Abschluss vor. Danach wollen sie eine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin absolvieren.

Mit dem Einsatz im BBW helfen sie nicht nur Kindern und deren Eltern, die sich über die willkommene Betreuung freuen. Die Schülerinnen sammeln Punkte für ein Zertifikat zum Abschluss des SMS-Projektes und Erfahren fürs (Berufs-)Leben. „Soziale Kompetenzen werden immer wichtiger, wichtiger als gute Noten“, sagte Rosel Reiff, Leiterin der Kaulbach-Schule.

Lehrerin Dorothee Gerhard betreut das 2007 ins Leben gerufene Programm. Es ist eine Art Trotzreaktion: Als der Personalleiter eines Betriebes erklärt habe, mit den heutigen Jugendlichen könne man nichts anfangen, da habe sie mit dem Sozial-Projekt zeigen wollen, dass in den Mädchen und Jungen deutlich mehr steckt, als allgemein angenommen.

Im ersten Jahr waren es ausschließlich 16 Mädchen, die in dem Programm vorgesehenen 20 Doppelstunden für einen sozialen Zweck neben Schule und Hausaufgaben absolvieren wollten. Später kamen auch Jungen dazu, die allerdings immer noch in der Minderzahl sind.

Grundschülern helfen sie bei Hausaufgaben, Senioren erfreuen sie mit ihrer Präsenz bei Spielen. Auch im Bathildisheim kümmern sich Kaulbachschüler um die oft gleichaltrigen Jugendlichen. Den allermeisten Schüler(innen) macht der Einsatz so viel Freude, dass sie über die 20 Doppelstunden hinaus sich in ihrer Freizeit engagieren: Ein Mädchen kam sogar schon auf 36 Doppelstunden. Freiwillig, aus der Freude an dem ehrenamtlichen Tun.

Leyla und Zeyneb haben sich schon früher um die Belange von Flüchtlingen gekümmert. Durch ihre Kurdisch-Kenntnisse konnten sie als Übersetzerinnen einspringen. Doch nur in wenigen Fällen können die Mädchen mit den Jüngsten im BBW wirklich sprechen. Sprachliche Defizite müssen dann durch Gestikulieren ausgeglichen werden.

Doch sowohl die Kinder als auch deren Eltern sind über die ehrenamtlichen Helferinnen froh, wie auch Sozdar Özdemir aus der H 9 zu berichten weiß, die mit ihrer Klassenkameradin Elena Deuermeier die beiden anderen Schülerinnen ergänzt. „Ich werde es auf 40 Doppelstunden bringen“, bringt Sozdar ihre Entschlossenheit auf den Punkt.

Flüchtlinge im Wohndorf

Neben den direkt vom Land aus dem überfüllten Erstaufnahmelager für ein, zwei Wochen im BBW wohnenden Flüchtlingen, derzeit 70, sind vom Kreis 19 Erwachsene und Kinder gegenwärtig im Wohndorf untergebracht. Sie haben bereits einen Anspruch auf Integrationsmaßnahmen, so besuchen Kinder die Kindertagsstätten oder Schulen und Erwachsene bekommen Deutschkurse.

„‚Sozial macht Schule‘ ist ein wunderbares Projekt“, schwärmt der ehemalige Leiter der Kaulbachschule und Vorsitzende der Bathildisheim-Mitgliederversammlung, Herbert Weygandt. Und bekennt: „Wir sind eine bunte Gesellschaft. Menschen mit Behinderungen und mit einem Migrationshintergrund gehören dazu.“ Daher habe er gerne den Anstoß dazu gegeben, Flüchtlingen im BBW Zuwendung zu bieten und in der jetzigen Schulleiterin Rosel Reiff eine gute Verbündete für die Umsetzung der Idee in dem SMS-Projekt gefunden.

Wenig Konflikte

Menschen aus dem Irak, aus Äthiopien, Eritrea und Syrien, aber auch aus Serbien und Albanien sind momentan im BBW vorübergehend untergebracht. Betreut werden die vom Land zugewiesenen Bewohner von Hannelore Ludwig, die Unterstützung von zwei weiteren Mitarbeiterinnen des Bathildisheims bekommt. Sie selbst ist die Ansprechpartnerin für die Flüchtlinge und über ein Notfalltelefon praktisch rund um die Uhr bei Problemen erreichbar.

Doch bisher habe es nur wenige Konflikte gegeben und auch die Polizei habe nicht eingreifen müssen. Auch Diebstähle seien bisher nicht aktenkundig geworden.

In den für die Flüchtlinge vor zwei Jahren umfunktionierten BBW-Wohnhäusern finden auch Familien abgeschlossene Räume vor, deren bescheidener Komfort allerdings deutlich besser als manches andere Quartier für Exilsuchende ist.

Wer länger bleibt, also nicht mehr zu den Gruppen in der Erstaufnahme zählt, darf auf integrative Leistungen zählen. In der Kaulbach-Schule haben sie eine Bildungseinrichtung an ihrer Seite, die selbst über ausreichend Erfahrung im Umgang mit einer großen Zahl von Jugendlichen mit Migrationshintergrund verfügt und auch noch Intensivkurse in Deutsch anbieten muss. Von diesen regulären Lehrgängen profitieren auch einige Flüchtlinge und deren Kinder.

Wer sich - ob als Jugendlicher oder als Erwachsener - ehrenamtlich in der Betreuung von Flüchtlingen betätigen will, kann sich gerne beim Bathildisheim oder in der Kaulbach-Schule melden.

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